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Bus, Flugzeug, Schiff – und Traktor
Panorama 4 Min. 30.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Führungswechsel beim Kreuzfahrten-Veranstalter Cruisopolis

Bus, Flugzeug, Schiff – und Traktor

Aloyse Sales geht von Bord: In den vergangenen 45 Jahren hat sich auch in Luxemburg die Reisebranche enorm und vor allem schnell verändert.
Führungswechsel beim Kreuzfahrten-Veranstalter Cruisopolis

Bus, Flugzeug, Schiff – und Traktor

Aloyse Sales geht von Bord: In den vergangenen 45 Jahren hat sich auch in Luxemburg die Reisebranche enorm und vor allem schnell verändert.
Foto: Guy Wolff
Panorama 4 Min. 30.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Führungswechsel beim Kreuzfahrten-Veranstalter Cruisopolis

Bus, Flugzeug, Schiff – und Traktor

Zwischen dem Verkauf eines Flugtickets im Jahr 1970 und dem Verkauf eines Flugtickets im Jahr 2016 liegen Welten. Aloyse Sales hat sie aus nächster Nähe miterlebt.

von Fern Morbach

Detailversessen sei er schon immer gewesen, sagt Aloyse Sales von sich selbst. Und ein Nachtmensch. So bereitet es dem mittlerweile 68-Jährigen auch heute noch keine Probleme, nachts um 3 oder 4 Uhr aufzustehen, um anschließend den ordnungsgemäßen Auftakt einer Bus- oder Zubringerreise selbst zu überwachen.

„Dabei kümmere ich mich ebenso um die Programmierung der Zubringer-Busse wie um die Beschaffung aktueller Zeitungen für die Passagiere in den Bussen.“ Die Detailversessenheit ist zugleich eine ausgeprägte Form der Risikominderung: „Ich habe immer versucht, alles Vorhersehbare optimal zu planen und möglichst gut vorzubereiten.“ Unvorhersehbare Probleme, die es immer geben könne, ließen sich anschließend einfacher lösen.

Ruhestand – ein dehnbarer Begriff

Mehr als 45 Jahre lang arbeitete Aloyse Sales in der von seinem Bruder Henri gegründeten Unternehmensgruppe Sales-Lentz. Seit 2001 leitete er zusammen mit seiner Ehefrau Léa das Unternehmen Cruisopolis, einen, wie man heute zu sagen pflegt, der beiden großen „Player“ auf dem weiter wachsenden Luxemburger Kreuzfahrten-Markt. Vor wenigen Wochen trat Aloyse Sales nun in den Ruhestand. Das Wort Ruhestand ist in diesem Fall ein dehnbarer Begriff.

Ganz zieht sich der 68-Jährige nicht aufs Altenteil zurück. „Ich wollte nicht mehr die Hauptverantwortung haben und jeden Morgen den Computer hochfahren müssen.“ Auf der anderen Seite spüre er aber, dass seine Erfahrung und sein Allrounder-Wissen noch gebraucht werden – vor allem bei der Zusammenstellung des Kreuzfahrtenangebotes von Cruisopolis.

Deshalb wird er, wie er es ausdrückt, den neuen „Directeur administratif“, Marc Barnich, noch eine Zeit lang begleiten. Barnich ist von Sales-Lentz zu Cruisopolis gestoßen und leitet das Unternehmen nun zusammen mit Léa Sales, sie ist Verkaufsdirektorin. Die Kinder des Paares hat es nicht in die Reisebranche gezogen. Sohn Luc ist Jurist, Tochter Lynn Deutsch-Professorin.

Das Reisegeschäft hat Aloyse Sales von der Pike auf gelernt. 1970, ein Jahr nach dem Abitur, begann er bei Sales-Lentz. Am Anfang hatte er viel mit der Fliegerei zu tun. Reservierungssysteme gab es damals noch nicht, Flugtickets wurden umständlich per Hand ausgestellt, Reservationen ausnahmslos per Telefon angefragt und bestätigt. Nur gut 45 Jahre liegen zwischen diesen Anfängen und heute – und doch sind es Welten vor dem Hintergrund der explosionsartigen Entwicklungen auf dem Reisemarkt.

Reisebüro und Bus

Tagsüber arbeitete Aloyse Sales damals im Reisebüro am hauptstädtischen Boulevard Royal. Morgens, mittags und abends war er aber auch Busfahrer: Dann brachte er Menschen aus der Küntziger Ecke – seinem Heimatdorf – in die Hauptstadt und von dort wieder zurück nach Hause. „Busfahren machte mir immer sehr viel Spaß.“

Häufig brach er an Wochenenden zu Touren in die französische Hauptstadt auf, zwischendurch chauffierte er Kunden nach Deutschland Richtung Tegernsee, da kamen an einem Tag schon mal 1 000 Kilometer zusammen. Die Leidenschaft fürs Fahren hat Aloyse Sales bis heute nicht losgelassen. Im Ruhe- beziehungsweise Halbruhestand möchte er nun wieder öfters Rad und – Traktor fahren! Die Erklärung liefert er gleich mit: „Wir kommen alle aus einer Bauernfamilie. Ich hatte neun Geschwister.“

Im Berufsleben von Aloyse Sales gibt es die Zeit vor und die Zeit nach Cruisopolis. Meilensteine vor der Gründung des Kreuzfahrten-Unternehmens waren unter anderem die starke Entwicklung des Business-Geschäftes – damals mit viel reisenden Mitarbeitern von finanzkräftigen Kunden wie Goodyear, Namsa oder Monsanto –, der Ankauf von kleinen Unternehmen ohne Nachfolger und die Einführung des Amadeus-Systems in Luxemburg für die Ausstellung von Flugtickets. „Wir kämpften damals jahrelang für den Anschluss Luxemburgs an dieses System“, erinnert sich Aloyse Sales.

Gemischte Kreuzfahrten-Gefühle

Stichwort Kreuzfahrten: Wohl bot Sales-Lentz bereits 1992 zum ersten Mal eine Gruppenkreuzfahrt an, damals an Bord des Schiffes Zenith von Celebrity-Cruises. Gleichwohl dauerte es noch fast zehn weitere Jahre, bis die Kreuzfahrt in der Unternehmensgruppe ein eigenes Standbein erhielt. 2001 wurde Cruisopolis gegründet, ein Jahr später erschien der erste Kreuzfahrtenkatalog.

15 Jahre nach der Gründung von Cruisopolis steht für Aloyse Sales außer Frage, dass diese Konzentration auf das Kreuzfahrtensegment ein richtiger Schritt war. „Damals war die Beratung der Kunden im Reisebüro noch wichtiger und zugleich auch zeitaufwendiger als heute.“ Vor allem aber sei es gelungen, auch in Luxemburg mit Vorurteilen aufzuräumen: Eine Kreuzfahrt sei kein teurer Luxus ausschließlich für richtig Wohlhabende.

Trotzdem blickt Aloyse Sales mit gemischten Gefühlen auf die Entwicklung der Kreuzfahrtbranche. Ja, Kreuzfahrten seien noch immer eine hervorragende Art, Urlaub zu machen. Es habe nach wie vor etwas, jeden Tag an einem anderen Ort sein zu können, ohne die Koffer packen zu müssen. Auf der anderen Seite häufen sich aber die Probleme.

Diese Probleme seien entstanden, als die Reedereien versuchten, aus den ursprünglich exklusiven Kreuzfahrten ein preisgünstiges Massenprodukt zu machen. „Es gibt ein Überangebot an Schiffen, es ist verrückt, dass heute Kreuzfahrten durchs Mittelmeer für 700 oder 800 Euro verkauft werden.“

Hoffnung auf schnelles Vergessen

Dazu, so Aloyse Sales, sei in den vergangenen Jahren neues Ungemach gekommen. Wegen Sicherheitsbedenken laufen viele Reedereien viele Häfen nicht mehr an. „Man kann die Landkarte aber nicht neu erfinden. Die Häfen sind zu klein, darunter leidet die Qualität.“

Und so setzt auch Aloyse Sales am Anfang seines Lebens als Ruheständler auf eine alte Reise-Weisheit: „Kunden vergessen zum Glück ziemlich schnell.“ Das habe sich nicht zuletzt nach dem Unfall der Costa Concordia gezeigt.


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