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Abschied von der „Queen“: Gottesdienst für Aretha Franklin

Abschied von der „Queen“: Gottesdienst für Aretha Franklin

AFP
Panorama 10 2 Min. 31.08.2018

Abschied von der „Queen“: Gottesdienst für Aretha Franklin

Feministin, Bürgerrechtlerin und eine gewaltige Stimme, die sie um die Welt führte: Beim Gottesdienst für Aretha Franklin wird die Musikerin als überlebensgroße Figur gefeiert. Hier vermischen sich Soul, Glaube und das schwarze Herz von Detroit.

(dpa) - All der Respekt, all die Liebe sind bis weit auf die Straße vor der Kirche zu sehen. Mehr als 100 Fahrer rosafarbener Cadillacs haben ihre Autos vor dem Greater Grace Temple in Detroit aufgereiht - eine von so vielen Gesten in Gedenken an die verstorbene Aretha Franklin, die davon sang, in dem pinken Wagen auf dem „Freeway of Love“ zu fahren. Tausende strömen zum Gottesdienst in den gewaltigen Saal. Sie nehmen Abschied von einer Sängerin, die in der einstigen Autometropole als Königin gefeiert wird.


19.05.2016, USA, Durham: Aretha Franklin, US-amerikanische Soul-Sängerin, Songwriterin und Pianistin, steht nach ihrem Konzert auf der Bühne. (zu dpa "Promis in Gedanken bei kranker Aretha Franklin" vom 14.08.2018) Foto: Andy Martin Jr./ZUMA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
"Queen of Soul" Aretha Franklin ist tot
Die US-amerikanische Soul-Diva ("Respect", Think!") erlag im Alter von 76 Jahren einem Krebsleiden. Bereits seit Anfang der Woche hatte sich ihr Zustand verschlechtert.

„Dies wird ein langer Gottesdienst“, sagt Pfarrer Charles Ellis voraus. Es ist tatsächlich ein sattes Programm, das in den zunächst angesetzten fünf Stunden kaum zu schaffen ist: Auftritte von Stevie Wonder, Ariana Grande, Faith Hill, Chaka Khan und 15 weiteren Künstlern und Gruppen. Dazu Reden vom früheren Präsidenten Bill Clinton, Ex-Justizminister Eric Holder, Bürgerrechtler Jesse Jackson und Pfarrer Al Sharpton sowie Familienangehörigen, Freunden und Weggefährten Franklins. TV-Sender übertragen live, ein Radiosender hat sich für ein einwöchiges Sonderprogramm umbenannt in den „Aretha Franklin Tribute Channel“.

Als „unsere königliche Hoheit“, „unsere Königin“, „eine wahre Königin“ wird sie in Reden bezeichnet. Für diese letzte Trauerfeier haben die Bestatter ihr ein goldfarben glitzerndes Pailletten-Kleid angelegt, dazu goldfarbene Schuhe von Designer Christian Louboutin. Es ist ihr inzwischen drittes Outfit in den fünf Tagen, in denen Detroit von der Musikerin Abschied nimmt. „Sie hat einen guten Kampf gekämpft. Nun ist es Zeit, die Königin zu krönen“, sagt Sharpton. Sänger Smokey Robinson, der sie schon als kleiner Junge singen hörte, ist sicher: „Im Engelschor wirst Du eine führende Stimme sein.“

Überlebensgroße Figur in Musik und Gesellschaft

Franklin bleibt bei diesem Gottesdienst als überlebensgroße Figur in Erinnerung, die nicht nur Soulmusik prägte, sondern auch den Kampf der Frauen- und Bürgerrechtsbewegung vorantrieb. „Durch ihre eigene Stimme hob sie die von Millionen empor“, fasst der frühere Präsident Barack Obama zusammen, von dem ein Brief vorgelesen wird. Franklins Gesang führte sie um die Welt, doch ihre Wurzeln in der Kirche und im schwarzen Detroit, wo sie schon als kleines Mädchen in der Gemeinde ihres Vaters sang, gab sie nie auf.


Hunderte Fans verabschieden sich von Aretha Franklin
Lange Schlangen bildeten sich vor dem Charles Wright Museum in Detroit. Franklins Leiche war in einem goldenen Sarg aufgebahrt.

Auch dort, in der New Bethel Baptist Church, hatten die Menschen am Donnerstag Schlange gestanden, um die Ikone ein letztes Mal zu sehen. Es scheint, als atme die einstige Autostadt Aretha dieser Tage nahezu: Ein Park soll nach ihr benannt werden, vergangenen Sommer wurde bereits eine Straße „Aretha Franklin Way“ getauft. „Ich will sie jedes Mal sehen, wenn ich herkomme“, hatte sie seinerzeit gesagt. „Ich will sie entlangtanzen.“

Nicht nur Familienangehörige Franklins wischen sich in diesen Stunden Tränen aus dem Gesicht. Aber an passender Stelle gelingt es Pfarrer Ellis, die Trauernden im Saal - rund 4000 Menschen haben hier Platz - zum Tanzen zu bewegen. „Wir sind hier, um diese Familie emporzuheben“, sagt er, als Band und Chor kraftvollen Gospel aufleben lassen. „Wir sind hier, um auf diese Gesichter inmitten des Todes ein Lächeln zu setzen.“