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"Impfung von Kindern gut abwägen"
Panorama 17.07.2021
Astrazeneca-Entwicklerin

"Impfung von Kindern gut abwägen"

Professorin Sarah Gilber forscht an der Universität Oxford.
Astrazeneca-Entwicklerin

"Impfung von Kindern gut abwägen"

Professorin Sarah Gilber forscht an der Universität Oxford.
Foto: John Cairns/University of Oxford/PA Media/dpa
Panorama 17.07.2021
Astrazeneca-Entwicklerin

"Impfung von Kindern gut abwägen"

Forscherin Sarah Gilbert, die das Vakzin von Astrazeneca führend mitentwickelt hat, rät Eltern, sich die Impfung ihrer Kinder gut zu überlegen.

(dpa) - Die federführende Entwicklerin des Astrazeneca-Impfstoffs, Sarah Gilbert, hat den Nutzen einer Corona-Impfung für alle Kinder in Frage gestellt. Die Politik sollte eine Kosten-Nutzen-Analyse machen, sagte Gilbert im Interview mit „Welt“ und anderen europäischen Medien. 

Die Delta-Variante sei zum Beispiel sehr ansteckend, sodass Leute trotz zweier Impfungen mit einem milden Verlauf krank würden. Schwere Fälle und Todesfälle seien aber selten. „Wenn also die Übertragung nicht zu verhindern ist, und Kinder weder schwer erkranken noch sterben, dann stellt sich die Frage: Lohnt sich das Impfen?“

Nur geringe Anzahl von Kindern gefährdet

Zugleich machte Gilbert deutlich, dass eine Impfung für manche Kinder sinnvoll sein könnte. „Für eine sehr kleine Zahl von Kindern ist das Virus gefährlich. Länder sollten erwägen, diese zu impfen“, sagte Gilbert.

Die EU-Kommission hatte Ende Mai offiziell die Zulassung für die Impfung von Kindern ab zwölf Jahren mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer erteilt. In Luxemburg können sich Kinder und Jugendliche seit kurzem für eine Impfung mit dem Vakzin anmelden. In Deutschland hingegen empfiehlt die Ständige Impfkommission die Impfung bisher jedoch nur Minderjährigen mit bestimmten Vorerkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben.


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Auffrischungsimpfungen werden der Immunologin Gilbert zufolge für die allgemeine Bevölkerung nicht nötig sein. „Die Wirksamkeit lässt vor allem bei älteren Menschen schneller nach. Weil das Immunsystem altert, ist auch die Reaktion mit Antikörpern nicht mehr so gut. Falls wir also Booster brauchen, dann für die ältere Population. Ich erwarte nicht, dass dies für die breite Bevölkerung notwendig wird.“

Gilbert, die seit 1994 an der Universität Oxford forscht, leitete das Entwicklungsteam hinter dem Astrazeneca-Impfstoff.


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