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„Das Fernsehen ist nicht mein Zuhause“
Panorama 5 Min. 15.07.2021
Cordula Stratmann

„Das Fernsehen ist nicht mein Zuhause“

Cordula Stratmann ist in der neuen Frauen-Sketchserie „Queens of Comedy“ zu sehen.
Cordula Stratmann

„Das Fernsehen ist nicht mein Zuhause“

Cordula Stratmann ist in der neuen Frauen-Sketchserie „Queens of Comedy“ zu sehen.
Foto: ZDF und Frank Hempel
Panorama 5 Min. 15.07.2021
Cordula Stratmann

„Das Fernsehen ist nicht mein Zuhause“

Cordula Stratmann spricht im Interview über ihre neue Frauen-Sketchreihe und die Rückkehr in ihren Beruf als Familientherapeutin.

Interview: Cornelia Wystrichowski

Humor ohne Netz und doppelten Boden: Mit der Improvisations-Comedy „Schillerstraße“ wurde Cordula Stratmann 2004 zum Star. Jetzt ist sie an der Seite von Kolleginnen wie Annette Frier in der neuen Frauen-Sketchserie „Queens of Comedy“ (ab Freitag, 16. Juli im ZDF) zu sehen, in der bekannte Komikerinnen lustige Geschichten aus weiblicher Perspektive erzählen.  

Cordula Stratmann, die Frauen-Sketchserie „Queens of Comedy“ ist vor und hinter der Kamera fast komplett weiblich besetzt. Was sagen Sie dazu?

Ganz ehrlich: Dass eine solche Produktion im Jahr 2021 immer noch so eine große Sache ist, erstaunt mich als Tochter einer berufstätigen Mutter, die mir schon vor Jahrzehnten beigebracht hat, dass es dumme und schlaue Männer gibt, genauso wie es dumme und schlaue Frauen gibt. Es ist doch absolut fraglos, dass wir gleichwertig sind. Und es ist unverändert ungeheuerlich, dass es immer noch keine paritätische Besetzung gibt und dass Frauen immer noch nicht dieselben Summen verdienen wie Männer für dieselbe Leistung. Ich krieg gerade schon wieder Puls.

Wurden Sie als Komikerin bei Engagements schon schlechter bezahlt als Ihre männlichen Kollegen?

Da dürfen wir alle sicher von ausgehen, so genau weiß ich es nicht, wir dürfen ja per Vertrag nicht über unsere Gehälter sprechen. Aber ich kenne natürlich die Realität, und die lässt mir manchmal die Kinnlade runterklappen. Ich habe zum Beispiel in über 20 Jahren mit niemandem darüber sprechen sollen, dass ich als Frau ständig in Produktionen bin, wo ein Überhang an Männern ist. Ich wurde noch nie gefragt: Wie findest du es, dass schon wieder ein Regisseur vor dir steht? Wie findest du es, dass der Hauptdarsteller männlich ist? Wenn aber eine Frau Regie führt, wird gefragt: Wie war die Zusammenarbeit?

Ich mache mein Zeug nicht mit Botschaft im Hinterkopf, weil ich finde, pädagogisches Kabarett haben wir genug.

 Welche Botschaft soll „Queens of Comedy“ transportieren?

Ich mache mein Zeug nicht mit Botschaft im Hinterkopf, weil ich finde, pädagogisches Kabarett haben wir in Deutschland genug, und das entbehrt jeder Komik. Ich glaube aber, dass wir die Vielfalt von weiblichem Humor in dieser Serie sehen, und eventuell wird das für den ein oder anderen ungewohnt sein, weil wir ja überwiegend männliche Erzählungen kennen. 

Gibt es männlichen und weiblichen Humor?

Es gibt definitiv einen weiblichen und einen männlichen Humor – und es gibt eine große Schnittmenge. Für meinen Geschmack gelingt den männlichen Kollegen die politische Relevanz längst nicht so gut wie Carolin Kebekus, sie ist aktivistisch und lustig. Wenn aber andere Kolleginnen von ihrem Mann erzählen, wie dämlich der sich anstellt, dass der die Socken im Schrank nicht findet – das finde ich leider nicht witzig. Das hat mit Frauenhumor nichts zu tun und ist auch keineswegs feministisch, das ist 70er-Jahre-Humor auf dem Niveau von Fips Asmussen. Feministisch, ach Quatsch, selbstverständlich ist, wenn ich als Frau ebenso wie ein Mann den Platz habe, zu tun was ich möchte. Im Humor und im Rest des Lebens.

In der Fernsehwelt muss immer alles super gut aussehen, immer noch besser werden, es wird alles kommentiert, das verlangt eine übersteigerte Ego-Pflege.

Fehlt dem Feminismus hierzulande manchmal der Humor?

Ach was! Manchen Feministinnen fehlt der Humor, andere sind ausgesprochen lustig, das trifft ebenso auf HundebesitzerInnen zu. Oder MetzgerInnen. Oder ArchitektInnen. Oder so.

Was halten Sie von gendergerechter Sprache?

Rückfrage: Ist es nicht selbstverständlich, dass wir 2021 als Frauen nicht mehr mitgemeint sind, wenn gesagt wird: zehn Autoren verließen den Raum – und es waren acht Frauen darunter. Es ist doch klar, dass ich kein Autor bin, und ich gehöre im Plural nicht zu Autoren. Wo ist das Problem zu sagen: AutorInnen, liebe Entrüsteten?   

Mit Sendungen wie der „Schillerstraße“ sind Sie sehr bekannt geworden, inzwischen sieht man Sie aber seltener auf dem Bildschirm. Sie praktizieren seit drei Jahren wieder in Ihrem erlernten Beruf als Familientherapeutin. Was war der Anlass dafür?

Ich habe diesen Beruf 20 Jahre lang vermisst. Ich bin zwar mit Leib und Seele Komikerin, ob man mich öffentlich beschäftigt oder nicht, aber mir war immer klar, dass ich die Arbeit als Familientherapeutin irgendwann wieder selbst ausübe. Ich wusste immer, dass ich mir einen Praxisraum suche, wenn mein Herz mich laut zurück in den Beruf ruft, mit einem Ohr habe ich 20 Jahre immer nach innen gehorcht.


TOPSHOT - US actress and director Jodie Foster arrives for the opening ceremony and the screening of the film "Annette" at the 74th edition of the Cannes Film Festival in Cannes, southern France, on July 6, 2021. (Photo by John MACDOUGALL / AFP)
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Ist Ihnen das TV-Geschäft auf Dauer zu oberflächlich gewesen?

(lacht) Sagen wir mal so: Es ist nicht mein Zuhause. In der Fernsehwelt muss immer alles super gut aussehen, immer noch besser werden, es wird alles kommentiert, das verlangt eine übersteigerte Ego-Pflege. Als Therapeutin arbeite ich aber an Diskretion, Integrität, an der Wahrung von Grenzen und am Abbau von fehlgesteuertem Ego. Das Arbeiten an großen Lebensthemen im geschützten Raum hat mir gefehlt ab dem Moment, in dem ich damals meine Beratungsarbeit verlassen habe.

Was sagen die Patienten, wenn sie plötzlich jemandem gegenübersitzen, dessen Gesicht sie aus dem Fernsehen kennen?

Die sitzen mir anfangs ja nicht plötzlich gegenüber, sondern werden an mich überwiesen. Deshalb wissen die Leute, dass sie auf Cordula Stratmann treffen, und die Entscheidung, ob sie mir zutrauen, dass ich sie ein Stück begleite, haben sie vorher schon getroffen.

Welche Rolle spielt Humor in Ihrer Therapie?

Humor hat eine zentrale Bedeutung, das kann ich gar nicht genug betonen. Weil das etwas mit der Selbstbefähigung zu tun hat, dieses Leben leben zu können. Am Humor kann man erkennen, wie viel Kraft in einer Familie und im Einzelnen steckt und wie groß die Fähigkeit ist, eine Meta-Ebene einzunehmen. Wir können keine Konflikte lösen, wenn wir nicht die Perspektive wechseln können. Eigentlich ist das auch mein Anliegen als Komikerin, wenn ich denn eines formulieren soll: Das zutiefst rheinische Gemüt, das sagt: „Lass es uns doch einfach nett miteinander machen – statt blöd.“  

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