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75 Jahre vermisst: Der letzte Weg der Dumoulins
Panorama 2 Min. 18.07.2017 Aus unserem online-Archiv

75 Jahre vermisst: Der letzte Weg der Dumoulins

Die Identität der beiden Leichen ist noch nicht geklärt. Vieles spricht dafür, dass es sich um ein seit August 1942 verschwundenes Ehepaar handelt.

75 Jahre vermisst: Der letzte Weg der Dumoulins

Die Identität der beiden Leichen ist noch nicht geklärt. Vieles spricht dafür, dass es sich um ein seit August 1942 verschwundenes Ehepaar handelt.
Foto: AFP
Panorama 2 Min. 18.07.2017 Aus unserem online-Archiv

75 Jahre vermisst: Der letzte Weg der Dumoulins

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Das "ewige Eis" ist nicht mehr ganz so ewig: Ein Schweizer Gletscher, der durch den Klimawandel immer kleiner wird, hat zwei Leichen ausgespuckt. Es handelt sich vermutlich um ein seit 1942 vermisstes Ehepaar - vielleicht sind die Toten aber auch älter.

(AFP/tom) - 75 Jahre nachdem eine Frau und ihr Mann in den Schweizer Alpen als vermisst gemeldet wurden, sind - wahrscheinlich - ihre Leichen im  Tsanfleuron-Gletscher im Diablerets-Massiv aufgetaucht. Die beiden unter dem Eis vollständig konservierten Körper lagen dicht nebeneinander. Ein Angestellter einer Skistation hatte sie gefunden, zusammen mit Rucksäcken, einer Flasche, einem Buch und einer Uhr. Der Mann, der mit einem Pistenbully unterwegs war, hatte die beiden Körper zunächst für Steine gehalten. 

Der Fundort liegt auf einer Höhe von 2600 Metern im südlichen Teil der Schweiz. "Der Mann und die Frau trugen Kleider aus dem zweiten Weltkrieg", berichtete der Leiter der Skistation Glacier 3000, Bernard Tschannen der Zeitung "Le Matin". Die beiden seien wahrscheinlich in eine Gletscherspalte gefallen, so Tschannen weiter. "Das Eis hat sie in einem nahezu perfekten Zustand konserviert, die Gegenstände, die sie bei sich trugen, waren intakt." 

Das Ehepaar hinterließ sieben Kinder

Jetzt soll eine DNA-Analyse die Identität der beiden Toten endgültig klären. Marceline Udry-Dumoulin ist allerdings auch ohne endgültigen Beweis der festen Überzeugung, dass es sich um die sterblichen Überreste ihrer Eltern handelt, die am 15. August 1942 nicht mehr aus dem Berg zurückkamen. Marcelin Dumoulin, ein Schuhmacher, war damals 40 Jahre alt, seine Frau Francine, eine Lehrerin, 37. Sie waren aus ihrem Dorf Chandolin im Wallis in die Berge aufgebrochen, um ihr Vieh zu füttern.


Nach über zwei Monaten intensiver Suche wurde schweren Herzens beschlossen, die sieben Kinder des Ehepaars  - fünf Jungen und zwei Mädchen - in Pflegefamilien zu geben. 

"Wir haben unser ganzes Leben damit zugebracht, sie zu suchen, ohne Pause", sagte die damals vierjährige Marceline Udry-Dumoulin dem "Matin". Sie und ihre Geschwister hätten "nicht mehr daran geglaubt, sie beerdigen zu können."

Vielleicht sind die Leichen älter

Anderen Schweizer Medienberichten zufolge könnte es sich aber auch um zwei Mitglieder einer Seilschaft handeln, die 1926 in der Gegend abgestürzt war. 

Der Fundort liege auf einer Strecke, die vor allem nach dem Ersten Weltkrieg als Verbindung zwischen dem Wallis und Bern benutzt wurde, so der Schweizer Rundfunk SRF. Die Aufschrift auf der Weinflasche deute darauf hin, dass die beiden aus Richtung Wallis kamen.   

Die sterblichen Überreste werden nun im Institut für Rechtsmedizin in Lausanne untersucht.    

Grund für die Entdeckung war der Klimawandel: Der Tsanfleuron-Gletscher zieht sich aufgrund der globalen Erwärmung zurück und hatte so die Leichen freigegeben. Es könnte in Zukunft also noch häufiger zu solchen Funden kommen. Das bekannteste Beispiel ist die Mumie "Ötzi", die 1991 im österreichisch-italienischen Ötztal gefunden wurde, wo sie 5000 Jahre unter dem Gletscher zugebracht hatte. 


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