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BioNTech will Malaria-Impfstoff entwickeln
Panorama 3 Min. 26.08.2021
Forschung

BioNTech will Malaria-Impfstoff entwickeln

Malaria wird von Stechmücken übertragen und ist jährlich für eine Vielzahl von Todesfällen verantwortlich. Mit einer wirksamen Impfung könnte sich das ändern.
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BioNTech will Malaria-Impfstoff entwickeln

Malaria wird von Stechmücken übertragen und ist jährlich für eine Vielzahl von Todesfällen verantwortlich. Mit einer wirksamen Impfung könnte sich das ändern.
Foto: Shutterstock
Panorama 3 Min. 26.08.2021
Forschung

BioNTech will Malaria-Impfstoff entwickeln

Das Mainzer Unternehmen orientiert sich dabei an der Technologie, die es auch für den Corona-Impfstoff eingesetzt hat.

Von Johannes Dieterich

Seit Jahrzehnten sind Forscher auf der Suche nach einem Impfstoff gegen Malaria, der mit jährlich weit über 200 Millionen Ansteckungsfällen häufigsten Infektionskrankheit der Welt. Ihr fällt Jahr für Jahr fast eine halbe Million Menschen, vor allem Kinder, zum Opfer. Bislang hat es lediglich ein Medikament zur Zulassung geschafft: Das vom britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline hergestellte „Mosquirix“ vermag allerdings höchstens ein Drittel der Erkrankungen zu verhindern. 

Doch jetzt hat auch der Mainzer Konzern BioNTech seine Beteiligung am Kampf gegen die tödlichen Parasiten angekündigt – beflügelt vom Erfolg seines Covid-Impfstoffs, der zu den besten der Welt zählt. Ugur Sahin, der türkisch-stämmige Chef der Firma, hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Noch in diesem Jahrzehnt eine der schlimmsten Geißeln der Menschheit „ausradiert“ zu haben.

Komplexer Kreislauf 

Dass das kein Kinderspiel werden wird, ist dem 55-jährigen BioNTech-Gründer bewusst: Der Malaria-Erreger sei nur mit großem Aufwand zu „hacken“, räumt der Immunologe ein. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass der Plasmodium genannte Parasit im Verlauf seiner Rundreise vom Magen einer weiblichen Stechmücke – meist der Anopheles-Mücke – in den menschlichen Blutkreislauf, in die Leber und wieder zurück mehrmals seine Gestalt verändert. 

Als Sporozoit gelangt der Schmarotzer mit dem Speichel der Mücke in den menschlichen Blutkreislauf und reift in den Zellen der Leber zum Schizonten heran. Zurück im Blutkreislauf verwandelt sich der Schizont später zum Gametozyd und wird als solcher beim Stich einer weiteren Mücke von dieser wieder aufgenommen. In dem Insekt durchläuft der Parasit drei weitere Transformationen: Vom Ookineten zum Oocysen und schließlich wieder zum Sporozoiten. Damit fängt der komplizierte Kreislauf wieder von vorne an. 

Die Qual der Wahl 

Angesichts der reichen Auswahl sahen sich die Impfforscher vor die Qual der Wahl gestellt, an welcher Erscheinungsform des Schmarotzers sie mit ihren Schutzversuchen ansetzen sollten. Tatsächlich konzentrierten sie sich auf ganz verschiedene Lebensphasen des Parasiten, um seine Vermehrung zu stoppen. Doch allen Ansätzen war bislang gemein, dass sie ihr Ziel wie herkömmliche Impfstoffe mit dem Einsatz teilweise auch genmanipulierter Versatzstücke lebender Erreger zu erreichen suchten: Auf diese sollen die menschlichen Abwehrkräfte mobilisiert werden. 

In den vergangenen Jahren war es um die Erforschung eines Malaria-Impfstoffs ruhig geworden.

Bei vielen Infektionskrankheiten stellte sich diese Strategie als äußerst erfolgreich heraus: Manche Vakzine bieten einen fast 100-prozentigen Schutz. Im Fall des Malaria-Parasiten blieb der Erfolg allerdings weit hinter der von der Weltgesundheitsorganisation WHO angestrebten Marge von 75 Prozent zurück. In den vergangenen Jahren war es um die Erforschung eines Malaria-Impfstoffs deshalb ruhig geworden. 

Erschwinglicher Impfstoff

Umso größer die Erwartungen, die mit der Ankündigung der Mainzer Firma, sich am Kampf gegen den Parasiten zu beteiligen, nun geweckt werden. Firmenchef Sahin zeigt sich überzeugt davon, dass sich die neue, gegen das Corona-Virus erfolgreich eingesetzte Technologie auch im Umgang mit dem Plasmodium bewähren wird: Um die menschlichen Abwehrkräfte anzuregen, arbeitet BioNTech statt mit Versatzstücken tatsächlicher Parasiten mit dem Botenstoff mRNA, der dem Immunsystem mitteilt, wie es sich gegen den Schmarotzer wappnen kann. Die Entdeckung der neuen Technologie käme einer „Revolution in der Medizin“ gleich, schwärmte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei der Vorstellung der BioNTech-Pläne bereits. Der Ausrottung der Malaria stehe jetzt nichts mehr im Weg. 


Die Virusausbreitung weltweit erfolgt hauptsächlich durch ungeimpfte Personen und sie sind es auch, die schwer erkranken, sagt Dr. Gérard Schockmel.
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Dr. Gérard Schockmel zur Wirksamkeit der Impfstoffe in einer vierten Welle. „Die aktuellen Impfstoffe schützen auch gegen Varianten“, sagt der Infektiologe.

Der Jubel könnte allerdings verfrüht sein: Noch steht nicht fest, ob die mRNA-Technologie auch im Fall der Parasiten hält, was sie im Kampf gegen das Corona-Virus versprach. Hinzu kommt, dass der Impfstoff erschwinglich sein muss. Denn fast sämtliche Malaria-Fälle werden aus tropischen und subtropischen Staaten in Afrika und Asien gemeldet, die sich teure medizinische Präparate nicht leisten können. BioNTech-Chef Sahin kündigte allerdings an, den künftigen Impfstoff zum Unkostenpreis in die Entwicklungsländer zu liefern. Er scheint sich der Sache sehr sicher zu sein.

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