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Anna Maria Mühe: „Ich will große Geschichten erzählen“
Panorama 1 4 Min. 17.03.2020

Anna Maria Mühe: „Ich will große Geschichten erzählen“

Geschäftsmann Walter Böcker (Hans-Jochen Wagner) und Margot Böcker (Anna Maria Mühe).

Anna Maria Mühe: „Ich will große Geschichten erzählen“

Geschäftsmann Walter Böcker (Hans-Jochen Wagner) und Margot Böcker (Anna Maria Mühe).
Foto: WDR/UFA Fiction/Stanislav Honzik
Panorama 1 4 Min. 17.03.2020

Anna Maria Mühe: „Ich will große Geschichten erzählen“

Schauspielerin Anna Maria Mühe spricht im Interview über das Historien-Epos „Unsere wunderbaren Jahre“, die Nachkriegszeit aus weiblicher Sicht, Gurken in Plastikfolie und ihren Verzicht aufs Fliegen.

Interview: Cornelia Wystrichowski

Sie zählt zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Films und war schon mehrmals in historischen Stoffen zu sehen: Anna Maria Mühe. In dem dreiteiligen TV-Epos „Unsere wunderbaren Jahre“ - zu sehen am 18., 21. und 25. März in der ARD - spielt sie jetzt eine von drei Töchtern eines Unternehmers aus dem Sauerland. Es geht um das wechselhafte Schicksal einer Familie in der Bundesrepublik zwischen Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder in den 1940er- und 1950er-Jahren, als Vorlage diente ein Roman von Bestsellerautor Peter Prange. 

Anna Maria Mühe, Sie spielen in der Romanverfilmung „Unsere wunderbaren Jahre“ eine von drei Töchtern eines Unternehmers in der Nachkriegszeit. Kannten Sie Peter Pranges Buch schon vorher?

Ich lese eher selten historische Romane, habe mich dann aber in der Vorbereitung auf meine Rolle mit dem Buch befasst. Peter Prange war übrigens am Set, weil er selber eine kleine Rolle spielen durfte, und seine Augen haben gefunkelt, als er die tollen Kulissen und das namhafte Ensemble gesehen hat. Meine Figur im Film nimmt aber einen anderen Weg als in seinem Roman, deshalb habe ich mich vornehmlich am Drehbuch orientiert. 

Die Unternehmertochter Margot ist eine ambivalente Figur, heiratet sogar einen Alt-Nazi …

Margot war mit ihren verschiedenen Facetten ein absolutes Geschenk für mich, weil ich es als Schauspielerin toll finde, wenn ich bei einer Figur eine so große Entwicklung spielen darf. Im ersten Teil ist sie noch der politischen Linie der NS-Zeit treu, in der sie aufgewachsen ist, im zweiten Teil löst sie sich davon. Sie lernt, sich zu behaupten, stellt sich gegen den Vater und die eigene Familie – und das in den 1950er-Jahren. Das finde ich schon sehr mutig, und das hat mich beeindruckt.

Der Dreiteiler schlägt den Bogen vom Jahr 1948 mit der Währungsreform bis in die Wirtschaftswunderzeit. Es ging um Wohlstand, der sich in einem dicken Bauch, dicken Autos und dicken Zigarren ausdrückte, das Zeitalter des Massenkonsums begann …

Und darunter leiden wir bis heute. Man muss sich ja nur den Klimawandel angucken, um das zu sehen. Wenn der Mensch nicht das richtige Maß findet, dann geht die Welt unter, das ist eine einfache Rechnung. Wir müssen versuchen, das richtige Maß wieder zu finden, uns neu zu definieren, für uns und auch für unsere Kinder.

Und Sie gehen da mit gutem Beispiel voran?

Ich versuche es. Ich habe mir zum Beispiel ab diesem Jahr vorgenommen, keine innerdeutschen Flüge mehr zu machen, sondern mit der Bahn zu fahren. Und ich versuche, so wenig in Plastik verpackte Produkte zu kaufen wie möglich, auch wenn das im Supermarkt oft schwierig ist. Ich frage mich, warum es nicht verboten wird, dass zum Beispiel Tomaten oder Gurken in Plastikfolie verpackt werden. Damit wäre doch schon einiges getan.

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In „Unsere wunderbaren Jahre“ verkörpern Sie, wie auch schon in der Bauhaus-Serie „Die neue Zeit“, eine Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft. Was empfinden Sie bei solchen Rollen?

Ich finde es spannend, solche Epochen aus dem weiblichen Blickwinkel zu betrachten. Die Frauen, die während des Kriegs selbstständig sein mussten, wurden in den 1950er-Jahren plötzlich wieder zurück an den Herd geschickt. Als Schauspielerin empfinde ich es als große Chance, auch der kommenden Generation zu zeigen, dass der Weg zur Gleichberechtigung keinesfalls leicht war. Es waren große Kämpfe nötig, damit wir Frauen an dem Punkt ankommen, wo wir heute stehen.

Aber völlige Gleichberechtigung gibt es immer noch nicht …

Nein, überhaupt nicht. Mir ist sehr bewusst, dass es uns heute als Frauen viel besser geht als in früheren Zeiten. Dennoch ist die Gleichberechtigung noch lange nicht da angekommen, wo sie sein sollte. Dass Frauen im Job für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer, ist ja zum Beispiel ein solcher Aspekt.

Haben Sie eine Lieblingsheldin in der Geschichte?

Ein Vorbild habe ich nicht. Aber dadurch, dass ich mich für die Serie „Die neue Zeit“ mit der Bauhaus-Künstlerin Dörte Helm beschäftigt habe, ist das eine Figur, die mir sehr ans Herz gewachsen ist. Ich kann jedem nur empfehlen, sich mit der Biographie dieser Frau zu beschäftigen.

Sie haben schon wiederholt in historischen Stoffen mitgespielt. Wie erklären Sie das große Interesse an solchen Themen?

Es ist immer wieder spannend, sich in eine solche Zeit reinfallen zu lassen, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es damals gewesen sein könnte. Für die Zuschauer, aber auch für die Macher. Wir zeigen ja nicht mit dem Finger drauf und sagen: „So war es!“, aber wir versuchen, den Dingen gerecht zu werden. Und wir Schauspieler freuen uns, weil wir dadurch große Geschichten erzählen können.

In welche Epoche würden Sie am liebsten reisen, wenn es möglich wäre?

Definitiv in die 1920er-Jahre. Das geht los mit der Mode, die finde ich in dieser Epoche am schönsten, für Frau und Mann. Die Zeit war wahnsinnig aufregend und progressiv, da reinzuschnuppern würde mir enormen Spaß machen.


Titel: The Masked Singer; 
Person: Ruth Moschner; 
Copyright: ProSieben/Willi Weber; 
Fotograf: Willi Weber; 
Bildredakteur: Jürgen Morgenroth; 
Dateiname: 1951847.jpg; 
Rechtehinweis: Dieses Bild darf bis eine Woche nach Ausstrahlung honorarfrei fuer redaktionelle Zwecke und nur im Rahmen der Programmankuendigung verwendet werden. Spaetere Veroeffentlichungen sind nur nach Ruecksprache und ausdruecklicher Genehmigung der ProSiebenSat1 TV Deutschland GmbH moeglich. Nicht fuer EPG! Verwendung nur mit vollstaendigem Copyrightvermerk. Das Foto darf nicht veraendert, bearbeitet und nur im Ganzen verwendet werden. Es darf nicht archiviert werden. Es darf nicht an Dritte weitergeleitet werden. Aneinanderreihung/Zusammenlegung/Kopplung von Bildern zum Zweck der Erstellung von Slide-Shows o.ä. nicht gestattet; Verbindung/Einfügen/Anfügen von Werbung nicht gestattet.
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Und was ist mit der Ära von „Unsere wunderbaren Jahre“?

Das ist eine sehr schwierige Zeit. Der Krieg war gerade erst zu Ende, niemand wusste, wohin es jetzt geht, die Kinder hatten unter den Altlasten der Eltern zu leiden, die auf sie übertragen wurden – das stelle ich mir alles sehr schwierig vor.

Was kann die Beschäftigung mit der Nachkriegsära uns heutigen Zuschauern geben?

Der Stoff führt uns vor Augen, wie wichtig es ist, sich gegen die neuen Rechten unserer Republik zu wehren, ihnen kein Podium mehr zu bieten. Weil es ganz schnell nach hinten losgehen kann.


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