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Astronautinnen-Duo erobert Männerdomäne
Panorama 3 Min. 18.10.2019

Astronautinnen-Duo erobert Männerdomäne

Die US-Astronautinnen Christina Koch (r) und Jessica Meir auf der Internationalen Raumstation.

Astronautinnen-Duo erobert Männerdomäne

Die US-Astronautinnen Christina Koch (r) und Jessica Meir auf der Internationalen Raumstation.
NASA/dpa
Panorama 3 Min. 18.10.2019

Astronautinnen-Duo erobert Männerdomäne

Die Männer der Internationalen Raumstation ISS müssen drinnen bleiben. Denn diesmal sind es ihre Kolleginnen, die Raumfahrt-Geschichte schreiben.

(dpa) - Die US-Astronautinnen Christina Koch und Jessica Meir reparieren bei einem historischen Außeneinsatz einen kaputten Stromregler. Ein Routine-Einsatz im Weltall. Doch die Besatzung der ISS sorgt am Freitag für besondere Schlagzeilen: Es ist das erste Mal, dass zwei Frauen gemeinsam für einen Außeneinsatz im Weltall eingeteilt sind.


BOCA CHICA, TX - SEPTEMBER 28: A prototype of SpaceXs Starship is pictured at the company's Texas launch facility on September 28, 2019 in Boca Chica near Brownsville, Texas. The Starship spacecraft is a massive vehicle meant to take people to the Moon, Mars, and beyond.   Loren Elliott/Getty Images/AFP
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Auch die US-Raumfahrtbehörde Nasa nennt den „Frauen-Einsatz“ eine Weltsensation. Dass Frauen ins All fliegen, ist längst nichts Neues. Aber bei den Außeneinsätzen hapert es bislang besonders mit der Gleichberechtigung: Mehr als 200 Männer durften bereits für diese Arbeiten aus der ISS aussteigen. Jedoch folgten ihnen nur rund ein Dutzend Frauen - immer in Begleitung eines Kollegen. Koch und Meir brechen nun als erstes Frauen-Duo in diese Männerdomäne ein. Warum hat das so lange gedauert?

Vorurteile halten sich

US-Astronautin Christina Koch ist bei einem Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation (ISS) in Einsatz.
US-Astronautin Christina Koch ist bei einem Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation (ISS) in Einsatz.
Foto: NASA/dpa

Bereits 1963 flog die sowjetische Kosmonautin Valentina Tereschkowa in den Weltraum - und kämpfte trotz des Erfolgs aber weiter mit Vorurteilen ihrer männlichen Kollegen. Frauen seien nicht so stark und durchhaltefähig wie die Kosmonauten, hieß es jahrelang. Der russische Raumfahrer Pawel Winogradow betonte noch vor wenigen Jahren: „Das Arbeiten im All ist körperlich schwere Arbeit - selbst für starke Männer“.


ARCHIV - 08.10.2009, Nordrhein-Westfalen, Köln: HANDOUT - Die Astronauten der Esa-AstronautenklasseTimothy Peake, Andreas Mogensen, Alexander Gerst, Luca Parmitano, (hinten, l-r) sowie Samantha Cristoforetti und Thomas Pesquet (vorn, l-r). (zu dpa: «Von Sexismus bis zum Mond: Frauenpower im Weltall») Foto: M. Koell/esa/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Sexismus bis zum Mond
Heute arbeiten nicht nur Männer im All. Auch einige Frauen waren bereits auf der ISS am Werk. Doch in Sachen Frauenquote gibt es noch Luft nach oben.

Das sei Quatsch, sagten Koch und Meir bei ihren Vorbereitungen zu ihrem historischen Außeneinsatz. „Wir denken in unserer täglichen Arbeit eigentlich gar nicht darüber nach, ob die Arbeiten von einem Mann oder einer Frau gemacht werden“, erklärte Meir. Frauen absolvierten immer wieder problemlos Außeneinsätze. Die erste Raumfahrerin auf einem Außeneinsatz war 1984 Swetlana Sawizkaja aus der damaligen Sowjetunion, den Rekord hält die Amerikanerin Peggy Whitson mit zehn Spaziergängen. Einmal war der Astronautinnen-Einsatz schon gescheitert, weil die Nasa nicht ausreichend Raumanzüge in kleinen Größen hatte. Erst Monate später wurde ein zweiter Versuch angesetzt.

Schwierige Arbeit im All

Die Außenarbeiten rund 400 Kilometer über der Erde sind für alle extrem anstrengend. Stundenlang hängen die Raumfahrer in der Schwerelosigkeit in ihren klobigen Anzügen im All; die lebensgefährliche Arbeit ist auch extrem schweißtreibend. Nach Angaben der Nasa verbrennt ein Raumfahrer bei dem mehrstündigen Einsatz deutlich mehr als 2000 Kalorien - ähnlich viel wie bei einem Marathonlauf.

Nachholbedarf hat vor allem Europa, sagt die Wissenschaftlerin Insa Thiele-Eich, die im Rahmen der privaten Initiative „Die Astronautin“ für einen Flug zur ISS trainiert. „Eine große Hürde für Frauen in der Raumfahrt sind besonders die fehlenden Vorbilder“, sagt sie. 

Wenig Bewerbungen


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Vom Startplatz Nr. 1 in Baikonur flog einst erstmals ein Mensch ins All. Nun gab es den vorerst letzten Abflug von dieser Rampe des Weltraumbahnhofs - mit dem ersten Emirati im All.

Besonders russische Raumfahrtexperten klagten jahrelang über zu wenig Bewerbungen von Frauen. Winogradow, der als Kommandant auf der ISS arbeitete, nennt auch einen Grund dafür: „Es ist ein schwerer Beruf, der von einem fordert, sich für Jahre von der Familie loszureißen. Nicht jede Frau will das machen.“ Thiele-Eich, Meteorologin und Mutter von drei Kindern, sieht das nur als Vorwand: In den USA sei das kein Problem. „Beim Training dort zuckt niemand mit der Wimper, wenn ich erzähle, dass ich drei Kinder habe.

Gleichberechtigung


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Auch von der ISS aus kann man im Internet surfen. Eine US-Astronautin nutzte das für einen brisanten Zugriff auf ein Bankkonto.

Die Nasa achtet seit Jahren darauf, gleich viele Männer wie Frauen in ihren Astronauten-Corps zu haben. 1983 startete Sally Ride als erste Amerikanerin ins All, ein Jahr später mit Ann Fisher auch die erste Mutter. Mehr als 40 weitere US-Amerikanerinnen folgten.

Für die Europäischen Raumfahrtbehörde (Esa) waren weit weniger Raumfahrerinnen im Einsatz: Als bisher letzte Esa-Astronautin war 2014 die Italienerin Samantha Cristoforetti auf der ISS. Zuvor betreute 2001 Claudie Haigneré aus Frankreich zahlreiche Experimente auf der Raumstation, zudem war noch eine Britin im All.

Christina Koch and Jessica Meir beim  Ersetzen eines Energiesteuerungsmoduls.
Christina Koch and Jessica Meir beim Ersetzen eines Energiesteuerungsmoduls.
Foto: AFP



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