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Bülent lässt es krachen
Comedian Bülent Ceylan eröffnet mit seiner Show "Game of Games" den SAT.1-Fun-Herbst.

Bülent lässt es krachen

Foto: Arne Weychardt/Sat.1
Comedian Bülent Ceylan eröffnet mit seiner Show "Game of Games" den SAT.1-Fun-Herbst.
Panorama 1 4 Min. 14.09.2018

Bülent lässt es krachen

Bei Bülent Ceylan bekommt jeder sein Fett weg – mit frechen Sprüchen und Kunstfiguren begeistert der Comedian seit Jahren die Fans. Nun moderiert der 42-Jährige eine neue Show: "Game of Games" auf Sat.1. Ein Gespräch.

Interview: Cornelia Wystrichowski

Bülent Ceylan, jahrelang waren Sie der Quotengarant von RTL, jetzt gehen Sie zur Konkurrenz. Warum der Wechsel?

Ich habe RTL viel zu verdanken. Aber es war am Ende wie in einer langjährigen Beziehung – man hat sich nicht mehr so oft "Ich liebe dich" gesagt und die Luft war raus. Die angebotenen Showkonzepte und die dafür vorhandenen Sendeplätze haben nicht mehr gepasst, und genau in diesem Moment wurde mir von Sat.1 ein tolles Komplettpaket angeboten. Dabei ging es nicht um mehr Geld, sondern einfach darum, tolle Shows zu machen. Ich freue mich riesig.

Ihr erster Einsatz ist die Spielshow "Game of Games", die im amerikanischen Original von Ellen DeGeneres moderiert wird …

Wir wollen ja mehrere Sachen ausprobieren und dass ich als Einstieg gleich eine fette internationale Show machen darf, ist super – das ist genau das, was ich mir immer gewünscht habe. Das Format ist echt der Hammer. Wahnsinnig aufwendig, teuer und vor allem sehr witzig. Ich moderiere nicht nur, sondern darf auch funny sein und mit den Zuschauern spaßen und das liegt mir natürlich.

Sie sind einer der wenigen Moderatoren im deutschen Fernsehen mit türkischen Wurzeln …

Stimmt und deshalb habe ich zu Sat.1 gesagt: Wenn ihr mir die Show nicht gebt, fühle ich mich diskriminiert. (lacht) Aber Spaß beiseite. Die Zuschauer sollen nicht sagen: „Da hat so ein Türke die Show gekriegt“ Nein, der Bülent hat die Show gekriegt. Das ist mir wichtig.


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In Deutschland leben mehrere Millionen Menschen mit türkischer Staatsbürgerschaft oder türkischen Wurzeln. Ist diese Bevölkerungsgruppe im deutschen Fernsehen unterrepräsentiert?

Man muss da aufpassen. Ich kann doch nicht einfach eine Quote erstellen und sagen: Soundso viele Türken müssen Moderatoren sein, es geht ja schließlich auch um die Qualität. Ob jemand ein Türke ist, ein Marokkaner oder was auch immer – wenn er gut ist, ist er gut und dann passt es.

Hatten Sie im Laufe Ihrer Karriere den Eindruck, als Mensch mit Migrationshintergrund besser sein zu müssen als andere?

Also es war definitiv nicht so, dass ich einen Bonus hatte, weil ich Deutschtürke bin, sondern ich musste mir alles erarbeiten. Ich habe einen langen Weg hinter mich bringen müssen, bevor ich Erfolg hatte. Aber das ist auch in Ordnung. Ich fühle mich echt gut behandelt und habe Deutschland viel zu verdanken, und diese Dankbarkeit zeige ich – glaube ich zumindest – auch. Von mir aus singe ich auch gleich am Anfang meiner neuen Show die Nationalhymne. (lacht)

Die Integration von Deutschtürken hat im Sommer in Zusammenhang mit der Debatte um den Nationalspieler Mesut Özil für enorme Diskussionen gesorgt …

Ich glaube, die Medien müssen auch ihren Teil zur Integration beitragen. Mir fällt zum Beispiel auf, dass ich immer wieder nach meiner Meinung gefragt werde, sobald es ums Thema Migration geht oder um die Türkei – obwohl ich hier geboren bin und eine deutsche Mama habe. Und außerdem: Wieso nennt man Leute wie mich eigentlich immer Deutschtürken? Man sagt ja auch nicht ständig "Helene Fischer, die Deutsch-Russin".

Fühlen Sie sich deswegen denn diskriminiert?

Nein, als schlimm habe ich das nie empfunden. Wenn einer in meiner Mannheimer Heimat gesagt hat: "Ach, der Türke", habe ich mich nicht diskriminiert gefühlt, das war eher witzig gemeint. Die meisten Leute, die in meine Shows in Deutschland kommen, sind ja Deutsche, die würden nicht kommen, wenn sie mich ablehnen würden. Ich hatte ja auch viele Vorteile dadurch, dass ich eine deutsche Mama habe und einen türkischen Vater hatte.


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Welche Vorteile?

Ich habe dadurch viel Inspiration erhalten und kann deswegen viel besser vermitteln zwischen Deutschen und Türken, denn ich kenne beide Kulturen und ihre Werte. Ich bin multikulti. Und wenn ich in meinem Publikum eine Frau mit Kopftuch und einen Heavy-Metal-Fan sitzen sehe und alle lachen, dann sage ich: "Das ist Deutschland – guck doch mal, wie wir alle zusammenkommen und miteinander über das Gleiche lachen." Ich finde, ich lebe in einem echt wunderbaren Land, das von vielen oft schlechtgemacht wird – zu Unrecht.

Sie haben sich vor einer Weile öffentlich als Erdogan-Gegner geoutet. Gab es dafür negative Reaktionen von türkischer Seite?

Es gab schon den ein oder anderen, der mich "Haustürke" oder "Schoßhund von Angela Merkel" genannt hat. Aber das hat doch damit nichts zu tun. Ich will meinem Publikum einfach zeigen, dass ich von der Einstellung her demokratisch bin, dass Meinungsfreiheit für mich total wichtig ist. Man muss seine Meinung sagen können, ohne angefeindet zu werden. Und wer in dieses Land kommt, muss seine Mentalität achten, muss zum Beispiel Frauen respektieren. Schon meine ältere Schwester hat zu mir gesagt, als ich ein Junge war: "Wenn du groß bist, schaue der Frau nicht auf die Brüste, sondern in die Augen." Ich bin ein Gentleman, halte Frauen die Tür auf – das ist vielleicht konservativ, aber das bin ich lieber als ein Macho, der Frauen nicht achtet.

Haben Sie eigentlich enge Verbindungen zur Türkei?

Ich war schon in Urlaub dort, die Türkei ist ein wunderschönes Land und da leben ganz viele tolle, liebe Menschen. Und mindestens die Hälfte der Bevölkerung ist gegen Erdogan. Man muss aufpassen, dass man nicht pauschalisiert.

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