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Abendmahlkelche: Reine Kreide statt Gold und Silber
Panorama 2 Min. 21.08.2017

Abendmahlkelche: Reine Kreide statt Gold und Silber

Die Steingefäße wurden in der
ganzen Region
Galiläa vermarktet.

Abendmahlkelche: Reine Kreide statt Gold und Silber

Die Steingefäße wurden in der
ganzen Region
Galiläa vermarktet.
Foto: Ulrich Sahm
Panorama 2 Min. 21.08.2017

Abendmahlkelche: Reine Kreide statt Gold und Silber

In der Region Galiläa wurde eine 2 000 Jahre alte Produktionsstätte für „Abendmahlkelche“ gefunden. Die seltene Werkstatt aus der Römerzeit wird zur Zeit ausgegraben.

(us) - Jeder kennt die goldenen oder silbernen Abendmahlkelche in der Kirche. Doch Jesus hat bei seinem „Letzten Abendmahl“ mit Gewissheit keinen solchen kostbaren Kelch verwendet, sondern eher einen ziemlich hässlichen, aus Kreidestein gehauenen Humpen.

Eine seltene Werkstatt zur Herstellung solcher Kreidegefäße aus der Römerzeit wird derzeit bei Reina in Lower Galilee ausgegraben. Archäologen entdeckten eine kleine Höhle mit Tausenden von Kreidekernen und anderen Produktionsabfällen, darunter Fragmenten von Steinbechern und Schüsseln in verschiedenen Stadien der Herstellung.

Die antike Stätte wurde bei Bauarbeiten in einem Sportzentrum in der Gemeinde Reina aufgedeckt. Dies ist die vierte Werkstatt ihrer Art, die jemals in Israel gefunden worden ist. Weitere Werkstätten wurden im Jerusalemer Gebiet entdeckt.

Dr. Yonatan Adler, Dozent an der Ariel University und Direktor der Ausgrabungen im Auftrag der Antikenbehörde, erklärte: „In den alten Zeiten wurden Geschirr, Töpfe und Krüge zur Aufbewahrung von Speisen meist aus Töpferwaren gemacht. Im ersten Jahrhundert benutzten Juden in Judäa und Galiläa auch Geschirr und Lagergefäße aus weichem Kreidestein.“

Jüdisches Reinheitsgebot

Die merkwürdige Materialwahl hatte religiöse Gründe: „Nach dem alten jüdischen Ritualgesetz sind die Gefäße aus Töpferwaren leicht unrein und müssen zerbrochen werden. Stein dagegen war ein Material, das niemals rituell unrein werden konnte. Deshalb begannen die Juden, einen Teil ihres alltäglichen Tafelgeschirrs aus Stein herzustellen“, so der Experte und meint weiter: „Obwohl Kreidegefäße an vielen jüdischen Stätten im ganzen Land gefunden wurden, ist es ungewöhnlich, einen Ort zu entdecken, in dem solche Gefäße tatsächlich produziert wurden. Unsere Ausgrabungen unterstreichen die zentrale Rolle der rituellen Reinheitsbeobachtung nicht nur in Jerusalem, sondern auch im fernen Galiläa.“

Die Tatsache, dass Juden damals Steingefäße aus religiösen Gründen verwendet haben, ist auch im Neuen Testament bezeugt. Das Phänomen wird in der Geschichte der Hochzeit zu Kana im Johannesevangelium erwähnt, wo Jesus Wasser in sechs „steinernen Krügen, gemäß der jüdischen Reinheitsgesetze“ in Wein verwandelt hatte. Jeder Behälter fasste zwischen 80 und 120 Liter.

Der Fundort der Werkstatt in Reina liegt nicht weit vom modernen Dorf Kafr Kana entfernt, das mit dem biblischen Dorf Kana identisch sein soll. Bei den Ausgrabungen wird eine künstlich gehauene Höhle erforscht, aus der die Arbeiter den Rohstoff für die Gefäße abbauten. Meißelzeichen bedecken die Wände, die Decke und den Boden. Hunderte von unfertigen Gefäßen lagen verstreut herum. Sie wurden wohl während des Produktionsprozesses beschädigt und weggeworfen. us 


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