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Am Anfang war der Hype
Panorama 10 3 Min. 08.01.2017 Aus unserem online-Archiv
Zehn Jahre iPhone

Am Anfang war der Hype

Panorama 10 3 Min. 08.01.2017 Aus unserem online-Archiv
Zehn Jahre iPhone

Am Anfang war der Hype

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Vor genau zehn Jahren stellte Steve Jobs das iPhone vor – und löste mit dem revolutionären Gerät ein Massenphänomen aus. In Luxemburg war das erste iPhone nur auf Umwegen zu bekommen, was die Kreativität der eingefleischten Fans anregte.

Von Volker Bingenheimer

Vor genau zehn Jahren stellte Steve Jobs das iPhone vor – und löste mit dem revolutionären Gerät ein Massenphänomen aus. In Luxemburg war das erste iPhone nur auf Umwegen zu bekommen, was die Kreativität der eingefleischten Fans anregte.

Es war ein legendärer Auftritt von Steve Jobs, als er am 9. Januar 2007 vor die Besucher der Macworld-Konferenz trat. Es hatte sich schon herumgesprochen, dass Apple ein neues Smartphone vorstellen wollte. Doch was Steve Jobs dann sagte, stiftete zunächst Verwirrung: „Heute stellen wir Ihnen drei revolutionäre Produkte vor: Das erste ist ein Breitbild-iPod mit Touchscreen. Das zweite ist ein umwälzendes Handy. Und das dritte ist ein neues Internet-Kommunikationsgerät, das einen echten Durchbruch bedeutet.“ Erst langsam dämmerte es den Besuchern, dass Jobs drei Geräte in einem ankündigte.

Schnell setzte sich die Einschätzung durch, dass Apple mit dem iPhone nicht einfach ein neues Handy, sondern eine ganz neue Produktkategorie eingeführt hatte. Zum Verkaufsstart Ende Juni 2007 in den USA bildeten sich lange Schlangen vor den Geschäften. Das iPhone wurde begeistert aufgenommen. Apple-Fans in Europa mussten sich in Geduld üben, erst im November kam es in den drei größten Ländern Deutschland, Frankreich und Großbritannien auf den Markt.

So lange wollte LW-Redakteur Yves Bodry nicht warten. „Ich fand das iPhone grandios. Sein riesiger Touchscreen, nur eine Taste und die hochauflösende Grafik, das wollte ich sofort haben.“ Apple-Fan Bodry beauftragte kurzerhand einen Freund, der gerade in den USA im Urlaub war. „Der nahm eine Sammelbestellung von Bekannten an und schaffte es, seinen Koffer halb voll mit iPhones zu packen und nach Luxemburg zu bringen.

Jean-Claude Bintz (links) überreicht dem ersten Luxemburger Kunden das begehrte iPhone.
Jean-Claude Bintz (links) überreicht dem ersten Luxemburger Kunden das begehrte iPhone.
Foto: privat

Ich knacke mir mein iPhone

Mit den US-Importen konnten die iPhone-Besitzer hierzulande erst einmal wenig anfangen. Dank SIM-Lock-Sperre funktionierten europäische Karten nicht mit dem begehrten Stück. „Wir haben damals alle das illegale Jailbreak-Programm heruntergeladen und unser iPhone entsperrt“, erzählt Yves Bodry.

Dass das iPhone über ein Jahr später dann in Luxemburg zu kaufen war, ist Jean-Claude Bintz zu verdanken. Dem Mitgründer von Voxmobile gelang 2008 das Kunststück, dem Großkonzern Apple die Verkaufslizenz für Luxemburg abzuringen. „Apple hatte damals nicht das geringste Interesse an Luxemburg. Der Markt war einfach viel zu klein“, sagt Bintz. Er selbst kann sich noch gut an den Moment erinnern, als er sein erstes iPhone in der Hand hielt - aus seinem eigenen Geschäft, einige Tage vor dem offiziellen Verkaufsstart. Zu diesem Zeitpunkt hatte Apple schon auf die zweite Generation umgestellt, das iPhone 3G. Das erste iPhone war also nie offiziell in Luxemburg zu kaufen.

Lange Schlangen in der Oberstadt zum Verkaufsstart am 26. September 2008.
Lange Schlangen in der Oberstadt zum Verkaufsstart am 26. September 2008.
Foto: Voxmobile

Wer am Anfang ein iPhone sein eigen nennen wollte, musste sich übrigens fest an einen Provider binden. „Das würde heute keine Mobilfunkfirma mehr machen. Es würde gegen die internen Fairness-Regeln verstoßen.“ Im Rückblick rentierte sich der Apple-Coup für Voxmobile: „Wir schafften es damals, der Konkurrenz viele Kunden abspenstig zu machen“, sagt Bintz, dessen Firma später von Mobistar aus Belgien aufgekauft wurde.

Apple-Hochburg Luxemburg

Heute ist der Luxemburger Handy-Markt eine Apple-Hochburg. Rund 60 Prozent der Smartphone-Besitzer sind der Marke mit dem Apfel treu – so viel wie in keinem anderen Land. Bintz erklärt sich dieses Phänomen so: „Hier kennt jeder jeden. Das Land ist eigentlich ein großer Freundeskreis. Was der eine mag, setzt sich schnell auch bei anderen durch.“

Zehn Jahre nach dem großen Coup ist die weltweite Begeisterung für iPhones ein wenig abgekühlt. Oft ist der Vorwurf zu hören, Apple liefere keine wirklichen Innovationen mehr. „Wir beobachten derzeit, dass sich Apple bei Produktvorstellungen mit Neuerungen brüstet, die beim Publikum aber nur als Spielerei ankommen“, erklärt Kevin Wammer, LW-Redakteur und ehemaliger Apple-Blogger. Auch die Person Steve Jobs sei nicht zu ersetzen: „Man kann ihm vieles vorwerfen, aber Steve Jobs hatte ein Gefühl dafür, was bei den Kunden gut ankommt.“ Trotzdem denkt Kevin Wammer nicht, dass das Smartphone als solches fertig entwickelt ist. „Bei der Hardware stoßen wir zwar so langsam an physikalische Grenzen, zum Beispiel bei der Kamera. Doch in den nächsten Jahren wird sich das iPhone noch viele Einsatzbereiche erschließen, die heute noch Zukunftsmusik sind.“


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