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Bei Hexenschuss bloß nicht schonen
Panorama 2 Min. 09.07.2017 Aus unserem online-Archiv
Wenn das Kreuz streikt

Bei Hexenschuss bloß nicht schonen

Der Schmerz schießt meist ganz plötzlich in den Rücken. Danach möchte man sich am liebsten nur noch hinlegen. Das allerdings ist beim Hexenschuss nicht ratsam.
Wenn das Kreuz streikt

Bei Hexenschuss bloß nicht schonen

Der Schmerz schießt meist ganz plötzlich in den Rücken. Danach möchte man sich am liebsten nur noch hinlegen. Das allerdings ist beim Hexenschuss nicht ratsam.
Foto: dpa
Panorama 2 Min. 09.07.2017 Aus unserem online-Archiv
Wenn das Kreuz streikt

Bei Hexenschuss bloß nicht schonen

Ein Hexenschuss ist für Betroffene eine echte Qual - neben einer heftigen Schmerzattacke blockiert der Rücken häufig. Trotzdem gilt: unbedingt in Bewegung bleiben.

(dpa) - Die akuten Schmerzen kommen ohne jede Vorwarnung. Plötzlich machen sie sich beim Bücken oder Heben heftig stechend im unteren Rückenbereich bemerkbar - mit der Folge, dass das Kreuz vorübergehend zum Teil blockiert ist. Klarer Fall: Der Betroffene hat einen Hexenschuss - medizinisch: Lumbago.

Viel Bewegung

Der volkstümliche Name hat mit der gebeugten Haltung zu tun, die an ein Kräuterweib aus dem Mittelalter erinnert. „Der klassische Hexenschuss mit Beschwerden in der Lendenwirbelsäule ist vor allem ein muskuläres Problem, das durch mangelnde oder falsche Bewegung entsteht“, sagt der Aachener Orthopäde Nils Lynen. Der Rücken wird einseitig belastet, dann auf einmal verhakt sich das Kreuzbein oder ein Wirbel verrutscht - und schon ist es passiert. Fatal für den Rücken ist vor allem das weit verbreitete ständige Sitzen.

Wer immer sitzt und nicht für Ausgleich durch Bewegung sorgt, fordert die tiefliegende Rückenmuskulatur nicht. Irgendwann ist sie geschwächt. „Oft führt dann eine unglückliche Bewegung zu einem Hexenschuss“, erklärt Ramin Nazemi. Er ist Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie und Sportmedizin in Essen.

Bei einem Hexenschuss verkrampft sich die Rückenmuskulatur in der Lendenwirbelsäule. Weil sich dort viele Nervenfasern befinden, ist das Schmerzempfinden groß. Gegen akute Schmerzen helfen Tabletten. „Sie sind teils ohne Rezept erhältlich“, sagt Ursula Sellerberg von der deutschen Bundesapothekerkammer in Berlin. „Sind die Beschwerden nach drei Tagen nicht abgeklungen, sollte ein Arzt aufgesucht werden“, so Sellerberg.

Von der weit verbreiteten Empfehlung, im akuten Fall Kopf und Rücken gerade etwa auf den Boden sowie Knie und Unterschenkel auf einen Hocker zu legen, rät Michael Preibsch vom Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) ab. „Diese sogenannte Stufenlagerung trägt nicht dazu bei, dass sich die Muskelblockade löst.“

Wärme ist gut für die Entspannung

Dagegen sorgt Wärme für Entspannung. So dringt etwa eine Bestrahlung des Rückens mit Rotlicht tief in das Muskelgewebe ein und löst die Verkrampfung. Die Wärme aus einer Wärmeflasche hingegen reicht nicht weit genug in die Muskeln hinein. Die Rotlicht-Bestrahlung sollte aber nicht länger als fünf Minuten dauern. „Wird die Körperpartie überwärmt, dann kann dies die Verspannungen vertiefen“, warnt Nazemi.

Selbst in der akuten Schmerzphase sollte der Betroffene von strenger Bettruhe und Schonung absehen. „Stattdessen sind leichte Bewegungen empfehlenswert“, betont Preibsch. So tut beispielsweise Spaziergehen dem Rücken gut. Dadurch wird die Durchblutung angeregt. Auch ein Training auf einem Fahrradergometer oder auf einem Crosstrainer trägt dazu bei, die Muskeln zu lockern. Von Joggen sollte man eher absehen, da dadurch die Wirbelsäule zu stark belastet wird.

Wer Rückenbeschwerden im Allgemeinen und einem Hexenschuss im Besonderen vorbeugen will, sollte möglichst viel Bewegung in den Alltag integrieren. Im Büro kann es hilfreich sein, zwischendurch statt auf einem Stuhl am Schreibtisch an einem Stehpult zu arbeiten, gibt Preibsch ein Beispiel. Statt einen Kollegen, der im selben Haus arbeitet, anzurufen oder eine E-Mail zu schicken, kann man auch zu ihm gehen und ihm die Info persönlich übermitteln.


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