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Bauwerk der Superlative
Panorama 4 Min. 04.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Bauwerk der Superlative

Früher umgeben von Sand und Weite, heute nur die Spitze des Eisbergs: das Burj Khalifa.

Bauwerk der Superlative

Früher umgeben von Sand und Weite, heute nur die Spitze des Eisbergs: das Burj Khalifa.
Foto: Shutterstock
Panorama 4 Min. 04.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Bauwerk der Superlative

Agnes TANDLER
Agnes TANDLER
Wahrzeichen und Touristenmagnet: Seit zehn Jahren lockt der 828 Meter hohe Wolkenkratzer Burj Khalifa Besucher nach Dubai.

Nur eine Minute braucht der Lift in den 124. Stock: Das höchste Gebäude hat dennoch nur den drittschnellsten Aufzug der Welt. Doch den allermeisten Besuchern dürfte dies egal sein. Sie kommen, um auf der Plattform 452 Meter über dem Boden die Aussicht zu genießen und das Spektakel unter ihnen – das Luxus-Einkaufszentrum Dubai Mall, den tanzenden Springbrunnen, das neue Opernhaus und überhaupt, die Stadt der Superlative.

Als das Burj Khalifa vor zehn Jahren, am 4. Januar 2010, eingeweiht wurde, lag der Turm der Superlative inmitten einer Fläche von Wüstensand und Baustellen; heute hat sich hier ein eigenes Stadtviertel gebildet – Dubai Downtown, dass sich vollmundig „The Center of Now“ (das Zentrum des Jetzt) nennt.

Symbol von Glanz und Glamour

Beinahe jeder der knapp 16 Millionen Besucher, die das Wüstenemirat jährlich verzeichnet, kommt hierher. Die Beliebtheit von Dubai, die inzwischen viertmeistbesuchte Stadt der Welt, scheint ungebrochen. Das Burj ist das ultimative Symbol von Glanz und Glamour und steht für das so unbescheidene Motto von Dubai: „Entdecke alles, was möglich ist.“

In den zehn Jahren seines Bestehens ist das Burj zu einer globalen Ikone geworden: Es beging an Silvester das neue Jahr mit einem Riesen-Feuerwerk und einer Lichtershow. Im März wird dann zur „Earth Hour“, einer weltweiten Umweltaktion, die Beleuchtung für eine Stunde ausgeschaltet.

Am Fuße des Bauwerks findet man eine große Mall und einen beeindruckenden künstlichen See.
Am Fuße des Bauwerks findet man eine große Mall und einen beeindruckenden künstlichen See.
Foto: Shutterstock

Mit Projektionen auf seiner Außenfassade reagiert das Burj auch auf tragische wie freudige Momente: Im März 2019 gedachte es der Opfer des Moscheenanschlags in Neuseeland, im April 2019 erinnerte es mit einer Projektion der Flagge von Sri Lanka an die über 250 Toten der Osterattentate, im September feierte es das 25. Jubiläum der amerikanischen TV-Serie „Friends“ und im Oktober 2019 ehrte es Indiens Unabhängigkeitskämpfer Mahatma Gandhi anlässlich seines 150. Geburtstages.

Der Turm beherbergt neben einem Hotel auch 900 Luxus-Wohnungen. Für die Bewohner der oberen Stockwerke hat die Regierung von Dubai extra eine spezielle Regel für den Fastenmonat Ramadan erlassen. Weil für die Bewohner der höheren Etagen auf Grund der Erdkrümmung die Sonne erst später am Horizont verschwindet, muss dort das Fastenbrechen entsprechend später begangen werden. Bewohner zwischen dem 60 und 120 Stock müssen mit dem Abendessen zwei Minuten länger warten als diejenigen, die sich ebenerdig aufhalten. Wer jenseits des 120. Stocks wohnt, muss sich sogar drei Minuten länger gedulden.

Rekorde in Krisenzeiten

Das Burj löste den Wolkenkratzer Taipei 101 (508 Meter) als die höchste von Menschen erbaute Struktur ab. Dieser Höhenrekord ist seit zehn Jahren ungebrochen, obwohl Dubai in seiner typischen Art bereits mehrmals angekündigt hat, den Rekord noch überbieten zu wollen. Konkrete Pläne gibt es aber nicht. Rekordbauwerke und Wirtschaftskrisen gehen oft Hand in Hand. Die Eröffnung von Taipei 101 passierte zeitgleich mit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000, die Petronas-Towers in Kuala Lumpur wurden 1997 in der Asienkrise fertiggestellt, und die Eröffnung des Burj fiel in die Finanzkrise nach 2008.

In der Tat war Dubai kurz vor der Eröffnung des Prestige-Baus das Geld ausgegangen. Die Immobilienpreise im Emirat waren um 50 Prozent gefallen. Nur ein Bailout in der Höhe von zehn Milliarden US-Dollar durch das erdölreiche Nachbaremirat Abu Dhabi rettete Ende 20009 die Stadt und ihr Mega-Turm-Projekt. Ursprünglich hieß das Gebäude Burj Dubai, aber nach dem Kredit des Scheichs von Abu Dhabi, Sheikh Khalifa bin Zayed Al Nahyan, wurde der Wolkenkratzer zu seinen Ehren in Burj Khalifa („burj“ = Turm) umbenannt.

Mit 828 Metern Höhe und 200 Stockwerken, wovon 160 bewohnt sind, und Kosten von 1,5 Milliarden US-Dollar wurde es nach sechs Jahren Bauzeit dann doch noch von Dubais Herrscher, Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum, eingeweiht. Mehr als 12 000 Arbeiter hatten in 22 Millionen Arbeitsstunden das Gebäude errichtet, das doppelt so hoch ist wie das Empire State Building in New York und auch noch ein paar andere Rekorde hält: Es hat die höchste Anzahl von Stockwerken, die höchste bewohnte Etage der Welt, die höchste Aussichtsplattform, den längsten Aufzug und den längsten Service-Aufzug der Welt sowie den höchstgelegenen Swimming Pool im 76. Stock.

Bis zur Etage 125 geht es mit dem Aufzug schon ab rund 36 Euro. Wer höher hinaus will, muss einiges mehr zahlen: Ein Ticket für die „höchste Lounge der Welt“ auf den Etagen 152 bis 154 ist ab etwa 150 Euro erhältlich – immerhin inklusive Frühstück.
Bis zur Etage 125 geht es mit dem Aufzug schon ab rund 36 Euro. Wer höher hinaus will, muss einiges mehr zahlen: Ein Ticket für die „höchste Lounge der Welt“ auf den Etagen 152 bis 154 ist ab etwa 150 Euro erhältlich – immerhin inklusive Frühstück.
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Keine Spur von Nachhaltigkeit

Das Burj Khalifa ist aber auch eine Metapher für Dubai, wo Ambitionen, niedrige Energiekosten und billige Arbeitskräfte den Gedanken an Nachhaltigkeit in den Hintergrund drängen. Zwar hat auch das Burj ein paar grüne Komponenten – etwa Sonnenkollektoren oder Kondenswasser-Sammlung aus der gigantischen Klimaanlage –, doch der Turm ist auch ein Symbol dafür, wie wenig Umweltprobleme und Klimaschutz in Dubai eine echte Rolle spielen. Es gibt keine verlässlichen Angaben über den CO2-Fußabdruck des Turms, doch allein der verbaute Beton (über 500 000 Tonnen) dürfte für rund 450 000 Tonnen an Kohlendioxid-Emission verantwortlich gewesen sein.


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Die Kultur reist mit zur Weltausstellung, was für heftigen Streit sorgt.

Inzwischen befindet sich Dubai erneut in einer wirtschaftlichen Krise: Im Jahr 20018 lag das Wachstum bei lediglich 1,94 Prozent, der niedrigste Wert seit der Schuldenkrise vor zehn Jahren. Die Immobilienverkäufe sind um 21,5 Prozent gesunken. Emaar, die staatliche Baufirma, die das Burj errichtete und in deren Besitz das Gebäude ist, musste sich im Dezember gegen Berichte wehren, sie wolle das Observationsdeck vom Burj verkaufen, um an Geld kommen.

Dubai hofft, dass ein neues Megaprojekt die lahmende Wirtschaft wieder in Schwung bringt: Die Weltausstellung, die am 20. Oktober 2020 eröffnet werden soll, soll nicht nur 300 000 neue Jobs schaffen, sondern auch neue Investoren anlocken. Als „die größte Show der Welt“, bewirbt Dubai die Veranstaltung, deren Kernstück, der Al-Wasl-Dom, eine 130 Meter breite Stahlkuppel, ein neues Wahrzeichen am Persischen Golf werden soll.


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(ACHTUNG - HANDOUT - Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des nachfolgenden Credits.) 
Foto: Dubai Tourism