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Anke Engelke: "Ich war relativ uncool"

Anke Engelke: "Ich war relativ uncool"

Foto: Tobis Film
Panorama 1 5 Min. 06.09.2018

Anke Engelke: "Ich war relativ uncool"

Der Jugendfilm "Das schönste Mädchen der Welt", der derzeit in den Kinos zu sehen ist, überträgt die Geschichte des Cyrano de Bergerac in die heutige Zeit. Schauspielerin Anke Engelke ist als Mutter des Protagonisten mit dabei. Ein Gespräch.

INTERVIEW: ANDRE WESCHE

Anke Engelke, bekanntlich gibt es keine kleinen Rollen, nur kleine Schauspieler. Sagen Sie zu, wenn Ihnen Ihre Filmfigur gefällt oder muss Sie das Drehbuch als Ganzes überzeugen?

Wahrscheinlich war es in diesem Fall eine Kombination. Ich war sehr geschmeichelt, als Aron Lehmann mich angefragt hat. Ich bin seit Langem eine große Bewunderin seiner Kunst. Er hat eine sehr besondere, eigene Handschrift. Das Drehbuch war unglaublich interessant und ich war gespannt, ob es möglich sein würde, einen Teenagerfilm zu drehen, in dem die musikalischen Parts genauso anspruchsvoll und authentisch sind wie die emotionalen und die komödiantischen. Und wichtig war, dass mir die Figur der Anja sehr gefällt, das ist die Mutter des Protagonisten.

Aus welchen Gründen?

Sie ist im Film viel präsenter, als es ihre kurze Zeit auf der Leinwand vermuten lässt. Anja ist nicht ständig im Bild. Aber wenn man ihren Sohn Cyril erlebt, muss man sich nicht fragen, wie er es schafft, dieses Mobbing und dieses Gehänsel der Klasse zu überleben. Man ahnt, dass die Stärke, die er dazu braucht, ihren Ursprung in dem Elternhaus hat, aus dem er kommt. Und besonders in Gestalt der Mutter.

Cyril würde sich wahrscheinlich unters Messer legen, wenn er das Geld dazu hätte. Sind Sie jemand, der Schönheits-OPs generell ablehnt oder gibt es auch Fälle, in denen sie sinnvoll sind?

Neenee, das soll schön jeder machen wie er will. Ich finde aber, dass der Film auf sehr heitere und überhaupt nicht didaktische Weise zeigt, dass Schönheit ein absolut relativer Begriff ist. Es gab schon immer Schönheitsideale, nicht erst seit die Medien sie propagieren. Diese Ideale haben sich im Laufe der Jahrhunderte wahnsinnig entwickelt. Ich habe vor drei Jahren eine Reportage über Selbstoptimierung gedreht und unter anderem mit einer Fachfrau darüber gesprochen, wie sich das Bild der Frau im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Es ist verrückt, was alles schon als schön galt: blass zu sein, einen Teint zu haben, keinen Hintern zu haben und nun kommen die Riesenhintern wieder aus der Mode. Zu manchen Zeiten stand eine üppige Figur für Wohlstand, für ein gutes, gesundes und pralles Leben, eine schlanke Person galt als arm. Manchmal mussten nur die Beine einem bestimmten Ideal entsprechen, oder die Arme, die Hände oder die Fingernägel. Ich habe viel darüber erfahren, woran man Schönheit im Lauf der Zeiten festgemacht hat. Dieses Hintergrundwissen finde ich sehr hilfreich.

Inwiefern?

Wenn es hart auf hart kommt, kann man sich immer darauf verlassen, dass vieles von dem, was uns bedrückt, Teil einer Phase ist. Was das äußere Erscheinungsbild angeht, die Körper- und Modeideale, ist alles einem ständigen Wandel unterlegen. Das ist doch sehr beruhigend. Aber diese Fakten sind natürlich null Teil des Pubertisten-Idioms. Denn in diesem Zeitfenster ist alles extrem. Fakten kommen nicht an. Das kann weder eine Mutter vermitteln noch ein Lehrer noch irgendjemand, der da schon mal durchgegangen ist. Niemand, der das aus der zeitlichen und emotionalen Distanz bewerten und sachlich beschreiben kann, kann es jemandem nahebringen, der mittendrin steckt. Das kann man alles nur retrospektiv kapieren und vielleicht auch abhaken.

Wann finden Sie einen Menschen schön?

Ich finde einen Menschen schön, wenn es ihm egal ist, ob er schön ist. Wenn er mit sich im Reinen ist, ohne es durch das Urteil Anderer zu definieren. Es kann passieren, dass ich jemandem begegne, dessen Körpergeruch ich unangenehm finde oder dessen Hygienemaßstäbe ich nicht mit meinen vereinbaren kann. Aber vielleicht kann ich selbst darin eine Schönheit erkennen, wenn ich sehe, dass jemand sich mit sich selbst auseinandersetzt, ohne sich wichtig zu nehmen. Ich finde sehr schön, wenn Menschen nicht zwanghaft gefallen oder einer Norm entsprechen wollen. Auch wer sich partout von den Anderen absetzen und unterscheiden will, macht das zwanghaft. Am tollsten ist doch alles, was keinem Zwang unterliegt, sondern einer fröhlichen Selbstzufriedenheit.

Cyrils Mutter ist stark und sensibel, aber manchmal auch peinlich. Können Sie eine peinliche Mutter sein?

Tja, was genau steckt in diesem „peinlich“? Es gibt dieses Zeitfenster, in dem man gern mit dem Begriff "peinlich" um sich schmeißt, nicht nur was die eigenen Eltern angeht. Vielleicht sieht man irgendwo ein Plakat: "Oh, voll peinlich, kuck' mal!" Man hat sich komisch benommen, man war nicht schlagfertig genug, man bekommt einen roten Kopf – peinlich! "Peinlich" ist das zentrale Wort der Pubertät. Und der Witz ist, dass man das auch nach außen spiegelt, wenn man mittendrin steckt. Deshalb finden sich wahrscheinlich die Pubertisten selbst am peinlichsten, weil sie sich so sehr mit sich selbst und der eigenen Wirkung auseinandersetzen. Doch es ist völlig normal, dass Menschen in diesem Alter auf sich selbst fixiert sind. Damit meine ich im Zweifel auch mich. Ich hatte zwar eine super entspannte Pubertät, aber wahrscheinlich war ich so klemmig oder so überbordend – diese Extreme prallen da ja ruckizucki aufeinander – dass ich nach außen wirklich peinlich wirkte. Wenn man mittendrin steckt, empfindet man das noch viel potenzierter.

Sind Sie gern zur Schule gegangen, haben Sie zu den Coolen gehört?

Ich habe nicht zu den Coolen gehört und ging gerne zur Schule. Die Coolen waren ja vermutlich die in der Raucherecke, die mit Mofa und die, die ihre Eltern mit Vornamen angesprochen haben. Das habe ich alles nicht gemacht. Ich war relativ uncool.

In welchen Situationen würden Sie selbst gern eine Maske aufsetzen?

Finden Sie mich so hässlich?

Nee! Um nicht erkannt zu werden.

Hä?! Das ist doch nicht schlimm! Es ist alles gut. Unangenehm ist es manchmal im Urlaub oder wenn Menschen übergriffig sind. Aber das kommt kaum vor. Dann sage ich den Leuten eben: "Jetzt gerade nicht!" Ich möchte mich nicht verstecken. Ich mache meinen Job ja nicht nur für mich und weil er mir so viel Spaß macht, sondern auch, weil ich Geschichten erzählen und damit Menschen erreichen möchte. Und dazu brauche ich keine Maske.


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