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Australische Forscherin löst Rätsel um plötzlichen Kindstod
Panorama 2 Min. 17.05.2022
Enzymmangel

Australische Forscherin löst Rätsel um plötzlichen Kindstod

SIDS, der plötzliche Kindstod im Schlaf, ist eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern bis zu einem Jahr.
Enzymmangel

Australische Forscherin löst Rätsel um plötzlichen Kindstod

SIDS, der plötzliche Kindstod im Schlaf, ist eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern bis zu einem Jahr.
Foto: Shutterstock
Panorama 2 Min. 17.05.2022
Enzymmangel

Australische Forscherin löst Rätsel um plötzlichen Kindstod

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Bisher kannte niemand die Ursache für SIDS, den „plötzlichen Kindstod“. Carmel Harrington fand jetzt einen plausiblen Biomarker. Ein Durchbruch.

Der sogenannte plötzliche Kindstod, offiziell Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) genannt, ist einer der schlimmsten Albträume für Familien: Ein äußerlich gesundes Baby verstirbt unvermittelt im Schlaf, in den meisten Fällen vor Erreichen des ersten Lebensjahres. Eine genaue Ursache für den Tod im Kinderbett konnte die Medizin bisher nicht ausmachen, lediglich Handlungsempfehlungen gab es für junge Eltern: Das Kind sollte im eigenen Bett im Elternschlafzimmer schlafen, statt einer Decke in einem Schlafsack, die Temperatur im Zimmer sollte nicht zu hoch sein, selbstverständlich sollte die Umgebung rauchfrei sei. Diese Tipps sind mittlerweile selbstverständlich und verringerten auch die Fallzahlen massiv. Doch noch immer sterben Babys plötzlich an SIDS und lassen Eltern und Geschwister traumatisiert zurück. 

Beharrliche Forscherin – aus persönlichen Gründen

Die australische Forscherin Carmel Therese Harrington hat nun aber offenbar einen Durchbruch in der Ursachenforschung erzielt. Vor fast 30 Jahren war ihr eigener Sohn an SIDS gestorben – und niemand wusste, warum. „Die Ärzte nannten es eine Tragödie, aber das ließ sich nicht mit meinem wissenschaftlichen Verstand vereinbaren“, sagte Harrington dem australischen Sender ABC. Als drei Jahre später das Baby einer Freundin starb, war das ein weiterer Ansporn für die Biochemikerin, wieder in die Forschung zu gehen und das Rätsel zu lösen. Und das sogar auf eigene Rechnung – als die Forschungsgelder für das Projekt ausgingen, startete sie eine Crowdfunding-Kampagne, um weitermachen zu können.


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Ihre Beharrlichkeit hat sich jetzt offensichtlich ausgezahlt: In den Blutproben von über 60 an SIDS verstorbenen Säuglingen fand Harrington mit ihrem Team eine signifikant geringere Menge des Enzyms Butyrylcholinesterase (BChE) als bei anderen Babys - und damit erstmals einen sogenannten Biomarker für SIDS, also einen messbaren Zusammenhang.  

Butyrylcholinesterase spielt eine Rolle bei der Kommunikation im Gehirn - genauer beim Erregungsweg zwischen Atmung und Schlaf. Gesunde Babys wachen auf, wenn im Schlaf die Atmung aussetzt. Beim plötzlichen Kindstod passiert genau das nicht – das Kind erstickt. Die Theorie nach Harringtons Entdeckung ist, dass die geringe Enzymmenge für diese fehlende Reaktion verantwortlich ist. Ob dieser Zusammenhang tatsächlich besteht, müsste weiter erforscht werden. Schon jetzt ist es durch diese Beobachtung aber möglich, Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren, indem man in einem Screeningtest das Butyrylcholinesterase-Level misst und betroffene Babys umso strenger im Schlaf überwacht. 

Zudem helfe ihre Entdeckung den Eltern, die bereits ein Kind an SIDS verloren haben, das Trauma zu überwinden, so Harrington, die das aus eigener, bitterer Erfahrung kennt: „Die Familien können jetzt mit dem Wissen leben, dass es nicht ihre Schuld war.“ 

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