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Corona-Impfstoff bietet mehr als 90-prozentigen Schutz
Panorama 3 Min. 09.11.2020

Corona-Impfstoff bietet mehr als 90-prozentigen Schutz

Die nun vorliegenden Studiendaten von Biontech machen Hoffnung im Kampf gegen das Corona-Virus.

Corona-Impfstoff bietet mehr als 90-prozentigen Schutz

Die nun vorliegenden Studiendaten von Biontech machen Hoffnung im Kampf gegen das Corona-Virus.
Foto: Arne Dedert/dpa
Panorama 3 Min. 09.11.2020

Corona-Impfstoff bietet mehr als 90-prozentigen Schutz

Sehnsüchtig wartet die Welt auf einen Corona-Impfstoff. Als erstes westliches Unternehmen legt der deutsche Hersteller Biontech Zwischenergebnisse einer großen Studie vor.

(dpa/jt) - Erstmals gibt es zu einem für Europa maßgeblichen Corona-Impfstoff Zwischenergebnisse aus der für eine Zulassung entscheidenden Studienphase. Wie das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech am Montag mitteilte, bietet seine Impfung diesen Daten zufolge einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19. 

Schwere Nebenwirkungen seien nicht registriert worden. Biontech und der Pharmariese Pfizer wollten voraussichtlich ab der kommenden Woche die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen.

Der Impfstoff BNT162b2 war von Biontech im Projekt „Lighspeed“ (Lichtgeschwindigkeit) seit Mitte Januar entwickelt worden. Die für eine Zulassung entscheidende Phase-3-Studie begann ab Ende Juli in verschiedenen Ländern. Inzwischen haben mehr als 43.500 Menschen mindestens eine der beiden Impfungen bekommen, die im Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Ein Impfschutz wird nach Angaben der Hersteller eine Woche nach der zweiten Injektion erreicht.

Untersuchungen über einen Zeitraum von zwei Jahren

In der Studie wurden demnach bis Sonntag insgesamt 94 Fälle der Krankheit bestätigt. Die Ergebnisse werden den Angaben zufolge erst dann abschließend ausgewertet, wenn insgesamt 164 Fälle erreicht sind. Zudem werde geprüft, in welchem Maß die Impfung nicht nur vor Covid-19 schützt, sondern auch vor schweren Verläufen der Krankheit. Insgesamt sollen sowohl die Schutzwirkung als auch etwaige Nebenwirkungen über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet werden.


ARCHIV - 08.10.2015, Bayern, Kempten: ILLUSTRATION - Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt, selbst striktere Beschränkungen scheinen die Entwicklung nicht aufhalten zu können. Große Hoffnungen ruhen auf einer Impfung. (zu dpa «Im Eiltempo zum Impfstoff - dennoch ist der Weg zur Normalität lang») Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Im Eiltempo zum Impfstoff - langer Weg zur Normalität
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt, selbst striktere Beschränkungen scheinen die Entwicklung nicht aufhalten zu können. Große Hoffnungen ruhen auf einer Impfung.

Für den Corona-Impfstoff gilt wegen der besonderen Dringlichkeit ein beschleunigter Zulassungsprozess. Bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA können Arzneimittelhersteller schon vor dem kompletten Zulassungsantrag einzelne Teile zu Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit eines Präparats einreichen. Ein solches Rolling-Review-Verfahren hat neben Biontech auch das britisch-schwedische Unternehmen Astrazeneca bereits vor einiger Zeit für seinen Impfstoff-Kandidaten gestartet. Astrazeneca hat bisher noch keine Phase-III-Daten veröffentlicht. Zum Zeitplan dafür lasse sich noch nichts sagen, teilte eine Sprecherin am Montag mit.

50 Millionen Impfdosen noch dieses Jahr

Das Biontech-Präparat ist ein sogenannter RNA-Impfstoff. Es enthält genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper ein Viruseiweiß herstellt - in diesem Fall das Oberflächenprotein, mit dessen Hilfe das Virus in Zellen eindringt. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um die Viren abzufangen, bevor sie in die Zellen eindringen und sich vermehren.


Rund 30.000 Dosen sollen bis Ende des Monats nachgeliefert werden.
Grippeimpfstoff derzeit Mangelware in Luxemburg
Laut dem Apothekerverband sind zurzeit alle Vorräte in Luxemburg aufgebraucht.

Biontech und Pfizer rechnen damit, noch in diesem Jahr weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoff-Dosen bereitstellen zu können, im kommenden Jahr kalkulieren sie mit bis zu 1,3 Milliarden Dosen.

Zwar haben schon Länder wie Russland, China und kürzlich erst Bahrain Impfstoffe mit Einschränkungen freigegeben und impfen damit bereits Teile der Bevölkerung. Aber wie gut diese Impfungen tatsächlich schützen und welche Nebenwirkungen sie haben können, ist derzeit weitgehend offen.

Zunächst 280.000 Impfdosen für Luxemburg

Die EU-Kommission hatte Anfang September 200 Millionen Impfstoff-Dosen bei Biontech-Pfizer reserviert – zuzüglich einer Option auf den Ankauf weiterer 100 Millionen Dosen. Zudem bestehen Vereinbarungen mit fünf weiteren Herstellern von vielversprechenden Impfstoffkandidaten, darunter Astrazeneca. Auf der Grundlage des geplanten Vertrags mit Biontech-Pfizer könnten alle EU-Mitgliedstaaten das Vakzin erwerben. 

Luxemburg hat auf Basis seiner Einwohnerzahl zunächst Anspruch auf 0,14 Prozent des Bestellvolumens, also rund 280.000 Dosen, mit Option auf 140.000 weitere. Eine Arbeitsgruppe im Gesundheitsministerium ist derzeit mit der Ausarbeitung einer Corona-Impfkampagne befasst. Die Teilnahme soll freiwillig sein.

Indes hat die Meldung über die vielversprechenden Forschungsergebnisse die Aktien von Biontech und Pfizer am Montag beflügelt. Für die Papiere des US-Pharmakonzerns Pfizer ging es im US-Handel um rund 9 Prozent aufwärts, die Papiere des Mainzer Biotechunternehmens schnellten um rund 16 Prozent auf 107 US-Dollar nach oben. 

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