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65. Thronjubiläum ohne Feierlichkeiten
Panorama 4 Min. 06.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Queen Elizabeth II.

65. Thronjubiläum ohne Feierlichkeiten

Königin Elizabeth II. während der letztjährigen Thronrede im Londoner Parlament.
Queen Elizabeth II.

65. Thronjubiläum ohne Feierlichkeiten

Königin Elizabeth II. während der letztjährigen Thronrede im Londoner Parlament.
Foto: AFP
Panorama 4 Min. 06.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Queen Elizabeth II.

65. Thronjubiläum ohne Feierlichkeiten

Nicole WERKMEISTER
Nicole WERKMEISTER
Queen Elizabeth II. bricht Rekorde. Am heutigen Montag jährt sich die Regentschaft der britischen Monarchin zum 65. Mal. Doch das „Blue-Sapphire“-Jubiläum ist für die Königin kein Anlass zum Feiern.

(NW/dpa) -  "Mein ganzes Leben, sollte es kurz oder lang werden“, versprach die spätere Königin Elizabeth II. an ihrem 21. Geburtstag, wolle sie ihren Untertanen widmen. Jetzt ist die britische Königin bereits 65 Jahre auf dem Thron – und damit derzeit die am längsten amtierende Monarchin. Sie erreicht darüber hinaus auch als erste britische Königin das „Blue-Sapphire“-Jubiläum, das in Großbritannien mit 65-jähriger Regentschaft gefeiert wird. Zum Feiern ist der Königin – wie schon in den Jahren zuvor – jedoch nicht zumute. Denn mit dem heutigen Jubiläum jährt sich auch der Todestag ihres Vaters. Dickie Arbiter, ehemaliger Pressesprecher der Königin, erklärt dazu: „Die Königin hat schon immer klar formuliert, dass ihre lange Regentschaft auch ein Resultat des frühen Todes ihres Vaters – und damit kein Anlass zum Feiern – ist.“

Ein schweres Erbe

Die Queen wird den Tag wahrscheinlich auf dem Landsitz Sandringham verbringen“, heißt es aus dem Buckingham Palace. So pflegt sie diesen Tag meist gemeinsam mit ihrem Mann, Prinz Philip (95), zu begehen. Nicht zuletzt, weil Sandringham auch in enger Beziehung zu Elizabeths Vater, König George VI. steht – dort 
verstarb er im Schlaf an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung. In der Kirche von Sandringham, St. Mary Magdalene, die die Queen am Vorabend des Krönungstages zu besuchen pflegt, hatte man den Sarg des verstorbenen Königs zwei Tage lang aufgebahrt, bevor man ihn schließlich zu seiner letzten Ruhestätte in London überführte.

Staatsbesuch in Luxemburg im November 1976 (v.l.n.r.): Großherzog Henri (ab dem 7. Oktober 2000), Großherzogin Joséphine-Charlotte (12.11.1964 bis 7.10.2000), Prinz Philip von Großbritannien, Königin Elizabeth II. von Großbritannien und Nordirland, Großherzog Jean (12.11.1964 bis 7.10.2000), Prinzessin Marie-Astrid, Prinz Jean.
Staatsbesuch in Luxemburg im November 1976 (v.l.n.r.): Großherzog Henri (ab dem 7. Oktober 2000), Großherzogin Joséphine-Charlotte (12.11.1964 bis 7.10.2000), Prinz Philip von Großbritannien, Königin Elizabeth II. von Großbritannien und Nordirland, Großherzog Jean (12.11.1964 bis 7.10.2000), Prinzessin Marie-Astrid, Prinz Jean.
Foto: Marcel Tockert / LW-Archiv

Schicksal auf Reisen

Augenzwinkernd wird gesagt, Elizabeth habe als Prinzessin einen Baum bestiegen und sei als Königin heruntergekommen. Denn die Nachricht vom Tod ihres 56-jährigen Vaters erreichte sie und Prinz Philip 1952 auf einer Kenia-Reise, wo beide im Luxus-Baumhaushotel „Treetop-Lodge“ des Aberdare-Nationalparks übernachtet hatten. Während das Paar am Morgen zu einer Safari aufbrach, trauerte ganz England bereits um seinen verstorbenen König. Die schlechte Nachricht erhielt dann zunächst Prinz Philip, der sie seiner jungen Frau überbringen musste. Das private Leben, das beide gerne noch etwas genossen hätten, war auf einen Schlag vorbei. Tapfer und gefasst kehrte Elizabeth als Königin nach London zurück – damals war sie 25 Jahre jung. Die Krönungszeremonie fand – nach einem Trauerjahr – 1953 in Westminster Abbey statt.

Respekt geht vor

In London gibt es zu Ehren der Queen auch am heutigen Tag Salutschüsse. Auch Münzen wurden zum 65. Thronjubiläum aufgelegt. Das war es dann aber fast schon. Typisch für die Queen: kein großes Tamtam, Respekt anderen gegenüber, Beständigkeit. Einige Tage nach dem Jubiläum wird die Queen in die Hauptstadt zurückkehren. Ihren nächsten öffentlichen Auftritt erwartet sie am Valentinstag, an dem sie und Prinz Philip das neue „National Cyber Security Centre“ in London eröffnen werden.

Königin Elizabeth II. trägt das Saphir-Diadem, das sie 1947 als Hochzeitsgeschenk von ihrem Vater, König George VI., erhielt.
Königin Elizabeth II. trägt das Saphir-Diadem, das sie 1947 als Hochzeitsgeschenk von ihrem Vater, König George VI., erhielt.
Foto: AFP

Der blaue Saphir

Geschenke erwartet die Queen anlässlich ihres Jubiläums keine – auch keinen blauen Saphir. Denn den besitzt sie bereits: Zu ihrer Hochzeit mit dem Duke of Edinburgh, Prinz Philip, 1947 erhielt Elizabeth – vermutlich von ihrem Vater – ein Diadem und Ohrringe mit blauen Saphiren, die als „George VI. Victorian Suite“ bekannt sind. Der Schmuck gefiel ihr so gut, dass sie 1963 eine dazu passende Tiara und ein Armband in Auftrag gab, die 
sie erst im vergangenen Dezember zu feierlichen diplomatischen Empfängen im Buckingham Palace trug.

Ikone der Beständigkeit

Die Briten lieben ihre Königin. Denn sie führt das Land seit Jahrzehnten wie ein Fels in der Brandung durch alle Höhen und Tiefen und bewahrt dabei stets die Haltung. Aus politischen Angelegenheiten hält sich Elizabeth II., die auch Staatsoberhaupt von Kanada, Australien und vielen anderen Ländern ist, stets heraus. Auch zum geplanten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union äußerte sich die Queen bisher ebenfalls nicht öffentlich. In ihrem Leben ist alles der Pflicht untergeordnet, wobei ihr Prinz Philip Kraft gibt: „Ich bin ihm mehr schuldig, als er jemals zugeben würde“, ließ sie einmal wissen. In den schneidigen griechischen Prinzen aus dänisch-deutschem Adel hatte sich Elizabeth schon als 13-Jährige verliebt. Auch Philip, bekannt für seinen speziellen Humor, schwärmt von seiner Ehe: „Die Queen verfügt über Toleranz im Überfluss.“ Angeblich nennt er sie zärtlich „cabbage“ (Kohlkopf) und „sausage“ (Würstchen). Vier Kinder hat das Paar: Charles, Anne, Andrew und Edward. Seine Königin schätzt das britische Volk auch für ihren Humor und ihren Wortwitz: So betrat sie auf dem Weg zu ihrem schottischen Feriensitz Schloss Balmoral einen kleinen Laden am Straßenrand, und eine Verkäuferin sagte völlig verblüfft zu ihr: „Sie sehen der Königin außerordentlich ähnlich.“ Elizabeth erwiderte: „Oh, wie beruhigend!“

Das nächste Jubiläum

Vergangenes Jahr feierte die rüstige Queen ihren 90. Geburtstag mit einer opulenten Pferdeshow in Windsor und einer musikalischen Gala. Pferde sind – neben Hunden – ihre große Leidenschaft. Seit ihrem vierten Lebensjahr reitet sie – und das auch noch als Uroma. Umso mehr sorgten sich die Briten, als die 90-Jährige vor einigen Wochen schwer erkältet war und nicht an den traditionellen Gottesdiensten zu Weihnachten und Neujahr teilnehmen konnte – das erste Mal seit etwa 30 Jahren. Inzwischen zeigte sie sich wieder gut erholt und winkend in der Öffentlichkeit. Etwas kürzer treten will die Königin aber schon und hat zum Jahreswechsel einige Ehrenämter abgegeben – von mehreren hundert. An erster Stelle der Thronfolge steht noch immer der inzwischen 68-jährige Prinz Charles. Solange sie kann, wird die Queen ihr Amt wohl tapfer weiterführen. Sie und Prinz Philip sehen bereits dem nächsten, durchaus freudigen Jubiläum entgegen: Im November feiern beide nach 70 Jahren Ehe ihre Platin-Hochzeit.










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