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Alleinerziehend: Scherbenhaufen neu zusammensetzen
Panorama 3 Min. 28.07.2017 Aus unserem online-Archiv

Alleinerziehend: Scherbenhaufen neu zusammensetzen

Zwischen Alleinerziehenden und ihren Kindern entwickelt sich oft ein sehr enges Band. Trotzdem brauchen sie ein gutes und verläßliches Netzwerk.

Alleinerziehend: Scherbenhaufen neu zusammensetzen

Zwischen Alleinerziehenden und ihren Kindern entwickelt sich oft ein sehr enges Band. Trotzdem brauchen sie ein gutes und verläßliches Netzwerk.
Foto: dpa
Panorama 3 Min. 28.07.2017 Aus unserem online-Archiv

Alleinerziehend: Scherbenhaufen neu zusammensetzen

Geld verdienen, den Haushalt schmeißen und sich um den Nachwuchs kümmern: Alleinerziehende haben viel um die Ohren. Neben all den Schwierigkeiten birgt ein solches Familienmodell aber auch Chancen.

(dpa) - Wenn eine Partnerschaft zerbricht, ist es schwer, damit umzugehen. Noch problematischer wird es, wenn das Paar gemeinsame Kinder hat. Häufig ist dann einer alleinerziehend, mit all den Schwierigkeiten und Hürden, die das mit sich bringt. Aber: Auch wenn es anfangs nicht so scheint - das Dasein als Alleinerziehender hat auch gute Seiten.

Welche Schwierigkeiten, als Alleinerziehender, das mit sich bringt, weiß Alexandra Widmer. Sie ist Buchautorin, Ärztin, Psychotherapeutin, Gründerin des Netzwerkes „Stark und Alleinerziehend“ und selbst alleinerziehende Mutter. So gebe es auf der einen Seite Druck von außen, wie unter anderem die Arbeit, Ärger mit dem Ex-Partner etwa um Sorgerecht, Unterhalt oder Erziehung, finanzielle und steuerliche Benachteiligung, Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung sowie kaum Zeit für Erholung.

Angst, Fehler zu machen

Viele Alleinerziehende verspüren aber auch einen inneren Druck, beschreibt Widmer: Sie glauben, keine Schwäche zeigen zu dürfen und somit niemanden um Hilfe bitten zu können. Oder sie haben das Gefühl, alleinerziehend keine gute Mutter beziehungsweise kein guter Vater und überhaupt keine richtige Familie mehr zu sein. All dies kann sehr schädlich für den Betroffenen sein - gesundheitlich und sozial.

In der Situation etwas Positives zu sehen, ist zugegebenermaßen nicht ganz leicht. Damit das trotzdem gelingt, ist es wichtig, auf sich selbst zu achten, betont Widmer. Das Risiko, an einer Depression zu erkranken, sei bei Alleinerziehenden deutlich erhöht. „Das Motto meines Projektes heißt: Nur, wenn es dir gut geht, geht es auch deinem Kind gut.“ Widmer sieht daher Selbstfürsorge als wichtigste Basis an. Wer in zwei kinderfreien Stunden nur putzt, tut sich damit keinen Gefallen. Wer hingegen einfach mal alles stehen und liegen lässt und zum Beispiel schwimmen geht, tut sich - und somit auch seinem Kind - etwas Gutes.

Damit alleine ist es aber noch nicht getan: „Es ist in dieser Lebensphase utopisch zu glauben, Job, Kinder und Haushalt unter einen Hut zu bekommen“, sagt Widmer. „Fehlende Vereinbarkeit beklagen ja schon klassische Familien.“ Deshalb sei es wichtig, sich Hilfe zu holen, im Zweifel auch professionelle Unterstützung. „Wir Menschen sind nicht darauf ausgelegt, 20 Jahre alleine ein Kind aufzuziehen.“

Angesichts dieser Herausforderung hilft es, sich immer wieder klarzumachen: „Der Schritt aus einer nicht mehr funktionierenden Beziehung heraus kann langfristig ein Schritt zu mehr Zufriedenheit, Zuversicht und Freiheit sein“, sagt Hoheisel. Vor einem Scherbenhaufen zu stehen, sei ja auch eine Chance, es anders wieder zusammenzusetzen.

Nicht nur Nachteile

So sieht es auch Bernadette Conrad. Sie ist Journalistin und Autorin des Buches „Die kleinste Familie der Welt“. Sie sagt: „Allein erziehen ist sicher nichts, was man idealisieren würde.“ Die Stärken und Kompetenzen dieser Familienform würden aber meist völlig verkannt. „Das finde ich schade.“ Neben den Nachteilen gibt es aus ihrer Sicht auch Vorteile. Einer davon ist, dass man alles selbst gestalten kann. In ihrem Buch erzählt sie von einer alleinerziehenden Friseurin, die ihren eigenen Salon betreibt. Mit ihrer Tochter habe sich dort eine sehr harmonische Beziehung entwickelt.

Ein weiterer Vorteil ist laut Conrad: Man hat nur sich, daraus entwickeln sich oft engere Eltern-Kind-Beziehungen. Das Konzept „Wir zwei gegen den Rest der Welt“ hat allerdings Grenzen. Alleinerziehende sind gewissermaßen gezwungen, andere mit ins Boot zu holen, erklärt Conrad. Man setze sich zum Beispiel ziemlich wahrscheinlich nicht zu zweit unter den Weihnachtsbaum. Und so muss die Kleinstfamilie ihren Horizont erweitern und sich öffnen - für Freunde oder entferntere Verwandte. „Das ist ein großer Gewinn für das Leben.“

Außerdem fördert ein solches Familienmodell laut Conrad bestimmte Eigenschaften der Kinder: Selbstständigkeit, Loyalität und Empathie. „Ob Mädchen oder Jungs, dieses Empathische und Loyale, das sind Eigenschaften, die stärker herausgefordert werden und die diese Kinder auch zeigen.“ Conrad rät, immer das zu nutzen und zu schätzen, was an der eigenen Situation speziell ist. Alleinerziehende sollten stolz sein darauf, wie sie die Schwierigkeiten meistern. So fällt es leichter, der Situation auch Positives abzugewinnen.


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