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Amira-Louise Ouardalitou: Das moderne Gesicht Luxemburgs
Panorama 3 Min. 20.12.2016 Aus unserem online-Archiv

Amira-Louise Ouardalitou: Das moderne Gesicht Luxemburgs

Von September bis Dezember hat Amira-Louise Ouardalitou Hörgeschädigten die luxemburgische Sprache beigebracht.

Amira-Louise Ouardalitou: Das moderne Gesicht Luxemburgs

Von September bis Dezember hat Amira-Louise Ouardalitou Hörgeschädigten die luxemburgische Sprache beigebracht.
Foto: Guy Jallay
Panorama 3 Min. 20.12.2016 Aus unserem online-Archiv

Amira-Louise Ouardalitou: Das moderne Gesicht Luxemburgs

Kevin WAMMER
Kevin WAMMER
Die Landessprache stiftet Identität – in Luxemburg Dauerthema. Die junge Luxemburgerin Amira-Louise 
Ouardalitou hat es sich zur Aufgabe gemacht, Luxemburgisch auf der ganzen Welt zu repräsentieren.

Von Birgit Pfaus-Ravida

Sie ist jung, attraktiv, schwungvoll, leidenschaftlich – und unterrichtet Luxemburgisch. Wer Amira-Louise Ouardalitou trifft, merkt schnell: Die 32-Jährige entspricht so gar nicht dem Klischee des schon etwas älteren, konservativen Luxemburgisch-Verfechters und -Lehrers. „Früher haben sich wirklich nur ältere Leute für Luxemburgisch interessiert. Ich bin ja nun eher das Gegenteil. Und das will ich auch zeigen: Luxemburg ist nicht altbacken, es ist modern! Unser Land hat viele Facetten!“ 

Amira-Louise wurde 1984 in Luxemburg-Stadt geboren, als Tochter eines Tunesiers und einer Luxemburgerin. Sie studierte in Freiburg, Bielefeld, Wien und Luxemburg. Seit 2012 ist sie Luxemburgisch-Lehrerin am „Institut national des langues“. Seit 2015 ist sie zudem Mitglied der Sprachsek
tion des altehrwürdigen „Institut grand-ducal“. Im gleichen Jahr erschien auch ihr Orthografiebuch „Lëtzebuergesch richteg schreiwen – Elo hu mir den Duerchbléck“, das im Verlag Saint-Paul erschienen ist. 

Die Grundregeln der Sprache 

„Mir war wichtig, dass das Buch wirklich für jeden geeignet und auch nicht zu teuer ist. Es liegt mir einfach am Herzen, dass jeder Luxemburger in seiner Landessprache richtig schreiben kann“, erklärt Amira-Louise. Mit ihrem Buch wolle sie diejenigen erreichen, die nie Gelegenheit hatten, Luxemburgisch von Grund auf mit der richtigen Orthografie zu erlernen. „Derzeit erwacht im Land ein neues Sprachbewusstsein. Und gerade die neuen Medien verhelfen unserer Sprache zu einer Renaissance, denn die Menschen tippen Kurznachrichten oder Mails auf den verschiedenen Kanälen 
auf Luxemburgisch“, erklärt die Sprachlehrerin. Im Buch werden Grundregeln übersichtlich erklärt, es gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Sprache. Warum wird „Bud“ mit einem u geschrieben, „Luucht“ aber mit zwei? Wie funktioniert die „n-Regel“ am Ende des Wortes? Am Ende helfen praktische Übungen dabei, das erworbene Wissen auch umzusetzen und so das Erlernte im Kopf zu behalten.

Eine große Herausforderung und Erfahrung als Sprachlehre
rin hat Amira-Louise Ouardalitou kürzlich erlebt, als sie von September bis Dezember Hörgeschädigten in Düdelingen die luxemburgische Sprache beigebracht hat. „Das war spannend! Denn die Gebärdensprache ist ja nicht international einheitlich, auch, wenn sich manches von den Zeichen her ähnelt. Umgekehrt können Hörgeschädigte ja meist mit anderen kommunizieren, indem sie Lippen lesen und mit gesprochenem Wort antworten. Doch das müssen sie natürlich lernen. Gehörlose und Schwerhörige in Luxemburg haben immer das Problem, dass sie den Spracherwerb und die Gebärdensprache auf Deutsch erlernen, manche auf Französisch. Sie werden in ihrer alltäglichen Kommunikation also nicht als Luxemburger wahrgenommen“, erklärt die Lehrerin die komplexe Thematik. 

In ihrem Kurs arbeitete sie mit einem Dolmetscher für Gebärdensprache zusammen. Die Teilnehmer lernten eine Art Basiswortschatz, wie man sich anderen vorstellt, wie die Zahlen heißen, wie sie ihre Familiensituation erklären, wo sie wohnen und so weiter. „Die Teilnehmer können diese Dinge nun so sagen, dass ein Luxemburger es gut versteht. Und sie können auch sagen: Können Sie das bitte wiederholen? Denn oft geht natürlich für die Hörgeschädigten alles ein wenig zu schnell.“ 

Als Sprachforscherin auf Weltreise 

Sprachkurse sind nur eine Facette von Amira-Louises Leidenschaft fürs Luxemburgische. Als Sprachforscherin hat sie schon 2008 den Mittleren Westen der USA besucht. Alleine unterwegs, interviewte sie vor allem ältere Leute in den luxemburgischen „Sprachinseln“ und lernte interessante, oft überraschende und auch vergnügliche Weiterentwicklungsformen ihrer Heimatsprache im englischsprachigen Ausland kennen. Im luxemburgischen Konsulat in New York hat sie auch schon mal einen Vortrag gehalten. 

Und Amira-Louises Reiselust reißt nicht ab: Als Repräsentantin und Vortragende ist sie für das Großherzogtum schon auf Konferenzen der EFNIL („European Federation of National Institutions for Language“) in Helsinki und Warschau dabei gewesen. „Bei der Konferenz kam mir übrigens die Idee mit dem Kurs für Hörgeschädigte, denn in skandinavischen Ländern ist Gebärdensprache teils offiziell als Sprache anerkannt und wird auch bei Vorträgen benutzt“, erinnert sie sich. 

Und so wurde das Thema auch Inhalt ihrer Masterarbeit in „Lëtzebuerger Studien“ an der Uni Luxemburg: „D’Kommunikatioun vu Gebäerdesproochler a Schwéierhéiergeschiedegter an enger multilingualer Gesellschaft um Beispill vu Lëtzebuerg“. Generell wünscht sich Amira-Louise Ouardalitou noch ein größeres Interesse dafür, dass es wichtig ist, das Luxemburgische in die Welt hinauszutragen. Mit ihrer offenen, sympathischen und dabei ernsthaften Art wird sie bestimmt weiter dazu beitragen.


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