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ADHS wächst mit
Panorama 2 Min. 29.08.2015 Aus unserem online-Archiv
Auch im Erwachsenenalter

ADHS wächst mit

Aus ADHS wächst man nicht einfach heraus. Betroffene können im Job Probleme bekommen, weil etwa Projekte nicht fertig werden.
Auch im Erwachsenenalter

ADHS wächst mit

Aus ADHS wächst man nicht einfach heraus. Betroffene können im Job Probleme bekommen, weil etwa Projekte nicht fertig werden.
Foto: Monique Wüstenhagen
Panorama 2 Min. 29.08.2015 Aus unserem online-Archiv
Auch im Erwachsenenalter

ADHS wächst mit

Wenn es um ADHS geht, hält sich hartnäckig das Bild vom kleinen Zappelphilipp. Doch die Aufmerksamkeitsstörung betrifft nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene - und kann deren Alltag stark beeinträchtigen.

(dpa/tmn) - ADHS ist keine Diagnose wie Husten oder Windpocken. Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung wird gern mit dem Etikett „Modekrankheit“ versehen, auch wenn wissenschaftlich an ihrer Existenz keine Zweifel mehr bestehen. „Es gab früher nicht weniger Betroffene - die öffentliche Aufmerksamkeit für ADHS hat sich aber heute im Vergleich zu früher geändert“, sagt Michael Schönenberg, in der ADHS-Forschung tätiger Psychologe an der Universität Tübingen.

Bei rund fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland hat laut einer Studie des Robert Koch-Instituts schon einmal ein Arzt oder Psychologe die Diagnose ADHS gestellt. Von Erwachsenen mit ADHS dagegen spricht kaum jemand.

„Die Bedeutung und die Auswirkungen von ADHS bei Erwachsenen werden vollkommen unterschätzt“, sagt Astrid Neuy-Bartmann, Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie. Sie ist auf die Behandlung von ADHS bei Erwachsenen spezialisiert. Denn die Aufmerksamkeitsstörung verschwindet mit den Jahren nicht. Rund 60 Prozent derjenigen, die in jungen Jahren von ADHS betroffen waren, haben auch als Erwachsene noch Symptome. „Die Hälfte von ihnen sind in ihrer Lebensgestaltung erheblich beeinträchtigt“, sagt die Ärztin.

„Ein Erwachsener mit ADHS kann nach außen hin sehr ruhig wirken, trotzdem aber eine große innere Unruhe verspüren“, erläutert Christian Mette, Leiter der Forschergruppe ADHS bei Erwachsenen am LVR Klinikum Essen, das eine Spezialsprechstunde eingerichtet hat.

Viele der Ratsuchenden dort forschen nach einer Ursache für die Probleme, mit denen sie im Job oder in der Partnerschaft kämpfen. Beziehungen scheitern an Gefühlsausbrüchen, am Arbeitsplatz gibt es Ärger, weil Projekte nicht fertig werden. ADHS-Patienten haben ein höheres Risiko für Suchterkrankungen, manche verschulden sich.

Ob wirklich ADHS dafür verantwortlich ist, erfordert intensive Untersuchungen. „Wichtig ist eine sorgfältige Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen“, sagt Mette. Entscheidende Hinweise liefert die Biografie: „ADHS tritt nicht plötzlich im Erwachsenenalter auf, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Leben.“

Die Ursachen für ADHS sind noch nicht vollständig erforscht. „Man weiß, dass es zu Abweichungen bei der Informationsverarbeitung im Frontalhirn kommt, das zuständig ist für die Verhaltensregulierung, für Entscheidungen und die Auswertung von Erfahrungen“, erläutert Neuy-Bartmann.

„Der ADHS-Betroffene ist nicht in der Lage, die Fülle der Informationen sinnvoll zu sortieren und zu nutzen.“ Wie stark sich das im Alltag auswirkt, hängt auch davon ab, wie strukturiert das Leben abläuft. Stress, emotionale Belastungen oder schwierige Familienverhältnisse können ADHS-Symptome verstärken.

Umgekehrt gilt aber auch: „Nicht jede ADHS muss behandelt werden“, sagt Neuy-Bartmann. Entscheidendes Kriterium ist, ob die Aufmerksamkeitsstörung das Leben beeinträchtigt: „In der richtigen beruflichen Nische sind viele Menschen mit ADHS häufig sehr kreativ, weil sie ständig neue Ideen entwickeln.“

Strategien gegen die innere Unruhe, gegen die Ablenkbarkeit zu entwickeln, ist deshalb wichtiger Bestandteil der Therapie, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft auf die Einnahme von Psychopharmaka reduziert wird. „Manche Betroffene brauchen neben einer Psychotherapie Medikamente, manche nicht, das hängt immer auch von der Lebenssituation und vom Leidensdruck ab“, sagt Mette.


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