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Concorde - mit Überschall unterwegs
Panorama 5 5 Min. 02.03.2019

Concorde - mit Überschall unterwegs

Am 24. Oktober 2003 hebt eine Concorde vom Flughafen London Heathrow ab, bevor der Betrieb der kostspieligen Zivilmaschinen am 26. November des gleichen Jahres schließlich eingestellt wird.

Concorde - mit Überschall unterwegs

Am 24. Oktober 2003 hebt eine Concorde vom Flughafen London Heathrow ab, bevor der Betrieb der kostspieligen Zivilmaschinen am 26. November des gleichen Jahres schließlich eingestellt wird.
Foto: AFP
Panorama 5 5 Min. 02.03.2019

Concorde - mit Überschall unterwegs

Am 2. März 1969 startet ein Flugzeug gen Himmel wie es die westliche Welt noch nicht gesehen hat. Die überschallschnelle Passagiermaschine ist eine technische Revolution. Gleich mehrmals steuert die Concorde den Flughafen Findel an.

von Jürgen Schelling

Der französische Concorde-Prototyp 001 startet in Toulouse zu einem halbstündigen Flug. Zwei zuvor geplante Termine wurden durch schlechtes Wetter vereitelt. Das Fahrwerk bleibt aus Sicherheitsgründen die ganze Zeit über ausgefahren. Die beiden Testpiloten und der Flugingenieur an Bord wollen das Risiko minimieren. Die Maschine steigt auf nur etwa 3 000 Meter. Die Geschwindigkeit bleibt bescheiden, unterhalb von 500 Stundenkilometern. Nach einer knappen halben Stunde ist es schon vorbei. Bei der Landung wird ein Bremsfallschirm nach dem Aufsetzen ausgelöst, um auf Nummer sicher zu gehen. Die Premiere ist gelungen. Vier Wochen später hebt auch der britische Prototyp 002 erstmals ab.

Eine neue Ära der Luftfahrt

Der 2. März 1969 markiert eine Revolution in der Aviatik. Zwar benötigt das französisch-britische Gemeinschaftsprojekt noch sieben Monate, bevor erstmals Überschall in der Flugerprobung erreicht wird, und weitere sechseinhalb Jahre bis zum Linieneinsatz, aber ab Ende Januar 1976 ist die Concorde das schnellste und modernste Transportmittel der westlichen Welt.

Flugpioniere (v.l.n.r.): Flugingenieur Henri Perrier, die Testpiloten Jean Pinet und Andre Turcat sowie Flugmechaniker Michel Retif nach dem ersten Testflug in Überschallgeschwindigkeit in Toulouse.
Flugpioniere (v.l.n.r.): Flugingenieur Henri Perrier, die Testpiloten Jean Pinet und Andre Turcat sowie Flugmechaniker Michel Retif nach dem ersten Testflug in Überschallgeschwindigkeit in Toulouse.
Foto: AFP

Allerdings kommt es sowohl in der Entwicklung als auch bei der Fertigung zwischen den beteiligten Unternehmen Aerospatiale und British Aircraft Corporation, ebenso wie den Regierungen öfter zu Differenzen, da die Kosten aus dem Ruder laufen. Von erhofften Aufträgen über hundert Maschinen bleiben nur 16 politisch begründete Bestellungen übrig. Die Ölkrise sowie fehlende Überfluggenehmigungen einiger Länder wegen des Lärms haben fast alle Airlines abspringen lassen. Zudem fliegt die ebenfalls vierstrahlige Boeing 747 zwar deutlich langsamer, verbraucht aber auch nur etwa ein Drittel des Kerosins, das eine Concorde auf gleicher Strecke verschlingt.


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Gastspiel in Luxemburg

Dennoch findet die Concorde fast drei Jahrzehnte ihre Nische in der Luftfahrt. Nur sie erreicht unter den zivilen Flugzeugen des Westens maximal Mach 2,23 oder mehr als doppelte Schallgeschwindigkeit, umgerechnet bis 2 405 Kilometer in der Stunde. Ihr sowjetisches Airliner-Gegenstück, die zeitgleich konstruierte und ebenfalls doppelt-überschallschnelle Tu-144, fliegt hingegen nur eine einzige Saison. Air France packt in den letzten Dienstjahren maximal 92 Passagiere in den schmalen Rumpf der Concorde, bei British Airways sind es bis zu 100 Fluggäste.

Sogar in Luxemburg ist die Concorde insgesamt dreimal zu erleben: Bereits im Mai 1982 kommt eine Air-France-Concorde erstmals im Rahmen eines Sonderflugs zu Besuch. Am 31. März 1985 landet eine Concorde von British Airways auf dem Findel. Die Maschine soll auf die Wiedereröffnung der Strecke von Luxemburg nach London-Heathrow aufmerksam machen und das tut sie auch – zur Begeisterung unzähliger Planespotter. Ein Jahr später, im Mai 1986, ist es wieder eine Concorde der Air France, die im Rahmen eines Sonderflugs auf dem Findel-Rollfeld aufsetzt.

Ein völlig anderes Fliegen

Der Ablauf eines Überschallflugs unterscheidet sich deutlich von Reisen in herkömmlichen Airlinern. Die Concorde hebt je nach Abfluggewicht bei etwa 365 km/h und mithilfe der Nachbrenner in ihren Turbinen ab. Sie fliegt mit leicht abgesenkter Nase über Land und zunächst nicht schneller als angezeigte 250 Knoten, umgerechnet etwa 460 km/h. Nach eineinhalb Minuten werden die Nachbrenner abgeschaltet. Sobald die Maschine 3 000 Meter Höhe erreicht, beschleunigt sie weiter. Nun wird die beim Start um etwa fünf Grad geneigte Rumpfnase in Normalposition gebracht. Gleichzeitig fährt eine Art gläserne Haube vor der Cockpitscheibe hoch, um die Aerodynamik zu optimieren. Jetzt wird die Concorde schneller. Die sonst nur in Militärjets üblichen Nachbrenner in den vier Triebwerken werden jedoch erst über offener See erneut zugeschaltet.


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Nach Überschreiten der Schallgeschwindigkeit wird weiter beschleunigt. Bei etwa Mach 1,7 schalten die Piloten die Nachbrenner aus. Bald darauf sind knapp über Mach zwei erreicht. Jetzt fliegt die Concorde mit mehr als 2 100 km/h ihrem Ziel entgegen. Sie steigt bis zu einer maximalen Höhe von rund 18 000 Metern. Hier ist sie deutlich oberhalb herkömmlicher Airliner oder Business-Jets unterwegs, die höchstens 15 000 Meter erreichen. Wenn die Concorde jetzt noch starken Rückenwind hat, ist sie unglaublich schnell. Ihr Rekord für eine Atlantiküberquerung von New York nach London beträgt zwei Stunden 52 Minuten und 59 Sekunden. Kein ziviles Flugzeug erreicht diese Leistung.

Bereits weit vor dem Zielflughafen wird die Geschwindigkeit so weit reduziert, dass spätestens über dem Festland Unterschallgeschwindigkeit erreicht ist. Um von Mach zwei auf Mach eins langsamer zu werden, benötigt es allein 160 Kilometer Strecke. Nun heißt es weiter Höhe und Fahrt abbauen. Ist die Maschine nicht mehr schneller als 460 km/h, fährt die dreiköpfige Crew im Cockpit die Rumpfspitze zur besseren Sicht der Piloten fünf Grad nach unten. Das gläserne Visier vor der Cockpitscheibe klappt nun ebenfalls weg. Der Pilot reduziert die Geschwindigkeit weiter, sodass im Anflug auf die Landebahn noch etwa 350 km/h anliegen. Jetzt kann das Fahrwerk ausgefahren werden. Die Rumpfspitze ist in dieser Phase auf bis zu 17 Grad abgesenkt. Sonst könnten die Piloten die Landebahn nicht ausreichend sehen. Schließlich reduziert die Crew ihre Geschwindigkeit in 300 Metern Höhe auf etwa 290 km/h. Sekunden später setzt die Concorde auf. Ihre Piloten betätigen wie in einem normalen Airliner die Schubumkehr der vier Turbinen und verzögern die Maschine auch mittels der Radbremsen. Dennoch benötigt sie mehr als zwei Kilometer Landerollstrecke.

Tragisches Ende

Am 25. Juli 2000 kommt es zu einer Tragödie. Eine Air-France-Concorde rollt beim Start in Paris über ein zuvor von einem Airliner verlorenes Metallteil, das einen Reifen aufschlitzt. Bruchstücke treffen die Tragfläche. In einem der Tanks entsteht ein Treibstoffleck, die Maschine fängt Feuer. Beim Absturz sterben 109 Passagiere und Crewmitglieder sowie vier Menschen am Boden. Alle Concordes werden „gegroundet“.

Ein kurzes Comeback gibt es im Herbst 2001, nachdem die Tanks durch Kevlarplatten besser gegen hochfliegende Teile geschützt und verstärkte Reifen montiert werden. Doch die Buchungszahlen gehen wegen der Terroranschläge vom 11. September 2001 zurück. Auch die steigenden Spritpreise verstärken die Unwirtschaftlichkeit der Concorde. So werden bis Herbst 2003 alle Exemplare von British Airways und Air France ausgemustert. Am 26. November 2003 landet letztmals eine Concorde am einstigen britischen Herstellerwerk in Filton bei Bristol. Es ist das zumindest vorläufige Ende der Ära des zivilen Überschallflugs.

Das Unglück war nur die Spitze des Eisberges: Aus Kostengründen verzichteten die Fluglinien auf den Betrieb der Concorde nach 2003.
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Foto: Tim Ockenden/PA/dpa



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