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Auf der „New Silk Road“ unterwegs
Panorama 5 Min. 21.08.2019

Auf der „New Silk Road“ unterwegs

Der 30 Jahre alte Mercedes 300 SL wurde generalüberholt und ist in einem Topzustand.

Auf der „New Silk Road“ unterwegs

Der 30 Jahre alte Mercedes 300 SL wurde generalüberholt und ist in einem Topzustand.
Foto: Caroline Martin
Panorama 5 Min. 21.08.2019

Auf der „New Silk Road“ unterwegs

Mit einem Oldtimer Mercedes 300 SL von Luxemburg quer durch Asien nach Peking.

von Frank Weyrich 

Eine nicht alltägliche Autofahrt steht die nächsten Monate auf dem Programm von Frank Piaia. Er will mit seinem Oldtimer Mercedes 300 SL von Luxemburg nach Peking fahren. Warum will er sich das antun? „Ich war schon immer begeisterter Automobilfan und habe 22 Jahre in der Industrie gearbeitet. Somit ist es zum einen die Freude am Auto, zum anderen erlaubt es mir, Länder kennenzulernen, die ich bisher bestenfalls vom Namen her kannte.“ Und so hat er sich für die Fahrt auf der sogenannten „New Silk Road“, der neuen Seidenstraße, eingeschrieben, die von einem deutschen Anbieter organisiert wird. Mit von der Partie ist auf dem ersten Teilstück Sohnemann Louis und auf dem zweiten Teilstück der gute Freund Mario Armano, ein frischgebackener Frührentner.

Nur fitte Oldtimer zugelassen

Bedingung, um an der Reise teilzunehmen ist, dass das Auto am Tag des Starts mindestens 30 Jahre alt ist. Doch das Alter allein genügt nicht, um für die strapaziöse Fahrt angenommen zu werden. Ein Techniker des Veranstalters schaut sich persönlich die Fahrzeuge an, um darüber zu befinden, ob die Oldtimer in einem Zustand sind, die lange Fahrt zu bestehen. Doch Frank Piaia hat es nicht dabei belassen: „Bei meiner Werkstatt in Hollerich wurde eine komplette Überholung durchgeführt, sodass ich mich darauf verlassen kann, dass mein Mercedes 300 SL in einem Topzustand ist.“ Das ist angesichts der Strapazen auf den 14 000 teilweise unbefestigten Kilometern sicher eine gute Einstellung.

Die Etappen der rund 15 000 Kilometer langen und 48 Tage dauernden Fahrt sind auf der Karrosserie eingezeichnet.
Die Etappen der rund 15 000 Kilometer langen und 48 Tage dauernden Fahrt sind auf der Karrosserie eingezeichnet.
Foto: Caroline Martin

Offizieller Start ist in Berlin am 24. August, wo die erste Etappe die Teilnehmer bis nach Polen führt. Frank Piaia und Sohn Louis setzen sich aber bereits 48 Stunden früher in Bewegung. Am Donnerstag, dem 22. August, geht es von zu Hause los. Bis nach Berlin fahren die beiden nochmals rund 800 Kilometer, sodass am Ende gut rund 15 000 Kilometer zusammenkommen.

Planung ist alles

Dass eine solche Reise vieler Vorbereitungen bedarf, versteht sich fast von selbst: „Allein die ganzen Einreiseformalitäten in die verschiedenen Länder sind eine äußerst komplizierte Angelegenheit. Da bin ich heilfroh, dass der Organisator der Reise sich darum kümmert“, gibt Piaia unumwunden zu. Doch auch auf persönlicher Ebene braucht es Organisationstalent. „Da unser 300 SL ein Cabrio ist, können wir kein Gepäck auf dem Dach befestigen. Auch im Kofferraum bleibt nicht viel Platz, wenn die unabdingbaren Ersatzteile bis drin sind“, erläutert er. „Für persönliche Gegenstände von zwei Personen für sieben Wochen bleibt da nicht viel übrig. Wir werden uns wohl damit abfinden müssen, dass wir nicht für jeden Tag frische Kleider zur Verfügung haben werden“, schmunzelt der 55-Jährige.

Durch Weißrussland und Russland bewegt sich der Konvoi in Richtung Kasachstan. Spätestens hier ist dann Schluss mit komfortablen Straßenbelägen. Wie es in der Wegbeschreibung des Reiseveranstalters heißt: „Hier beginnt Asien.“ Für Abwechslung ist aber gesorgt. Mal führt die Strecke über Straßen, die mit riesigen Schlaglöchern übersät sind, mal ist es eine Sandpiste. Für Staub ist in den Steppen auf jeden Fall bestens gesorgt.

Fliegender Wechsel in Usbekistan

Danach geht es hinein ins Usbekistan nach Samarkand, wohin bereits Alexander der Große bis vorgedrungen war. Bei der Ankunft in Taschkent, der Hauptstadt von Usbekistan, findet ein Wechsel in der Luxemburger Mannschaft statt. Weil es dann der 15. September sein wird, steigt Sohn Louis aus dem Mercedes aus, um am nächsten Tag zurück nach Luxemburg zu fliegen. An der heimischen Universität beginnen dann nämlich wieder seine Vorlesungen. Stattdessen übernimmt Mario Armano, der am Vortag aus dem Großherzogtum eingeflogen ist, nun den Beifahrersitz.

Frank Piaia am Steuer, sein Sohn Louis (l.) und Mario Armano bilden das Luxemburger Team des Berlin-Peking-Trials.
Frank Piaia am Steuer, sein Sohn Louis (l.) und Mario Armano bilden das Luxemburger Team des Berlin-Peking-Trials.
Foto: Caroline Martin

Die Seidenstraße führt weiter nach Tadschikistan, wo die Gipfel des Himmelsgebirges und die grünen Täler für eine willkommene Änderung der Szenerie sorgen. So richtig in die Höhe geht es dann in Kirgistan. Hier werden Motoren und Fahrer den Mangel an Sauerstoff zu spüren bekommen. Und dann kommt die Grenze zu China am 2 940 Meter hohen Irkeshtam-Pass.

Wenn die bisherigen Grenzübergänge mit mehr oder weniger langen Wartezeiten verbunden waren, so dürfte der „Plat de Résistance“ nun folgen. Da wären die langwierigen Einreiseformalitäten, die auch eine technische Überprüfung der Fahrzeuge beinhalten, bevor sie mit chinesischen Nummernschildern ausgerüstet werden. Dann werden den ausländischen Fahrern chinesische Führerscheine ausgestellt. Und in unserer modernen Welt nicht zu vergessen: Die Handys der Teilnehmer werden mit einer App auf ihren Inhalt überprüft, ob sich darin nicht mögliche staatsgefährdende Aktivitäten ableiten lassen. Im Konvoi mit Begleitfahrzeug geht es dann 22 Tage quer durch China bis nach Peking, vorbei an so bekannten Orten wie das Shaolin-Kloster oder die Terrakotta-Armee bei Xi’an.


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Willkommen in Peking

Wenn alles nach Plan läuft, kommt der Konvoi nach 48 Tagen ans Ziel. Und wenn alles klappt, steht am Ziel ein Empfangskomitee aus Luxemburg bereit. Die drei Kinder von Frank Piaia versuchen nämlich, rechtzeitig vor Ort zu sein, um bei der Ankunft ihrem Papa zuzujubeln.

Doch auch nach der Ankunft ist die Reise noch nicht beendet. Am darauffolgenden Tag geht es weiter zur Hafenstadt Tianjin, die rund 200 Kilometer östlich von Peking liegt. Hier wird der Oldtimer in einen Container verfrachtet, um dann per Schiff wieder zurück nach Europa zu gelangen. Rund um Weihnachten soll der 300 SL in Hamburg ankommen. Für die Teilnehmer selbst stehen dann noch zwei Tage zur Besichtigung der chinesischen Hauptstadt zur Verfügung. Ein Besuch auf der Großen Mauer darf dabei natürlich nicht fehlen, bevor es per Flugzeug zurück nach Europa geht.

Und dann werden noch zwei Fotos einen besonderen Stellenwert erhalten. Sowohl bei der Abfahrt in Luxemburg als auch bei der Ankunft in Peking wird der Kilometerstand abgelichtet. Für den Unterschied gibt es einen Scheck von einem Euro pro Kilometer für Télévie.

Wer den Fortschritt der Reise mitverfolgen will, kann sich den Blog ansehen, der regelmäßig aktualisiert wird: http://blog.chinatours.de/category/new-silk-road


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