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Belgiens Ex-König Albert wird 80
Panorama 3 Min. 06.06.2014 Aus unserem online-Archiv
Unauffällig im Ruhestand

Belgiens Ex-König Albert wird 80

Albert und seine Gattin Paola bei der Hochzeit von Prinz Guillaume und Stéphanie in Luxemburg.
Unauffällig im Ruhestand

Belgiens Ex-König Albert wird 80

Albert und seine Gattin Paola bei der Hochzeit von Prinz Guillaume und Stéphanie in Luxemburg.
Guy Jallay
Panorama 3 Min. 06.06.2014 Aus unserem online-Archiv
Unauffällig im Ruhestand

Belgiens Ex-König Albert wird 80

Sein Leben war turbulent und aufregend. Als Albert zum König der Belgier wurde, kam er mit dem Amt besser zurecht als viele erwarteten. 20 Jahre saß er auf dem Thron, dann dankte er ab. Nun wird der Ruheständler 80.

(dpa) - Gelegentlich sieht man ihn noch, aber er hält sich demonstrativ im Hintergrund: Belgiens Ex-König Albert II, der nach rund 20 Jahren auf dem Thron im Juli 2013 abdankte, genießt ein unauffälliges Leben im Ruhestand. Während sein Sohn, König Philippe, bei der Suche nach einer neuen Regierung im politisch verminten Gelände des Königreichs tätig sein muss, kann Albert entspannt den Feierlichkeiten zum nächsten großen Ehrentag entgegensehen: Am 6. Juni wird er 80 Jahre alt.

Schlagzeilen machte er zuletzt im November vergangenen Jahres, als er sich bitterlich darüber beklagte, als „Ex“ mit einer jährlichen Apanage aus Steuermitteln in Höhe von bescheidenen 923 000 Euro auskommen zu sollen. Als soziale Härte empfand er das. Doch der sozialdemokratische Regierungschef Elio di Rupo, ansonsten ein Mann mit viel Verständnis für echte Not, blieb unbeeindruckt: „Wir haben nicht vor, ein Komma zu ändern“, sagte er dem Parlament zur Finanzierung des Königshauses. Albert, das war die Botschaft, müsse dann halt in seiner Villa an der Côte d'Azur und auf der Yacht dortselbst den Gürtel etwas enger schnallen.

Grund zur Verbitterung hat der König nach Ansicht vieler Untertanen und Hintersassen nicht - schließlich waren sie auch nachsichtig mit ihm. Eigentlich sollte Albert gar nicht König werden, denn sein Bruder Baudouin hatte sich in diesem schweren Amt die Herzen der Belgier erobert. Dementsprechend locker gestaltete der Prinz seine reichlich bemessene Freizeit: 1959 heiratete er die italienische Adlige Paola Ruffo di Calabria, die ihm drei Kinder schenkte. Später trennten sich die Wege des Paares. Paola wurde oft mit dem Sänger Salvatore Adamo („Dolce Paola“) gesehen, Albert vergnügte sich anderweitig. 1999 später sprach Albert auch öffentlich von einer schweren Krise, in der sich seine Ehe mit Paola damals befunden habe.

Im August 1993 wurde er König und damit Nachfolger seines stillen und ernsten Bruders Baudouin, der auf dem Thron starb. Viele Beobachter zweifelten damals daran, dass ein notorischer „Bruder Leichtfuß“ einen guten König abgeben könne - aber Albert wurde einer. Für gelegentliche Eskapaden sorgte allenfalls sein Sohn Prinz Laurent. Der erwarb sich als „Prinz Bleifuß“ einen hohen Bekanntheitsgrad bei der Verkehrspolizei des Landes und verärgerte die Regierung mit einer politisch nicht gewünschten Kongo-Reise. Albert und Paola jedoch strahlten derweilen nur noch Seriosität und staatstragende Verantwortung aus. Und der König - der in Belgien bei der Regierungsbildung eine sehr wichtige Rolle spielt - erwies sich als geschickter und kenntnisreicher Akteur auf dem extrem schwierigen innenpolitischen Terrain seines Landes.

Dass seit 1999 die Rede davon ist, Albert sei auch der Vater der 1968 geborenen Adligen Delphine Boël, hat im Königreich nicht wirklich überrascht. Öffentlich hat sich Albert dazu nicht geäußert. Seit Mitte 2013 möchte Boël nun per DNA-Test die Vaterschaft feststellen lassen, doch das Verfahren scheint einfach nicht voranzukommen. Sein Thronverzicht vom Juli 2013 hat damit aber nichts zu tun, heißt es im Palast - zumal Albert damit die Immunität des Souveräns aufgab. Albert begründete seinen Schritt vielmehr kurz und bündig: „Mein Alter und meine Gesundheit erlauben mir nicht mehr, meine Funktion so auszuüben wie ich es möchte.“