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Ärgernis für Reisende: Wie Hotelketten ihre Gäste abkassieren
Panorama 5 Min. 05.04.2015

Ärgernis für Reisende: Wie Hotelketten ihre Gäste abkassieren

Ein altes Ärgernis. Weltweit klagen Geschäftsreisende weiterhin über teure und nicht selten schlechte WLAN-Zugänge.

Ärgernis für Reisende: Wie Hotelketten ihre Gäste abkassieren

Ein altes Ärgernis. Weltweit klagen Geschäftsreisende weiterhin über teure und nicht selten schlechte WLAN-Zugänge.
Foto: Shutterstock
Panorama 5 Min. 05.04.2015

Ärgernis für Reisende: Wie Hotelketten ihre Gäste abkassieren

Auf einen Internet-Zugang rund um die Uhr möchten immer weniger Menschen verzichten. Diese Botschaft ist bei den Betreibern vieler Hotels immer noch nicht angekommen. Mal ist die Internetgeschwindigkeit extrem niedrig, mal verlangen die Hotels horrende Preise fürs Surfen. Der Ärger der Kunden wächst.

(SRT) - Einchecken, Koffer abstellen, sich kurz frisch machen und dann erst einmal seine E-Mails checken oder die Familie anrufen – so sieht die Routine bei vielen Geschäftsreisenden, aber auch bei vielen Urlaubern aus.

20 Euro für einen Tag WLAN

Und spätestens dann beginnt oft der Ärger. Denn der Zugang zum Netz kostet in den Häusern großer Hotelketten häufig extra. Umsonst surfen kann man – wenn überhaupt – nur in der Lobby und das nur mit einer geringen Bandbreite. Dabei gilt die Regel: Je teurer das Hotel, desto teuer das WLAN.

Im Luxushotel Ritz Carlton in Berlin muss der Gast 19,95 Euro pro Tag oder 5,95 Euro in der Stunde löhnen, wenn er auf seinem Zimmer surfen will. Nur Mitglieder des Kundenbindungsprogramms, die zudem direkt im Hotel oder über die Hotel-Website gebucht haben, sind ausgenommen. Ritz Carlton gehört ebenso wie die Marriott-, die Renaissance- oder die Gaylord-Hotels zur Hotelgruppe Marriott, und die zeigte sich in den USA als besonders dreist dabei, ihre Gäste abzukassieren.

So blockierte ein Gaylord Hotel in Nashville sogar die persönlichen WLAN-Hotspots seiner Gäste, um sie zur Nutzung des kostenpflichtigen Marriott-Netzwerks zu zwingen. Nach der Anzeige eines Gastes im März 2013 leitete die US-Regulierungsbehörde ein Ermittlungsverfahren ein, das im Oktober 2014 zu einem Vergleich führte. Marriott musste 600 000 US-Dollar Strafe bezahlen und sich verpflichten, es in ihren US-Hotels zu unterlassen, WLAN-Hotspots der Gäste zu stören. Das betrifft alle Marriott-Marken.

Doch der Hotelkonzern zeigte keine Reue und stellte die Störfeuer stattdessen sogar als Schutzmaßnahme für die Sicherheit seiner Gäste dar. Man halte die Maßnahmen des Hotels für rechtmäßig, hieß es in einer Presseerklärung. Marriott reichte daher eine Petition ein – und fiel damit auf die Nase.

Beunruhigender Trend

Ende Januar verkündete die Regulierungsbehörde eine neue Verordnung, die es Hotels grundsätzlich verbietet, den Betrieb privater WLAN-Netze technisch zu unterbinden. Wer es dennoch tut, macht sich strafbar und muss mit erheblichen Geldstrafen rechnen. Man habe den „beunruhigenden Trend“ beobachtet, dass Hotelbetreiber die Nutzer privater Hotspots behindern würden, schrieb die Behörde. Marriotts Behauptung, damit nur Sicherheitsprobleme zu beheben, wies sie deutlich zurück.

Seit Januar können nun wenigstens Mitglieder des Kundenbindungsprogramms in mehr als 3 800 Marriott-Hotels das WLAN kostenlos nutzen – vorausgesetzt sie buchen direkt über Marriott.

Alle anderen müssen weiter zahlen. Die Gebühren variieren von Hotel zu Hotel und von Marke zu Marke und beginnen bei zehn Euro pro Tag, heißt es von der Pressestelle. Eine Nachfrage im Marriott München ergab, dass das WLAN auf dem Zimmer pro Tag 14,50 Euro und pro Stunde 6,50 Euro kostet. Nur in der Lobby ist es frei.

Marriott ist kein Einzelfall. Viele Hotelketten geben sich bei diesem Thema kleinlaut. Anfragen nach den WLAN-Kosten im Zimmer werden entweder gar nicht – wie etwa bei Accor mit den Marken Mercure, Sofitel und Novotel – beantwortet oder mit nichtssagenden Sätzen abgespeist, die nicht auf den Kern der Frage eingehen. So schreibt die Luxusgruppe Four Seasons: „Hohe Qualität, hohe Geschwindigkeit und freier Internet-Grundservice wird in mehr als 90 Prozent unserer Hotels angeboten.“

Grundversorgung gratis

Doch langsam bricht die globale Internet-Front zusammen. So gibt es bei Hyatt seit kurzem freies WLAN in den Zimmern in allen 573 Hotels weltweit. Das gilt allerdings nur für Standard-Verbindungen. Wer ein schnelleres WLAN haben möchte, muss weiter bezahlen. Und wie hoch die Gebühren sind, variiert dann von Haus zu Haus. Im Hyatt Köln kostet das schnellere Internet zehn Euro pro Tag.

Die gewollt intransparente Preispolitik führt dabei bisweilen zu so absurden Situationen wie bei den beiden Hilton-Marken am Frankfurter Flughafen. Nur 20 Meter trennen die Lobbys der beiden Hotels. Im Hilton muss der Gast 19 Euro für 24 Stunden Internet-Zugang bezahlen (einen Preis für eine Stunde gibt es nicht). Im direkt benachbarten Hilton Garden Inn ist WLAN dagegen gratis.

Besser ist der Gast bei den Maritim Hotels dran. In vielen Hotels kann er im Zimmer umsonst surfen. Wer mehr Bandbreite will, berappt für das Premium Package in allen Häusern 4,95 Euro für 24 Stunden. Auch bei den Steigenberger Hotels ist der Zugang zum Standard-Internet frei, das High Speed-Internet kostet einheitlich acht Euro pro Tag.

Aber das sind Ausnahmen. Für den Gast bleibt es weiter ärgerlich. Bevor er ein Hotel bucht, muss er sich schlau machen. Doch das ist oft nicht einfach. Denn auf den Hotel-Webseiten sind die Regelungen oft gut versteckt oder fehlen ganz. Da heißt es dann verlockend: „WLAN steht Ihnen im gesamten Haus zur Verfügung.“ Nur, was es kostet, steht nirgendwo.

Internet wichtiger als Schlaf

Dabei schaden sich die Hotelketten mit ihrer Internetpolitik selbst. „Das WLAN ist durchgängig eines der Schlüsselkriterien für die Wahl des Hotels“, behauptet Mike DeNoma, Chef von GLH Hotels Management, dem Mutterkonzern der Vier-Sterne-Gruppe Amba Hotels. Es gäbe sogar Gäste, für die eine gute Internetverbindung wichtiger sei als ein guter Schlaf.

Das gilt vor allem für Geschäftsreisende. Jährlich geben Firmen über 3,6 Milliarden Euro für Internet-Zugänge und Roaming-Gebühren aus, so das Ergebnis einer aktuellen Studie der Amba-Hotels, bei der je 750 Geschäftsreisende in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und in den USA befragt wurden.

Hinzu kommen schlechte Verbindungen. So beklagen Geschäftsreisende immer wieder, dass sie aufgrund langsamer oder unzuverlässiger WLAN-Verbindungen nicht arbeiten könnten. Vom Teilnehmen an Telefon- oder Video-Konferenzen ganz zu schweigen.

Laut Studie sind Hotels überall auf der Welt die teuersten Orte für einen Internet-Zugang. „Dafür gibt es keinen nachvollziehbaren Grund“, sagt Michael Toedt, Geschäftsführer des eCommerce-Spezialisten Toedt, Dr. Selk & Coll aus München. „Es geht den Hotelketten ausschließlich um ihre Umsätze.“

Dass es auch anders geht, zeigen schon lange die Peninsula-Hotels. In den Luxushotels haben alle Gäste kostenlosen Zugang zum High-Speed-Internet im Zimmer. Doch nicht nur das: Sie können auch kostenlose Ferngespräche in alle Welt führen. Dafür hat die Hotelgruppe einfach einige Accounts bei Skype gekauft.


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