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Autonome Servicefahrzeuge im All
Panorama 2 Min. 20.02.2020

Autonome Servicefahrzeuge im All

Autonome Servicefahrzeuge im All

Foto: Universität Luxemburg
Panorama 2 Min. 20.02.2020

Autonome Servicefahrzeuge im All

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Das britische Unternehmen Lift Me Off kooperiert bei der Reparatur von Satelliten mit der Universität Luxemburg.

Wenn ein Auto nicht mehr funktioniert, bringt man es in eine Werkstatt. Falls es sich nicht bewegen lässt, kann man auf einen Abschleppdienst zurückgreifen. Das Ganze ist zwar teuer und zeitaufwendig, an sich aber kein Problem. Deutlich schwieriger wird es, wenn sich das zu reparierende Objekt nicht auf der Erde, sondern in deren Umlaufbahn befindet – etwa ein Satellit. Das britische Unternehmen Lift Me Off (LMO) widmet sich dieser Problematik und kooperiert dabei nun auch mit dem Interdisciplinary Centre for Security, Reliability and Trust (SnT) der Universität Luxemburg.

Selbst sehen und entscheiden

Während LMO vor allem die zugrunde liegenden Technologien entwickelt, die dafür sorgen, dass die Servicesatelliten sich bewegen können, liefert SnT die künstliche Intelligenz für die Kameras. „Durch die Kombination der Techniken erhalten wir einen Satelliten, der sich bewegen kann, andere Objekte wahrnimmt und dann selbst entscheidet, was zu tun ist“, erklärt LMO-Geschäftsführer Michel Poucet.

Bisher sei es häufig so, dass ein Satellit, der etwa zur Internationalen Raumstation (ISS) fliege, sich dem Objekt nähere, dann aber manuell angedockt werden müsse. Das sollen die intelligenten Satelliten von LMO und SnT selbst übernehmen.

Vereinfacht ausgedrückt, liefert LMO die Technik, das SnT stattet den Satelliten mit Augen und Verstand aus. Die SnT-Forschungsgruppe „Computer Vision, Imaging & Machine Intelligence“ unter der Leitung von Djamila Aouada stellt dem Servicefahrzeug eine Technologie zur Verfügung, die es ihm erlaubt zu erkennen, woran es arbeitet, und auf Basis der gewonnenen Daten Entscheidungen für Reparatur oder Betankung zu treffen.

Björn Ottersten (Direktor des SnT), Michel Poucet (LMO) und Djamila Aouada (Leiterin der Forschungsgruppe „Computer Vision, Imaging & Machine Intelligence“) (v.l.n.r.).
Björn Ottersten (Direktor des SnT), Michel Poucet (LMO) und Djamila Aouada (Leiterin der Forschungsgruppe „Computer Vision, Imaging & Machine Intelligence“) (v.l.n.r.).
Foto: Universität Luxemburg

Dieses Vorgehen sei wesentlich effizienter, als das Servicefahrzeug von der Erde aus zu steuern, wie Michel Poucet erklärt. „Man hat nicht immer den Zugang, den Satelliten von der Erde aus zu sagen, was sie tun sollen. Und dann kommt noch die Reaktionszeit hinzu. Die Satelliten senden Daten, die in ein System hochgeladen werden müssen. Es ist keine Echt-Zeit-Übertragung.“

Der erste intelligente autonome Satellit soll Poucet zufolge 2024 ins Weltall starten. Doch bereits im nächsten Jahr sollen Prototypen auf der Erde getestet werden.

Dazu hat sich das britische Unternehmen nach Luxemburg vergrößert. „Einer unserer Hauptinvestoren kommt aus Luxemburg. Mit der Universität, den Investoren und der Unternehmerszene glauben wir, dass Luxemburg ein guter Ort zur Weiterentwicklung ist.“


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Die Kooperation ist sowohl für das SnT als auch für LMO eine Win-win-Situation: Dem britischen Unternehmen ermöglicht sie, ein Alleinstellungsmerkmal zu generieren. Für SnT ist es eine Erweiterung der Forschungsaktivitäten, die bisher auf die Erde begrenzt waren. „Das SnT hat vor allem an Sicherheitsanwendungen auf der Erde gearbeitet. Wir bringen den Weltraumaspekt ins Spiel“, so Poucet.

Was einer dieser autonomen Satelliten letztlich kosten wird, könne man noch nicht sagen. Das hänge unter anderem davon ab, in welchem Bereich er eingesetzt werde und ob er etwa an großen oder kleinen Satelliten arbeite.

Von Europa in die Welt

Zunächst soll das Projekt sich auf dem europäischen Markt etablieren, aber eine Weiterentwicklung sei nicht ausgeschlossen, so Poucet: „Wir werden uns anfangs auf Europa fokussieren, dann auf die USA und dann auch Richtung Asien. Wenn unsere Technologie Erfolg hat, könnten Menschen aus der ganzen Welt interessiert sein.“

Als ambitioniertes Projekt beschreibt der Geschäftsführer das Vorhaben. Und betont, dass das Unternehmen stets offen für Kooperationen sei. „Wenn jemand eine gute Idee hat und an unseren Projekten interessiert ist, dann hören wir ihm gerne zu.“ 


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