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50 Jahre im Sinne der Grundrechte
Panorama 3 Min. 30.10.2019

50 Jahre im Sinne der Grundrechte

Die Partnerorganisation AWARD beispielsweise kämpft für die Landrechte der Adivasi in Indien.

50 Jahre im Sinne der Grundrechte

Die Partnerorganisation AWARD beispielsweise kämpft für die Landrechte der Adivasi in Indien.
Foto: ASTM
Panorama 3 Min. 30.10.2019

50 Jahre im Sinne der Grundrechte

Eric HAMUS
Eric HAMUS
Die „Action Solidarité Tiers Monde“ setzt seit ihrer Gründung auf die Stärkung der Lokalbevölkerungen.

Ob Fairtrade, Klimabündnis oder „Cercle des ONG“ – Beim Blick in die Vergangenheit dieser Initiativen stößt man zwangsläufig immer wieder auf einen gemeinsamen Nenner: die „Action Solidarité Tiers Monde“. Als eine der ersten Entwicklungsorganisationen in Luxemburg hat die ASTM Pionierarbeit auf dem Gebiet der Kooperation geleistet – und die genannten Initiativen mit begründet. Die 1969 unter dem Namen „Action Formation de Cadre“ gegründete Vereinigung feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. 

In Burkina Faso eine Partnerorganisation eine neue Produktionsstätte  für die Produktion von Maniok eingeweiht. Das Projekt soll die wirtschaftliche Unabhängigkeit von 150 Frauen in den Dörfern von Kyon stärken.
In Burkina Faso eine Partnerorganisation eine neue Produktionsstätte für die Produktion von Maniok eingeweiht. Das Projekt soll die wirtschaftliche Unabhängigkeit von 150 Frauen in den Dörfern von Kyon stärken.
Foto: ASTM

Die Grundphilosophie der ASTM blieb immer die gleiche: „Entwicklung ist kein Geschenk, sondern ein Recht“, betont Richard Graf, einer der Vorsitzenden. In vielen Partnerländern seien die Regierungen nicht mehr imstande, die Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen, ergänzt Monique Langevin. Die Co-Präsidentin des Verwaltungsrats konnte auf ihren Reisen immer wieder feststellen, dass viele Behörden die Rechte der Menschen vor Ort sogar regelrecht beschneiden. „Daher unsere strategische Wahl, die benachteiligten Bevölkerungen darin zu stärken, ihre Rechte in Anspruch zu nehmen“, so Langevin.

Spielball der Politik

Heute unterstützt die ASTM mehr als 30 Projekte in zwölf Ländern. Doch der Weg dahin war mitunter holprig. Mehr als einmal wurde die Vereinigung zum Spielball politischer Begebenheiten. Oft waren es gesellschaftliche Einschränkungen und soziokulturelle Rahmenbedingungen, die die Weiterentwicklung beeinflussten. So wäre die Zeitschrift Brennpunkt nie entstanden, hätten sich die herkömmlichen Medien in den 1970er-Jahren mehr mit entwicklungspolitischen Themen befasst. Auch mussten die Hilfsorganisationen in den ersten Jahrzehnten auf Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft hoffen, da vom Luxemburger Staat in dieser Hinsicht nicht viel zu erwarten war.

„Luxemburg hat erst im neuen Jahrtausend angefangen, seine Rolle als entwicklungspolitischer Akteur aggressiver auszubauen“, betont Richard Graf.

Überhaupt seien die 1990er-Jahre ein schwieriges Jahrzehnt gewesen für die Entwicklungspolitik. Laut Richard Graf hat sich in diesen Jahren ein gewisses Sättigungsgefühl eingestellt. „Wir brauchen euch nicht mehr“, hieß es damals. Zu allem Überfluss habe sich auch noch die Europäische Union langsam aus der Entwicklungshilfe zurückgezogen.

Vermittlung von Kompetenzen

Die ASTM kann derzeit auf viele stabile Partnerschaften mit Organisationen auf drei Kontinenten bauen. In Afrika beliefen sich die Ausgaben letztes Jahr auf 813 000 Euro, in Asien und im Mittleren Osten wurden 1,305 Millionen Euro in Projekte investiert, in Lateinamerika 1,8 Millionen Euro. Während ein absoluter Großteil der Projekte die Vermittlung von Kompetenzen in den Mittelpunkt stellt, werden in Afrika aber auch landwirtschaftliche Faktoren berücksichtigt, die es der Bevölkerung erlauben, die eigene Ernährung zu sichern. Die Verstärkung der Rolle der Frauen und ein nachhaltigerer Umgang mit den Ressourcen stehen ebenfalls im Mittelpunkt.

In den ländlichen Bezirken von Cuscatlan und Cabanos, östlich der Hauptstadt San Salvadore, unterstützt die Partnerorganisation COLLECTIVA FEMINISTA junge und heranwachsende Frauen, die verschiedenen Formen von Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung ausgesetzt sind.
In den ländlichen Bezirken von Cuscatlan und Cabanos, östlich der Hauptstadt San Salvadore, unterstützt die Partnerorganisation COLLECTIVA FEMINISTA junge und heranwachsende Frauen, die verschiedenen Formen von Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung ausgesetzt sind.
Foto: ASTM

„Ohne Wahrung der Grundrechte ist Entwicklung aber unmöglich“, betont Monique Langevin. Allerdings habe die Herangehensweise der ASTM positive Auswirkungen für die betroffenen Bevölkerungen gehabt, wie ein Audit des Kooperationsministeriums jüngst ergeben habe. Dort, wo die Partner präsent seien, habe man Fortschritte festgestellt, was die Wahrung der Grundrechte angeht, die Prävention von Gewalt und die Verbesserung der Lebensumstände.


Lehrreiche Zeit in Kathmandu
Schulabsolventin Lisa Rock aus Übersyren war fünf Monate lang als freiwillige Helferin in Nepal aktiv.

Zivilgesellschaft in Bedrängnis

Was aber nicht bedeutet, dass keine weiteren Herausforderungen auf die ASTM zukommen. „Leider mussten wir feststellen, dass die Zivilgesellschaft weltweit immer mehr in Bedrängnis gerät“, betont Graf. Einschränkungen werden in vielen Teilen der Erde immer größer. „Immer mehr Partner haben Schwierigkeiten, sich öffentlich zu äußern.“ Auf den Philippinen seien in den letzten drei Jahren 158 Mitglieder der lokalen Partnerorganisationen umgebracht worden, darunter der Gründer und Direktor einer Vereinigung. „Da wussten wir: Wir müssen jetzt aufpassen. Doch ist das kein Grund aufzuhören, sondern zu schauen, wie man die Partner künftig besser schützen kann.“

2020 wird ein neues Rahmenabkommen mit dem Kooperationsministerium eingeläutet. In dieser Hinsicht hat die ASTM bereits ihre Projekte für die nächsten vier Jahre festgelegt. Ein Programm der Kontinuität, wie Monique Langevin betont. Allerdings will die ASTM sich künftig noch verstärkt um Projekte kümmern, die Bauern, Frauen und indigene Bevölkerungen in den Mittelpunkt stellen. „Es sind diese Zielgruppen, die die Auswirkungen der sozioökonomischen Krise am meisten spüren“, so Langevin. 


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