Aus für Kreuzfahrtkolosse in Venedigs Zentrum: Verbot mit Lücken und Tücken
Venedig lebt vom Tourismus - und auch vom Kreuzfahrttourismus, viele Arbeitsplätze hängen davon ab.

Aus für Kreuzfahrtkolosse in Venedigs Zentrum: Verbot mit Lücken und Tücken

AFP
Venedig lebt vom Tourismus - und auch vom Kreuzfahrttourismus, viele Arbeitsplätze hängen davon ab.
Panorama 108.11.2017

Aus für Kreuzfahrtkolosse in Venedigs Zentrum: Verbot mit Lücken und Tücken

Teddy Jaans
Teddy Jaans

Es klingt wie eine gute Nachricht für Umweltschützer: Riesige Kreuzfahrtschiffe sollen nicht mehr im Zentrum Venedigs fahren. Doch die Sache hat einen Haken.

(dpa) - Sie schieben sich wie Hochhäuser am Markusplatz in Venedig vorbei und gefährden das Weltkulturerbe: Nach jahrelangem Streit soll künftig wirklich Schluss sein mit den Kreuzfahrtkolossen im historischen Zentrum von Venedig. Zumindest will die italienische Regierung Schiffe mit mehr als 55 000 Tonnen im Kanal von Guidecca und somit vor Sehenswürdigkeiten wie dem Markusplatz verbieten. Dafür sollen sie eine andere Route in der Lagune nehmen und an einem - weniger glamourösen - Hafen in Marghera am Festland anlegen.

Eberhard Wolf, Art Director des Luxemburger Wort, dokumentierte im Urlaub die Vorbeifahrt eines Kreuzfahrtschiffes:

"Schlechtes Projekt"

Umweltschützer sind trotzdem empört: Denn der Plan sieht laut Medienberichten auch vor, dass Schiffe mit mehr als 96 000 Tonnen in die Lagune einfahren können - wenn auch nicht am Zentrum vorbei. Derzeit sind diese Mega-Schiffe in der gesamten Lagune verboten. „Sie haben das schlechteste Projekt von allen gewählt“, sagte Luciano Mazzolin vom Anti-Kreuzer-Komitee No Grandi Navi dem Sender Radio Capital. „Wir wollen, dass die Schiffe überhaupt nicht in die Lagune fahren.“ Denn das bringe große Umweltprobleme mit sich.

Hinzu kommt: Das neue Terminal für die Kreuzfahrtschiffe in Marghera ist noch gar nicht fertig. Die Regierung spricht daher von einem Verbot der Kreuzer vor dem Markusplatz in drei oder vier Jahren. Bis dahin dürfen die Schiffe also noch vor der historischen Altstadt schippern.

Bedeutende Schäden

Anwohner, Kultur- und Umweltschützer klagen schon lange über Schäden, die die Riesenschiffe anrichten: Sie gefährden das ökologische Gleichgewicht in der Lagune, könnten historische Gebäude beschädigen und stoßen Schadstoffe aus. Außerdem spucken sie noch mehr Touristenmassen in der Stadt aus, die sowieso schon vom Ansturm überfordert ist.

Auch der Unesco sind die Kreuzfahrtschiffe schon lange ein Dorn im Auge: Die UN-Kulturschutzorganisation warnte sogar, Venedig auf die Liste der gefährdeten Kulturgüter zu setzen, wenn keine Lösung gefunden werde.

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