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Bastian Pastewka: "Vorsicht vor großen Wellen im Netz"
Panorama 1 6 Min. 10.02.2020

Bastian Pastewka: "Vorsicht vor großen Wellen im Netz"

Seit fast 30 Jahren im Rampenlicht: Bastian Pastewka startete Anfang der 1990er-Jahre seine Bühnenkarriere mit der Truppe „Comedy Crocodiles“, zu der auch Bernhard Hoëcker gehörte.

Bastian Pastewka: "Vorsicht vor großen Wellen im Netz"

Seit fast 30 Jahren im Rampenlicht: Bastian Pastewka startete Anfang der 1990er-Jahre seine Bühnenkarriere mit der Truppe „Comedy Crocodiles“, zu der auch Bernhard Hoëcker gehörte.
Foto: dpa
Panorama 1 6 Min. 10.02.2020

Bastian Pastewka: "Vorsicht vor großen Wellen im Netz"

Im Interview spricht Bastian Pastewka über das Ende seiner Comedy-Serie "Pastewka", die Stimmung im Team und Humor in der heutigen Zeit.

Interview: André Wesche 

Am vergangenen Wochenende endete eine besondere, um nicht zu sagen urkomische Ära: Amazon Prime veröffentlichte die zehnte und letzte Staffel der beliebten Sitcom "Pastewka". 15 Jahre nach dem Debüt auf Sat.1 können die Zuschauer ein letztes Mal an den Eskapaden des liebenswert ungehobelten Titelhelden teilhaben, der den Namen seines Darstellers trägt: Bastian Pastewka. Das "Luxemburger Wort" sprach mit dem 47-Jährigen über Abschiedsschmerz, Shitstorms gegen Komiker und familiären Beistand.

Bastian Pastewka, haben Sie schon einmal nachgeforscht, woher Ihr Familienname stammt?

Meine Urgroßeltern lebten in Ostpreußen, dort waren Namen mit "-wka" und "-ski" am Ende nicht selten. Vor 20 Jahren wurde mir in der Sendung "Zimmer frei" von einer Polin erklärt, dass mein Zuname frei übersetzt wohl "Kleines, rotes Rübchen" heißt. Damit bin ich komplett einverstanden.

Das Ende der Sitcom "Pastewka" wird viele Fans traurig stimmen. Was für Gefühle bewegen Sie selbst, wenn eine Ihrer Lieblingsserien endet oder abgesetzt wird?

Wir haben versucht, dem Publikum mit unserem sehr speziellen Ende der zehnten und letzten Staffel eine kleine Freude zu machen. Natürlich steht ein Stück Abschiedsschmerz im Raum, aber das freut uns auch, weil es zeigt, dass viele Zuschauerinnen und Zuschauer bei uns geblieben und Fans geworden sind. Genau für sie haben wir diese Serie seit 15 Jahren gemacht. Mich bewegt das Ende von Serien, die ich gemocht habe, auch immer sehr. Speziell bei Weltraumopern, bei denen die Hauptfiguren am Ende nicht überleben oder in einer Zwischenwelt gefangen bleiben. Dann rinnen mir auch die Tränen runter. Bei uns ist das nicht so, wir sind ja immerhin eine Sitcom.

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Viele Zuschauer haben die Vorstellung, dass die zentrale Besetzung der Serie in all den Jahren zu einer Art Familie geworden ist. Gab es nach der letzten Klappe Tränen des Bedauerns oder Tränen der Erleichterung?

Beides, kann man sagen. Meine Ensemble-Kollegen und -Kolleginnen und ich sind in diesen 15 Jahren wirklich beste Freunde geworden. Wir haben uns immer nur vor der Kamera angegiftet und nie dahinter. Das ist wohl einer der Gründe, warum es unsere Serie so lange gegeben hat. Der Schwung im Team einer Comedyserie ist wahnsinnig wichtig. Die Begeisterung für das, was man tut, vermittelt sich. Selbst wenn die eine oder andere Geschichte vielleicht mal nicht sooo neu ist. Wenn man Komisches mit Lust praktiziert, hat man schon viel gewonnen. 

Tatsächlich gab es gewissermaßen einen langen und schmerzlichen Abschiedsblues in mehreren Strophen: Die erste, die ging, war Cristina do Rego, die die Kim spielt. An ihrem letzten Drehtag haben wir sie natürlich mit Musik und Tanz verabschiedet. Ein paar Tage später gingen Bettina Lamprecht und Matthias Matschke, auch das war sehr heftig für mich. Ganz am Schluss haben Sonsee Neu (Anm. d. Red.: übernimmt in der Serie die Rolle von Pastewkas Freundin Anne) und ich den roten Saab vor einem Baumarkt eingeparkt und sind ausgestiegen. Das war unsere letzte Amtshandlung als Schauspieler für diese Serie. Der Kreis hat sich geschlossen, denn mit dem roten Saab hat vor 15 Jahren auch alles angefangen.

Schauspieler Hank Azaria hat seine Sprechrolle des Apu in den "Simpsons" aufgegeben, weil er einen Inder imitiert und wegen der angeblichen Bedienung von Rassenklischees angefeindet wurde. Hat sich die Humorszene verändert, seit jeder Zuschauer im Internet ein Sprachrohr hat?

Ich glaube, dass sich Humor immer entwickelt. Aber ich sage nicht weiterentwickelt. Das würde bedeuten, dass wir humortechnisch mal auf Primatenstatus waren und sich das im Lauf der Zeit ändern musste. Humor ist immer auch eine Generationenverabredung. Was den Inder angeht, halte ich es für akzeptabel, wenn die Macher sagen: "Okay, wir haben diese Figur 31 Jahre bei den Simpsons gehabt und sehen sie jetzt kritisch." Man kann ja nach wie vor über die alten Folgen lachen. Und man kann sich beim Schauen der neuen Folgen Gedanken machen, warum Apu möglicherweise nicht mehr dabei ist. Schwierig hätte ich gefunden, wenn man ihn aus den alten Folgen herausgelöscht hätte oder Ähnliches.

Wenn selbst Thomas Gottschalk neuerdings zweimal überlegt, was er sagt, weil es sonst einen Shitstorm gibt, muss doch etwas im Argen liegen?

Ich glaube, die Shitstorms kommen ohnehin aus einer logarithmischen Logik heraus. Und sie kommen immer dann, wenn man sie nicht erwartet. Das ist zumindest meine Erfahrung. Es gibt in der Tat mehr als genug unbedachte Äußerungen, die es wert sind, kritisiert zu werden. Aber in der Sekunde, in der gleich ganz viele draufspringen, muss man meiner Ansicht nach auch wieder den nötigen Abstand gewinnen. Ein Großteil der Kommentare im Netz etwa geschieht reflexhaft. Leute, die Hass und Hetze verbreiten, sind natürlich nicht Teil irgendeiner Debatte. Sie wollen Künstler oder Politiker attackieren, die in ihren Augen zum falschen Lager gehören. Da geht es gar nicht mehr um die Sache. Deshalb auch hier wieder Vorsicht vor zu viel vorgefertigter Meinung, Vorsicht vor großen Wellen im Netz.

Sie lassen sich bei Ihrer Arbeit also nicht vom Gedanken daran beeinflussen, was andere vielleicht darüber denken?

Nein. Wenn es passiert, dann passiert es. Und eine Sitcom ist überdies eine andere Unterhaltungsdisziplin. Ja, der Serien-Pastewka ist hin und wieder eine Reizfigur. Ein Typ, der sich aus allen Verantwortungen herauswinden will und schwindelt, Vorurteile pflegt und sich schlecht ernährt. Weil die Serie nie so tat, als sei alles gut und heiter, im Gegenteil.

War Ihre Familie seinerzeit von der Idee angetan, den echten Namen ins Feld zu führen?

Ich habe sie gar nicht gefragt. Sie haben sich dann einigermaßen gefreut. Ich hatte und habe das Glück, in meiner Familie stets große Unterstützung zu finden. Ich konnte immer sehr befreit und beruhigt an die Sache herangehen. Das Publikum und erst recht meine Familie haben schnell verstanden, dass dieser Serien-Pastewka eine ironisierte Form von mir ist. Meine Autoren behaupten jedoch immer noch, ich sei doch genauso wie der "Pastewka" und solle mal bloß nicht so tun.


HANDOUT - 04.05.2018, Köln: Bastian isst aus Versehen Haschkekse - eine Szene aus der Sitcom "Pastewka". Die neunte Staffel mit zehn neuen Episoden ist ab 25.01.2019 bei Amazon Prime zu sehen. (zu dpa "Das schlechtere Ich von Bastian Pastewka" vom 23.01.2019) Foto: -/2018 Amazon.com Inc/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über das Streaming der Serie und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
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Sie sind bekanntermaßen ein TV-Junkie. Kommen Sie nach dem Aufkommen der Streamingdienste und der vielen qualitativ hochwertigen Serien überhaupt noch in die Federn?

Ich versuche es. Wobei ich mir inzwischen auch abgewöhnt habe, die neueste Serie, die alle so toll finden, gleich am ersten Tag zu schauen. Manchmal ist es besser, den Hype und die große Erwartungshaltung ein bisschen abflauen zu lassen, bevor man sich die erste Folge anschaut. Vieles von dem, was andere toll finden, habe ich auch einfach verpasst. Fantasy und ihre über Jahre hinweg immer mehr ausufernden Heldensagen sind einfach nicht mein Genre.

Wenn sich ein wirklich fähiger Psychologe alle "Pastewka"-Folgen anschaut, wie viel weiß er dann über den echten Menschen?

Ich hoffe, alles. Egal, ob ich Figuren oder mich selbst gespielt habe: Ich habe gerne Fragmente meines Humors und meinen Schnack eingestreut. Aber natürlich würde mich der Therapeut sofort anrufen und fragen, ob er mir helfen kann.

Nun heißt es: "Auf zu neuen Ufern!". Haben Sie bereits ein neues Projekt in Planung?

Ich habe mich bewusst gegen ein Nachfolgeprojekt entschieden, um die Lücke, die nach "Pastewka" entstehen wird, wirklich bewusst auszukosten. Wenn etwas Neues käme, müsste es sich schon verdammt anstrengen, um das zu toppen, was ich all die Jahre mit "Pastewka" erleben durfte. Dafür danke ich meinem tollen Ensemble! Wir werden Freunde bleiben. Und natürlich werden wir kurz vor Weihnachten ein gemeinsames Wichtelfest veranstalten. Es wird weiter gewichtelt, das haben wir besprochen! 


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