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Alec Baldwin in "Schock und Trauer", Polizei durchsucht Filmset
Panorama 3 Min. 23.10.2021
Nach tragischem Unfall am Set

Alec Baldwin in "Schock und Trauer", Polizei durchsucht Filmset

Alec Baldwin will alles tun, damit die Ursache für den Zwischenfall geklärt wird.
Nach tragischem Unfall am Set

Alec Baldwin in "Schock und Trauer", Polizei durchsucht Filmset

Alec Baldwin will alles tun, damit die Ursache für den Zwischenfall geklärt wird.
Foto: AFP
Panorama 3 Min. 23.10.2021
Nach tragischem Unfall am Set

Alec Baldwin in "Schock und Trauer", Polizei durchsucht Filmset

Nach dem tödlichen Vorfall hat der Schauspieler sein tiefes Bedauern und Entsetzen geäußert. Wie konnte es dazu kommen?

(dpa) - Der tödliche Schuss aus der Requisitenwaffe des Schauspielers Alec Baldwin auf eine Kamerafrau am Set eines Western-Films gibt weiter Rätsel auf. Zu den genauen Umständen des Vorfalls im US-Bundesstaat New Mexico und dem fatalen Projektil gebe es noch immer offene Fragen, teilte die Polizei am Freitagabend (Ortszeit) mit. Die Ermittler hätten den Drehort durchsucht.

Die „New York Times“ zitierte aus einem Polizeibericht, dass ein Regieassistent auf dem Set des Westerns „Rust“ eine sogenannte Prop-Waffe mit dem Hinweis an Baldwin übergeben habe, sie enthalte keine scharfe Munition. Doch als der Schauspieler die Waffe am Donnerstag abfeuerte, kam es zur Tragödie: Die 42-jährige Kamerafrau Halyna Hutchins erlitt tödliche Verletzungen, Regisseur Joel Souza (48) wurde ebenfalls getroffen und mit einer Schulterverletzung ins Krankenhaus gebracht. Er konnte aber später entlassen werden, wie US-Medien berichteten.

Alec Baldwin: „Schock und Trauer“

„Es gibt keine Worte, um den Schock und die Trauer auszudrücken angesichts des tragischen Unfalls, der das Leben von Halyna Hutchins beendet hat“, schrieb Baldwin am Freitag auf Twitter. Sie sei zugleich „Ehefrau, Mutter und zutiefst bewunderte Kollegin von uns“ gewesen. „Ich kooperiere vollkommen mit der polizeilichen Untersuchung, um herauszufinden, wie diese Tragödie geschehen konnte. Und ich stehe in Kontakt mit ihrem Ehemann, um ihm und seiner Familie meine Unterstützung anzubieten.“ Der Gedanke an „ihren Ehemann, ihren Sohn und all diejenigen, die Halyna kannten und liebten“, breche ihm das Herz.

Strafrechtliche Vorwürfe wurden laut Polizei bislang nicht erhoben. Der Dreh wurde bis auf Weiteres eingestellt.

Die Dreharbeiten zu dem Low-Budget-Western „Rust“, bei dem Baldwin auch als Produzent mitwirkte, hatten Anfang Oktober auf der Bonanza Creek Ranch begonnen. Auf dem Gelände nahe einer früheren Goldgräberstadt in der Wüste New Mexicos wurden bereits zahlreiche Filme produziert.

Bericht über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen am Set

Laut einem Bericht der „Los Angeles Times“ vom Freitag sollen sich Mitarbeiter am Set über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und schlechte Bedingungen wie lange Arbeitszeiten beschwert haben. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf ungenannte Quellen, mehrere Mitarbeiter der Kamera-Crew hätten wenige Stunden vor dem tödlichen Vorfall aus Protest gegen die Arbeitsbedingungen den Drehort verlassen. Die in Hollywood üblichen Sicherheitsprotokolle seien nicht strikt befolgt worden, hieß es.

Der tödliche Schuss fiel auf der Bonanza Creek Ranch in Santa Fe.
Der tödliche Schuss fiel auf der Bonanza Creek Ranch in Santa Fe.
Foto: Roberto E. Rosales/Albuquerque Journal via ZUMA/dpa

Laut der „Los Angeles Times“ ist üblicherweise ein Requisiteur oder ein lizenzierter Waffenmeister für die am Set benutzten Waffen zuständig. Zu dessen Aufgaben gehöre es auch, diese mit Platzpatronen zu laden und den Schauspielern und Regieassistenten den Umgang damit zu erklären. Scharfe Munition sei am Set verboten.

Umdenken gefordert

Der deutsche Waffenexperte Lars Winkelsdorf forderte nach dem Vorfall ein Umdenken in Hollywood. „Der Umgang mit Waffen, wie er in Filmen gezeigt wird, ist nicht nur unrealistisch, er ist tatsächlich gefährlich fahrlässig, und die Unfallrisiken bei solchen Dreharbeiten sind exzessiv hoch“, sagte der Journalist und Dozent für Waffensachkunde am Freitag.

 „Dass hier nicht bereits in der Vergangenheit Sicherheitsmaßnahmen etabliert wurden durch die Filmproduktionen, halte ich für unverantwortlich, und Hollywood wird hier umdenken müssen.“ Maßnahmen könnten beispielsweise Schutzwesten, Helme oder der bewusste Verzicht auf bestimmte Kamera-Einstellungen und Perspektiven sein.  

Mögliche Erklärung

Bei Dreharbeiten gerade für Hollywood-Produktionen verwendet man häufig spezielle pyrotechnische Platzpatronen, damit eben nicht scharfe Projektile verfeuert werden“, sagte Waffenexperte Winkelsdorf. „Tatsächlich werden Filmwaffen so abgeändert, das scharfe Munition nicht mehr verfeuert werden kann.“ Dafür werde eine spezielle Düse in den Lauf der Waffe eingeschraubt - „damit die Technik funktioniert und damit das Mündungsfeuer entsprechend langsam und beeindruckend aus der Waffe abgeblasen wird“.


(FILES) In this file photo taken on April 12, 2019 actor Alec Baldwin attends the 'Exploring the Arts' 20th anniversary Gala at Hammerstein Ballroom in New York City. - A woman has died after being shot during the filming of a movie starring Alec Baldwin, US law enforcement officers said October 21, 2021. "Two individuals were shot during filming of a scene on the set of the movie western 'Rust'," the sheriff in Santa Fe, New Mexico said in a statement. (Photo by Angela Weiss / AFP)
Alec Baldwin tötet mit Requisitenwaffe eine Kamerafrau
Der US-Schauspieler hat bei einem Filmdreh mit einer Requisitenwaffe geschossen und dabei zwei Menschen getroffen.

Diese Düse sei aber eben nur eingeschraubt. „Sobald das Gewinde reißt, haben sie es wieder mit einem Geschoss zu tun, das nun unkontrolliert aus der Waffe fliegt, und das war vermutlich die Unfallursache“, sagte Winkelsdorf. „Wenn diese Gasdüse sich in Bewegung setzt, dann ist das nicht wie bei einer Patrone, dass sich ein gezielter Schuss in Bewegung setzt, sondern man hat es eher mit einer Schrapnell-Wirkung ähnlich wie bei einer Mine zu tun. Und es ist nicht vorhersagbar, ob dieses Geschoss jetzt im 45-Grad-Winkel aus der Waffe fliegt, oder möglicherweise auch im 60-Grad-Winkel. Man kann den Gefahrenbereich überhaupt nicht mehr vorhersagen.“    

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