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Ausblick der Superlative
Panorama 9 1 3 Min. 22.05.2015 Aus unserem online-Archiv
World Trade Center in New York

Ausblick der Superlative

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World Trade Center in New York

Ausblick der Superlative

Mit dem schnellsten Fahrstuhl der westlichen Welt geht es hinauf auf das höchste Gebäude Amerikas - um dann auf die größte Metropole der USA hinunterzublicken: Das neu erbaute World Trade Center in New York eröffnet seine spektakuläre Aussichtsplattform

(dpa/lhm) - Fast 14 Jahre musste man auf diesen Ausblick warten. Ganz vom Süden New Yorks schweift das Auge über das Empire State Building und den Central Park bis nach Harlem hinauf. Oder man dreht sich um und hat die Brooklyn Bridge und Freiheitsstatue zu seinen Füßen. Das konnte man früher nur vom World Trade Center sehen - seit den Anschlägen am 11. September 2001 wurde einem dieses Panorama jedoch verwehrt.

Jetzt ist es wieder da, aber anders. Das neue World Trade Center präsentiert sich mit einer atemberaubenden Aussichtsplattform. Nächsten Freitag, am 29. Mai, öffnet sie ihre Türen. "Wir rechnen mit 10.000 Besuchern an guten Tagen", sagt David Checketts, Chef der Firma, die das "One World Observatory" betreibt. "Sie werden im Schnitt eine Stunde bleiben, essen gehen oder etwas kaufen. Für jeden soll es eine ganz besondere Erfahrung sein."

Allerdings zahlt man dafür auch einen besonderen Preis: 32 Dollar kostet die Eintrittskarte, 26 Dollar für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren. Eine vierköpfige Familie ist somit schon gut 100 Euro los, wenn sie gerade die Sicherheitskontrolle passiert. Wer nun die Karte über das Lesegerät zieht, wird in seiner Sprache begrüßt, auf einem gewaltigen Globus leuchtet sein Land auf und ein großes Bild zeigt die Verbindung zwischen der Heimat und New York. Für die Deutschen ist es die Steuben-Parade, das Fest der Deutschamerikaner.

"Voices", "Stimmen", nennt sich der nächste Raum. Ingenieure, Architekten und Arbeiter berichten per Video, wie es war, das World Trade Center zu bauen. "Ich mache das gleiche, was mein Vater beim ersten gemacht hat: die Stahlträger", sagt Vorarbeiter Thomas Mehalick. Bauinspektor Mark Becker vergleicht den Turm mit einem Kind: "Es kostet eine Menge Kraft und Geduld. Aber hinterher kann man stolzer nicht sein."

Und Jorge Aboledo, ein einfacher Arbeiter, sagt schlicht: "Wir haben New York wiedergegeben, was ihm genommen wurde." Der Anschlag ist präsent, aber hier spielt er kaum eine Rolle. Dafür gibt es Museum und Mahnmal gleich nebenan. Und niemand will hier den Besucher an das Grauen erinnern, bevor er im Fahrstuhl fast 400 Meter hochbraust.

Für solche Gedanken ist auch schlichtweg keine Zeit: "Es ist der schnellste Fahrstuhl der westlichen Hemisphäre", sagt Dave Kershner vom Besucherdienst stolz. "1.250 Fuß in 47 Sekunden." Das sind fast 23 Kilometer in der Stunde - normalerweise gilt ein Lift schon als schnell, wenn er ein Drittel dessen schafft. Tritt man in die Kabine, schaut man nicht auf Glas, aber Bildschirme ringsherum geben genau das Gefühl.

Man blickt jedoch auf eine Wiese. Während der Fahrt entstehen Hütten, dann Häuser und schließlich Wolkenkratzer. Soeben wurde man Zeuge von 500 Jahren Manhattan. Das alte World Trade Center ist ganz kurz rechts zu sehen. Im 102. Stock gibt es gleich noch einen Film, amerikanisch angehaucht: bunt, pathetisch, professionell, perfekt.

Plötzlich öffnet sich die Leinwand und lässt einen atemberaubenden Blick zu. Ganz Manhattan, ja ganz New York liegt zu Füßen, die umliegenden Inseln, all die Brücken und Flüsse, New Jersey und natürlich die Freiheitsstatue. Man braucht eine Weile, um zu erfassen, dass das da draußen echt ist. Wow! Das ist wohl der erst Gedanke, der einem beim Betreten der Plattform durch den Kopf schießt.

Etwa 380 Meter hoch ist man über Manhattan. 80 Kilometer weit kann man blicken, sagt Dave Kershner vom Besucherdienst. "Und das beste: Das, was man sieht, ist New York." In der Tat sieht man an jeder Ecke Weltbekanntes: Vereinte Nationen und Brooklyn Bridge, Staten-Island-Fähre und Times Square, Chrysler Building und Wall Street. Und das Empire State Building. "Es ist ganz klein", sagt Kershner selbstbewusst.

Naja, so übel ist der Blick vom "Empire" auch nicht. Denn tatsächlich ist dessen Aussichtsplattform nur neun Meter tiefer als die vom World Trade Center, von dessen 546 Metern fast 130 Stahlspitze sind. Aber wer denkt schon an so etwas, wenn er gerade vom höchsten Gebäude der westlichen Welt auf die vielleicht faszinierendste Stadt überhaupt hinunterschaut. Zumindest sind, obwohl es noch gar nicht geöffnet hat, 350.000 Karten für das One World Observatory schon verkauft - das verspricht spektakuläre Aussichten.


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