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Christoph Maria Herbst: „Man muss auch einstecken können“
Panorama 1 5 Min. 18.04.2019

Christoph Maria Herbst: „Man muss auch einstecken können“

Erik (Christoph Maria Herbst) auf dem Weg zum Kundentermin - nachdem er ein paar Schnäpse gegen den Frust getrunken hat.

Christoph Maria Herbst: „Man muss auch einstecken können“

Erik (Christoph Maria Herbst) auf dem Weg zum Kundentermin - nachdem er ein paar Schnäpse gegen den Frust getrunken hat.
Foto: ZDF und Martin Valentin Menke
Panorama 1 5 Min. 18.04.2019

Christoph Maria Herbst: „Man muss auch einstecken können“

Christoph Maria Herbst spricht über seine neue Scheidungs-Sitcom „Merz gegen Merz“, offene Zahnpastatuben und ein „Stromberg“-Comeback.

Interview: Cornelia Wystrichowski

Die Rolle als fieser Bürotyrann Stromberg hat ihn berühmt gemacht: Christoph Maria Herbst. Ab heute ist der 53-Jährige im ZDF um 22.15 Uhr in der tragikomischen Sitcom „Merz gegen Merz“ zu sehen, einer neuen Comedyserie von „Stromberg“-Erfinder Ralf Husmann. Die acht Episoden drehen sich um ein von Herbst und Annette Frier gespieltes Ehepaar, das sich trennen will.

Christoph Maria Herbst, Ihre neue Comedyserie dreht sich um ein Ehepaar in der Krise. Das klingt zunächst einmal nicht zwingend komisch …

Stimmt, es ist wieder mehr eine Tragedy als eine Comedy. Ralf Husmann bedient sich ja grundsätzlich bei Themen, die eine gesellschaftliche Relevanz haben und wo man nicht a priori sagen würde: „Haha, das ist ja saukomisch: Demenz, Scheidung, ich lach jetzt schon!“ Das sind heiße Eisen, an die sich viele andere Komödienautoren nicht herantrauen.

Was sagt denn das ZDF dazu, das die Serie zeigt?

Als die Redaktion die ersten Szenen gesehen hat, war das vorsichtig formuliert sehr spannend für sie, da man dort eine klassische Sitcom erwartet hatte. Aber das ZDF hat uns zum Glück machen lassen und sieht nun, dass die acht Folgen in Gänze gesehen sehr gut funktionieren. Das ZDF steht voll hinter uns und hat schon vor der Ausstrahlung eine zweite Staffel abgenickt, das freut uns natürlich sehr.

Anne (Annette Frier) und Erik (Christoph Maria Herbst) sind nur noch selten einer Meinung.
Anne (Annette Frier) und Erik (Christoph Maria Herbst) sind nur noch selten einer Meinung.
Foto: ZDF und Martin Valentin Menke

War eine mögliche Fortsetzung Ihrer gemeinsamen Sitcom „Stromberg“ ein Gesprächsthema bei den Dreharbeiten?

Ich bekomme ehrlich gesagt mehrfach in der Woche Mails, in denen ich gebeten werde, den Bernd wieder von den Toten auferstehen zu lassen, aber noch habe ich die Kraft zu widerstehen. Denn dafür mache ich ja andere tolle Sachen wie „Merz gegen Merz“ oder voriges Jahr den Kinofilm „Der Vorname“, für die ich sonst vielleicht keine Zeit hätte. Aber natürlich war „Stromberg“ super geschrieben und es gehörte zu den besten beruflichen Zeiten in meinem Leben. Sollte mir ein Drehbuch zugeschickt werden, dessen Hauptfigur Bernd Stromberg wäre, würde ich das nicht gleich in den Schredder schmeißen. Aber ich fördere das nicht mit Aktionismus.

Wie viel Stromberg steckt denn in Erik Merz, dessen Ehe mit der von Annette Frier gespielten Anne in der Serie vor dem Aus steht?

Die Texte sind von Ralf Husmann geschrieben und in ihnen schwingt eine ganze Menge Stromberg mit. Er bleibt sich da schon treu, auch sein teilweise recht zynischer, misanthropischer Blick aufs Menschsein und das Miteinander fließt in „Merz gegen Merz“ ein. Allerdings ist es vor allem Annette Frier, die Erik Sätze an den Kopf wirft, die ich früher eins zu eins als Stromberg hätte sagen können. In der Serie spielt also eigentlich sie den Stromberg.


ARD/WDR DIE STORY IM ERSTEN, "Der große Umbruch - wie künstliche Intelligenz unser Leben revolutioniert", ein Filmprojekt von Ranga Yogeshwar, am Montag (08.04.19) um 22:45 Uhr im ERSTEN.
In DER GROSSE UMBRUCH zeigt Ranga Yogeshwar, wie künstliche Intelligenz unser Leben schon heute verändert. Hier lässt er sich von einem Roboter des Industrieroboterhertstellers KUKA AG in Augsburg umarmen.
© WDR/Ralf Wilschewski, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/Ralf Wilschewski" (S1+). WDR Presse und Information/Redaktion Bild, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildredaktion@wdr.de
Ranga Yogeshwar: „Von Hause aus Optimist“
Der luxemburgische Moderator und Wissenschaftsjournalist im Gespräch. Das Thema: seine neue Dokumentation über die Chancen und Gefahren von Künstlicher Intelligenz.

Die Serie zeigt tragikomische Szenen einer Ehe. Kennen Sie solche Momente auch aus dem eigenen Leben?

Ja, ich schöpfe bei dem, was ich da spiele, aus eigenen Erfahrungen. Nicht weil ich schon mehrfach geschieden wäre, aber weil ich mit meinen 53 Jahren ja auch schon die eine oder andere Beziehung zu Frauen hatte, die nicht gehalten hat. Das ging dann auch nicht immer auf die zärtlichste und sanfteste Weise zu Ende, sondern da muss man einstecken können, teilt aber auch selber aus.

An einer Stelle sagen Sie als Erik Merz: „Ehen scheitern nicht an den großen Themen wie Zukunft, sondern an kleinen Themen wie einer Tafel Schokolade, die man nicht teilen will …“

Bekanntermaßen steckt der Teufel oft im Detail. Bei den einen ist es die berühmte Zahnpastatube, die nicht zugeschraubt ist, oder die dreckigen Socken, die irgendwo rumliegen. Wenn man der Meinung ist, dass man aus der Mücke einen Elefanten machen muss – selber schuld. In meiner Beziehung läuft das anders. Über viele Dinge, die bei anderen Paaren ein Problem werden könnten, haben wir längst schon offen gesprochen, eben um zu vermeiden, dass es die kleinen Dinge sind, die uns zum Scheitern bringen.

Ist es das Geheimnis einer guten Partnerschaft, dass man stets miteinander spricht und nicht erst dann, wenn man gemeinsam beim Paartherapeuten sitzt?

Die Kommunikationsschwierigkeiten beim Ehepaar Merz sind schlimm. Da sagt der eine Rot, aber der andere will ein Blau gehört haben. Das ist lustig, aber auch sehr realistisch. Damit berühren wir ja einen der wesentlichen Punkte des humoristischen Oeuvres von Loriot, den Mangel an Kommunikation zwischen den Menschen. Ich halte es für unabdingbar, dass man den Partner ausreden lässt und nicht glaubt genau zu wissen, was er als nächstes sagt.

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Wie wichtig ist Humor in Ihrem Beziehungsalltag?

Extrem wichtig – in der richtigen Dosierung. Wir reden nicht ständig in lustiger Kindersprache miteinander, bis die Menschen in unserem Umfeld denken: „Was haben denn die geraucht?“ Aber im richtigen Moment, in dem andere an die Decke gehen würden, lache ich lieber und versuche, Missgeschicke auf eine undeutsche Weise abzupuffern, indem ich einfach mal über mich selber lache. Das hat mir schon oft sehr geholfen.

Und wie halten Sie es mit der Rollenverteilung? Sind Sie ein emanzipierter Ehemann?

Unbedingt. Bei uns daheim wird nicht thematisiert, wer den Müll runterbringt, und ich würde nie sagen: „Nee, ich bin der Mann, das machst Du jetzt mal schön.“ Bevor mir meine Frau eine klatscht, hätte ich mir da selber schon eine reingehauen. Bei uns ist alles komplett auf Augenhöhe, also unisex. Diese geschlechtsspezifische Verteilung, die Rollenklischees, die man von unseren Eltern oder Großeltern kennt, die noch mit dem Muff der 1950er- und 1960er-Jahre zu tun hatten, gibt es doch heutzutage gar nicht mehr.


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