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Bond auf dem Berg
Im Inneren eine Multimedia-Ausstellung, draußen raue Berglandschaft: Die Erlebniswelt "007 Elements" auf dem Gipfel des Gaislachkogl kann nur mit der Seilbahn erreicht werden.

Bond auf dem Berg

Foto: RICARDO GSTREIN – ÖTZTAL TOURISMUS
Im Inneren eine Multimedia-Ausstellung, draußen raue Berglandschaft: Die Erlebniswelt "007 Elements" auf dem Gipfel des Gaislachkogl kann nur mit der Seilbahn erreicht werden.
Panorama 3 Min. 22.08.2018

Bond auf dem Berg

Film-Designer Tino Schaedler berichtet im Interview von der neuen 007-Erlebniswelt des Meisterspions James Bond in Sölden.

Interview: Olaf Neumann

Wer in die neueste Erlebniswelt des Meisterspions James Bond eintauchen will, muss hoch hinaus – auf den Gipfel des 3 048 Meter hohen Gaislachkogl bei Sölden in Österreich, der 2015 als Kulisse für den 007-Thriller "Spectre" diente. Die vor wenigen Wochen eröffnete Multimediaausstellung "007 Elements" ist in einem maßgeschneiderten Gebäude untergebracht, das komplett in Permafrostfelsen hineingebaut wurde. Im Gespräch mit dem "Luxemburger Wort" erzählt der aus Deutschland stammende Art-Director und Film-Designer Tino Schaedler, der für den Aufbau der Ausstellung verantwortlich war, von seiner Arbeit.

Art-Director und Film-Designer Tino Schaedler.
Art-Director und Film-Designer Tino Schaedler.
Foto: Neal Callow

Tino Schaedler, kommen wir sofort zur wichtigsten Information für Bond-Fans: Welche Artefakte werden in Sölden gezeigt?

Unser Grundkonzept basiert eher auf der Verräumlichung von digitalen Bildern. Sprich: Ganz neu editierte Ausschnitte aus den Bond-Filmen. In dem "Villains Lair" läuft zum Beispiel eine Videoinstallation auf zwei sehr großen Screens, denen gegenüber sind zwei riesige Spiegel angebracht. Sie reflektieren das Gezeigte. Die Besucher stehen inmitten dieser Projektionsflächen und werden ganz anders aktiviert als in einem Kino. Reale "Props" gibt es auch zu sehen, sind aber aufgrund der extremen Temperaturen eher die Ausnahme.

Das Museum wurde auf dem Gaislachkogl in den Ötztaler Alpen errichtet. Klappte das ohne Probleme?

Es war extrem kompliziert, sowohl logistisch, als auch vom Zeitdruck her. Dort oben kann man nur in der Nebensaison von Ende April bis Ende November bauen. Aber letztes Jahr schneite und stürmte es von September an ständig, sodass das Betonieren immer wieder verschoben werden musste. Das Wetter war so extrem, dass man dort kaum arbeiten konnte. Deswegen hat sich der Eröffnungstermin um ein halbes Jahr verschoben. Dazu kommen die Probleme, alle Materialien auf 3 000 Meter Höhe zu bekommen.

Stellte der Dauerfrostboden ein Problem dar?

Das Museum darf nur auf zwei Grad geheizt werden, weil es direkt auf einem Gletscher sitzt. Permafrost nennt sich das, eine Kombination aus Stein und Eis. Würde man das Gebäude beheizen, würde der Permafrost schmelzen und das Fundament nicht mehr sicher sitzen. Die meisten Besucher werden im Schneeanzug durch die Ausstellung gehen, weil sie sowieso auf der Piste sind.

Hat der Bond-Rechteinhaber EON Productions Ihre Arbeit überwacht?

Fast alles musste von EON genehmigt werden. Es war ein sehr intensiver Prozess, aber wir haben ein gutes Gespür entwickelt für das, was Bond ist. Die Bond-Ästhetik ist mir sehr vertraut. Und Neal Callow (Anm. d. Red.: Art Director) hat an vier Bond-Filmen mitgearbeitet. Es war eine Zusammenarbeit zwischen ihm, uns und dem Architekten.

Sie haben bereits bei großen Produktionen mitgewirkt. Würden Sie auch gern einmal an einem Bond-Film mitarbeiten?

Ich war lang Art-Director und bei zwei Filmen Hauptdesigner. "Equals" war eine Ridley-Scott-Produktion, die wir in Japan und Singapur gedreht haben. Bis zu dem Zeitpunkt war das die Karriere, die ich immer ersehnt habe. Da wäre Bond der Traumjob gewesen. Aber beim Film steht man unter der Fuchtel des Produzenten und alles ist sehr politisch. Man verhandelt eher, als dass man Designer ist. Ich empfand die Arbeit am Film am Ende wie ein Korsett. Ich habe mich irgendwann für meine eigene Firma und die Unabhängigkeit entschieden. Wir sind vier Partner. Für uns arbeiten 120 Leute und haben Außenbüros in London und Hamburg.

Hollywood wird als Haifischbecken bezeichnet. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

Es kommt immer auf die Kombination an. Ich habe bei Filmen sehr positive, aber auch ziemlich negative Arbeitserfahrungen gemacht. Mein erster war "Catwoman" mit Halle Berry. Ich habe mit dem Hauptdesigner zusammengearbeitet, der fantastisch war. Aber er wurde nach vier Wochen gefeuert. Innerhalb eines Tages flog ein neuer Produktionsdesigner aus Hollywood ein. Aber ich habe auch viele gute Erfahrungen gemacht. Einer der tollsten Jobs war Tim Burtons "Charlie and the Chocolate Factory".

Hauptdarsteller des Films ist Johnny Depp. Wie empfanden Sie die Arbeit mit ihm?

Er war sehr zugänglich und hatte überhaupt keine Starallüren. Da habe ich auch ganz andere Sachen erlebt. Damals hatte Johnny schon ein oder zwei "Pirates Of The Carribean"-Filme gedreht und eine Oscar-Nominierung bekommen. Er wusste, wo er steht, aber er war sehr sympathisch und cool. Eine Freundin von mir hat mit ihm am zweiten "Alice in Wonderland"-Film gearbeitet. Sie ist mit ihm privat befreundet. Einmal nahm er sie zu Weihnachten mit auf seine Privatinsel auf den Bahamas. Sie erzählte davon eigentlich nur Gutes, aber auch Exzessives.


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