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Äddi, Mr. RTL: Abschied mit Tränen
Zu den Party-Gästen gehörte auch Premier Jean-Claude Juncker.

Äddi, Mr. RTL: Abschied mit Tränen

Fotos: Anouk Antony
Zu den Party-Gästen gehörte auch Premier Jean-Claude Juncker.
Panorama 5 Min. 19.04.2012

Äddi, Mr. RTL: Abschied mit Tränen

Mancher CEO wäre neidisch auf einen solchen Abschied: Promis, Orden, Musik – und vor allem echtes Bedauern seitens der Mitarbeiter und Nachfolger. Das waren die Zutaten der Abschiedsparty am Mittwochabend für den scheidenden Chef der RTL Group, Gerhard Zeiler.

Von Cordelia Chaton

Mancher CEO wäre neidisch auf einen solchen Abschied: Promis, Orden, Musik – und vor allem echtes Bedauern seitens der Mitarbeiter und Nachfolger. Das waren die Zutaten der Abschiedsparty am Mittwochabend für den scheidenden Chef der RTL Group, Gerhard Zeiler. Er wechselt zum amerikanischen Sender Turner Broadcasting Systems, einer Time-Warner-Tochter. Seine Nachfolge übernehmen gleich zwei Führungskräfte: Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch.

Die Gäste kamen in Jeans, waren sehr gebräunt und trugen das Haar ein bisschen länger als üblich. Ernst zu nehmende Vorstandsmitglieder trällerten in einem Filmchen den Abschiedssong und schwenkten weiße Papiertaschentücher. Ehemalige Assistenten servierten das Lieblingsgetränk des Stargastes: Cappuccino von Starbuck's. Sekretärinnen überreichten gerührt Fotoalben mit Bildern aller Ex-Mitarbeiter. Der Premier gab einen Orden aus und das Unternehmen einen goldenen Löwen. Am Ende konnte Gerhard Zeiler nicht anders: Er war gerührt.

London neuer Arbeitsplatz

Nach neun Jahren als Geschäftsführer der RTL Group verlässt der Österreicher das Unternehmen. Bei der amerikanischen Sendergruppe Turner International Broadcasting wird er Chef der internationalen Sparte. Der 56-Jährige will auch den Vorstand der Bertelsmann AG verlassen. Sein neuer Arbeitsort ist London. Von dort aus soll er das Geschäft um die Sendemarken und die dazugehörigen Geschäftsfelder für Turner organisieren.

Zur Gruppe gehören auch CNN sowie 129 weitere Sender in insgesamt 27 Sprachen. Die Nachfolge von Zeiler treten die langjährige RTL-Deutschlandchefin Anke Schäferkordt und der frühere ProSieben/ Sat1-Chef Guillaume de Posch an. Der Belgier und die Deutsche bilden künftig eine Doppelspitze bei der RTL Group. Sie überreichten Zeiler gemeinsam einen goldenen Löwen in Erinnerung an den Radio- und Fernsehpreis.

Es fehlte nicht an Dank und Lob auf der Abschiedsfeier von Gerhard Zeiler. Der große, schlanke Mann mit der Vorliebe für Jeans hat jahrelang Europas größten Fernsehsender geprägt. Intern galt er als „Cashcowboy“ (taz). Die Umsatzrendite stieg unter Zeiler in knapp neun Jahren von zehn auf zwanzig Prozent. Seit Zeiler 2003 Geschäftsführer der RTL Group geworden war, hatte sich der Wert der Aktie von rund 24 auf rund 76 Euro verdreifacht. Aber die Abschiedsfeier war weit mehr als die Hommage an einen Mächtigen: Sie war vor allem Ausdruck der persönlichen Wertschätzung.

Ansehnliche Gästeliste

Auch, wenn nicht alle der rund 600 Mitarbeiter der RTL Group und der Sender im Studio auf Kirchberg erschienen waren: Die Gästeliste war sehr ansehnlich. Neben Premier Jean-Claude Juncker und Medienminister François Biltgen war auch dessen Amtsvorgänger Jean-Louis Schiltz erschienen. Jacques Santer, Ehrenstaatsminister und Aufsichtsratsvorsitzender der CLT-Ufa saß neben der Führungsriege aus Gütersloh, allen voran Thomas Rabe, der frisch gekürte Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, der nun auch den Aufsichtsrat der RTL Group leitet.

Bertelsmann ist mit mehr als 90 Prozent Haupteigentümer der RTL Group. Die Gruppe mit Sitz in Luxemburg zählt 46 TV- und 29 Radiosender in neun Ländern Europas. Der gebürtige Luxemburger lobte Zeiler als einen „der entspanntesten Manager, ohne den RTL heute ärmer sein würde.“ Rabe muss es wissen, er war zuvor Finanzvorstand bei Bertelsmann. Für den Standort Luxemburg ist es sicher nicht von Nachteil, dass Rabe nun Chef ist.

In jedem Fall steht der siebtgrößte Medienkonzern der Welt zu Luxemburg. „Das L in RTL steht Luxemburg. Ich verspreche ihnen, dass Sie alle Freiheiten haben, um Ihr Geschäft in Luxemburg unter einer neuen Führung auszubauen“, sagte Rabe an das neue Führungsduo von RTL Group gewandt. Der beste Redner des Abends war Premier Jean-Claude Juncker. Er dankte in einer launigen Ansprache Zeiler „für alles, was Du für das Land getan hast“. Der Premier hofft, dass „die Gütersloher Freunde“ Luxemburg auch in Zukunft berücksichtigen. 

Launiger Abschiedsfilm

Gerhard Zeiler verlieh er einen Orden und ernannte ihn zum „Kommandanten im luxemburgischen Verdienstorden“. Ein launiger Abschiedsfilm durfte bei einer TV-Mediengruppe nicht fehlen. „Baba, Gerhard!“, sagen neben der Vorstandsetage auch so illustre Menschen wie Dieter Bohlen oder ehemalige Fahrer und Assistentinnen von Zeiler zu der Melodie von „That's what friends are for“. „Baba“ bedeutet in Österreich so viel wie „Äddi“. Dann machte ein launiger Sketch klar, dass Zeiler Apfelstückchen und Starbuck's Cappuccino ebenso wie gute Vorbereitung auf Themen liebt. Weniger liegt ihm hingegen an Pünktlichkeit, Urlaub, der Beantwortung von Mails oder dem Lob von Mitarbeitern.

Der spaßhaft Geschmähte war sichtlich gerührt. „Ich danke von Herzen Luxemburg und seinem Premierminister. Luxemburg ist wie Österreich ein kleines Land. Es gibt nur zwei Unterschiede: Erstens ist das Wetter besser in Österreich. Zweitens ist der Premierminister viel besser in Luxemburg“, sagte Zeiler. Er bedankte sich auch bei Bertelsmann, besonders bei seinem Karriere-Mentor Rolf Schmidt-Holtz. Auf die Wirtschaftskrise ging der mächtige Medienmanager ebenfalls ein: „Sie traf uns 2009, Wir mussten Kosten beschneiden. Aber wir haben die Substanz erhalten. Das ist ein großartiges Unternehmen mit einer großartigen Zukunft.“

Dann folgten Danksagungen an Vorstandskollegen und Bertelsmänner. Und am Ende ein paar Tränen. Manch einer fragte sich, warum der Mann das Unternehmen überhaupt verlässt. Zwar hat Zeiler selbst mal gesagt, ein CEO solle nicht länger zehn Jahre auf seinem Posten bleiben. Und neun Jahre war er jetzt schon an der Spitze der RTL Group. Aber es scheint doch so, als hätten seine Kollegen und Mitarbeiter „GZ“, wie er hausintern hieß. gern noch ein bisschen behalten. Jetzt befürchten einige Konkurrenz vom ehemaligen Chef.