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Alle 17 Jahre kommen die Zikaden
Panorama 6 1 2 Min. 23.05.2021 Aus unserem online-Archiv
"Brood X" in den USA

Alle 17 Jahre kommen die Zikaden

Sieht aus wie Paarung, ist aber noch keine: Eine Zikade klettert über den abgeworfenen Panzer eines Kollegen.
"Brood X" in den USA

Alle 17 Jahre kommen die Zikaden

Sieht aus wie Paarung, ist aber noch keine: Eine Zikade klettert über den abgeworfenen Panzer eines Kollegen.
Foto: AFP
Panorama 6 1 2 Min. 23.05.2021 Aus unserem online-Archiv
"Brood X" in den USA

Alle 17 Jahre kommen die Zikaden

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Der Osten der USA erwartet die "Brood X" - eine Welle von geschlüpften Zikaden, die nur alle 17 Jahre auftritt: Solange leben die Tiere im Boden. Mittlerweile erwarten auch Feinschmecker ihre Ankunft.

Dieses biologische Spektakel ist nichts für schwache Nerven, zumindest nicht für die, die Insekten nicht mögen: Im Osten der USA passiert zurzeit der „Zikadensommer“. Die Zikaden-Variante „Brut 10“ bzw. auf Englisch „Brood X“ schlüpft hier nur alle 17 Jahre. Die Zeit zuvor verbrachten die Tiere im sogenannten Nymphen-Stadium im Boden, wo sie sich von Wurzelsaft ernährten. 

Nur ein paar Wochen überirdisch

Wenn der Boden etwa 18 Grad warm ist, ist es Zeit, zu schlüpfen. Dann bohren sich Milliarden von Insekten mit dem offiziellen Namen Magicicada septendecim aus dem Boden, Sie werfen ihre Nymphe ab, sind dann etwa fünf Zentimeter lang, schwarz mit orangefarbenen Streifen und markanten roten Augen. Mit der biblischen oder in manchen Teilen der Erde sehr weltlichen Heuschrecken-Plage hat das alles übrigens nichts zu tun: Zikaden sind harmlos. Zunächst warten sie ein paar Tage, bis ihr Skelett an der Luft ausgehärtet ist. Dann machen sie sich an die Paarung. Und das wird laut: Das Zirpen, mit dem Männchen Weibchen anlocken, kann mehr als 100 Dezibel erreichen -  die meisten Rasenmäher sind leiser. 

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Nach erfolgreicher Paarung legen die Weibchen Eier, die ausgewachsenen Zikaden sterben - ihre 17 Jahre im Untergrund waren nur die Vorbereitung für wenige Wochen über der Erde. Schon im Sommer ist alles wieder vorbei. Nach sechs bis acht Wochen schlüpfen die Larven und graben sich wieder in den Boden - bis 2038. 

Der Jahrgang 2021 wird als besonders zahlreich erwartet, gleich 15 Bundestaaten entlang der Ostküste werden das Phänomen wohl zu sehen bekommen - vom Atlantik bis zum Mississippi.    

Das Rätsel der inneren Uhr 

Zur historischen Einordnung: Vor 17 Jahren, also 2004, hatten die USA einen Präsidenten namens George W. Bush und Luxemburg die Regierung Juncker-Asselborn. Griechenland wurde Fußball-Europameister. Lance Armstrong gewinnt seine sechste Tour de France. Der Papst heißt Johannes Paul II. Und eine ganze „Brood X“-Generation gräbt sich in die Erde ein, um 2021 wieder herauszukommen - millionenfach. So wie 1987, 1970 und immer so weiter. 

1715 hatte Andreas Sandel, Pfarrer einer Lutheranischen Kirche in Philadelphia in einem Tagebucheintrag zum ersten Mal davon berichtet, die nächsten Sichtungen folgten 1732 und 1749. 


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Mit traumwandlerischer Sicherheit treffen die Zikaden von „Brood X“ den 17-Jahreszyklus, doch woher sie wissen, wann es Zeit ist, nach oben zu kommen, kann niemand genau sagen. Warum sie den Aufwand treiben, ist dagegen klar: Die kurze Zeit an der Oberfläche und die große Anzahl an Individuen ermöglicht der Art das Überleben - Fressfeinde können in der kurzen Zeit viele Zikaden verspeisen, aber unmöglich alle. 

Zikaden als Delikatesse

A propos Fressfeinde: Zu denen gehört mittlerweile an der US-Ostküste auch der Mensch: Zikaden sind Speiseinsekten, sie sind proteinhaltig und haben einen deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck als herkömmliches Nutzvieh. Sie lassen sich gegrillt am Spieß, in Paella oder auch als Sushi verarbeiten. Und so werden 2021 einige innovative Köche und mutige Feinschmecker auf Zikadenjagd gehen. 

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