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„Beiß die Zähne zusammen!“: Leben mit chronischen Schmerzen
Panorama 2 Min. 19.07.2015

„Beiß die Zähne zusammen!“: Leben mit chronischen Schmerzen

Chronischer Schmerz kann nicht geheilt werden, Patienten müssen lernen mit der Krankheit umzugehen.

„Beiß die Zähne zusammen!“: Leben mit chronischen Schmerzen

Chronischer Schmerz kann nicht geheilt werden, Patienten müssen lernen mit der Krankheit umzugehen.
Foto: Shutterstock
Panorama 2 Min. 19.07.2015

„Beiß die Zähne zusammen!“: Leben mit chronischen Schmerzen

„Beiß die Zähne zusammen!“ - Schmerz lässt sich mit ein bisschen Willenskraft schon aushalten, suggeriert diese Aufforderung. Doch Tapferkeit ist bei Schmerzen die falsche Strategie.

(dpa/tmn) - Der Finger pocht, weil sich um einen Splitter in der Haut eine Entzündung gebildet hat. Der Bauch tut weh, weil das Essen zu fett war. Der Kopf brummt von zu viel Sonne. Schmerzen sind ein Alarmsignal. Der Körper tut kund, dass etwas nicht stimmt. Doch manchmal bleibt der Schmerz, obwohl die eigentliche Ursache längst behoben ist. Der Schmerz wird chronisch - und bei vielen Betroffenen zum lebenslangen, oft quälenden Begleiter.

Von chronischen Schmerzen sprechen Experten immer dann, wenn die Pein länger andauert, als es der Heilungsprozess erwarten lässt. Der Schmerz selbst wird demnach zu einer Krankheit, die die Betroffenen körperlich, seelisch und auch im sozialen Miteinander beeinträchtigt.

Die dafür verantwortlichen Mechanismen sind weitgehend erforscht: Das Nervensystem ist extrem lernfähig, erläutern Schmerzmediziner. Durch wiederholte Schmerzerfahrung verändern sich die Steuerprozesse bei der Weiterleitung der Signale, dann reagieren Nerven auch schon auf geringe Reize oder produzieren die Schmerzinformation sogar selbst.

Harmlose Berührungen werden zur Qual

Vermeintlich harmlose Berührungen werden dann zur Qual. Oder es treten Schmerzen auf, ohne dass auf den ersten Blick ein Auslöser dafür erkennbar ist. Auch psychische Belastungen können eine Rolle spielen. Sie führen dazu, dass die Filterfunktion der körpereigenen Schmerzkontrolle nicht mehr funktioniert und Schmerzreize unkontrolliert durchgeschaltet werden.

Für die Betroffenen bedeutet das oft eine frustrierende Odyssee von Arzt zu Arzt. Sie gehen zu Ärzten der unterschiedlichsten Fachrichtungen, immer in der Hoffnung, dass die Ursache diagnostiziert und die Schmerzen gelindert werden können. Die Leidenden sehen dann nur noch eine einzige Möglichkeit, den Alltag einigermaßen zu bewältigen: sehr starke Schmerzmittel mit massiven Nebenwirkungen.

Eine entscheidende Wende kann aber der Aufenthalt in einer Schmerzklinik mit sich bringen. Ziel der Behandlung ist es nicht, den Schmerz zu beseitigen - das wird bei chronischen Schmerzen nicht mehr gelingen. Patienten lernen vielmehr, dass der Schmerz sie ein Leben lang begleiten wird und, dass sie es deshalb schaffen müssen den Schmerz zu kontrollieren.

Schmerzen schnell und konsequent behandeln

Bei dieser sogenannten multimodalen Schmerztherapie arbeiten Schmerzmediziner, Krankengymnasten und Psychotherapeuten eng zusammen. Es gibt Patienten, bei denen Spritzen, Medikamente oder Physiotherapie nicht genügen, denn auch psychische und soziale Faktoren spielen eine Rolle.

Lässt sich chronischem Schmerz vorbeugen? Ärzte betonen vor allem. dass es wichtig sei, akute Schmerzen schnell und konsequent behandelt zu lassen. Nur so lassen sich die Lernprozesse im Gehirn verhindern, die dafür sorgen, dass Schmerz chronisch wird.

Doch Experten beklagen, dass Schmerz oft nicht ernst genommen wird. Als Schmerzpatient sollte man viel kommunizieren, mit den Ärzten, mit Freunden und Familie, am Arbeitsplatz. Denn es sieht ja niemand, wann und warum es einem schlecht geht.


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