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50 Jahre „Aktenzeichen XY ... ungelöst“: Festnahme auf der Kegelbahn
Panorama 1 2 Min. 19.10.2017

50 Jahre „Aktenzeichen XY ... ungelöst“: Festnahme auf der Kegelbahn

Eduard Zimmermann war nicht nur der Erfinder der Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“, sondern auch 30 Jahre lang Moderator. Er setzte sich 1997 zur Ruhe und verstarb 2009 im Alter von 80 Jahren.

50 Jahre „Aktenzeichen XY ... ungelöst“: Festnahme auf der Kegelbahn

Eduard Zimmermann war nicht nur der Erfinder der Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“, sondern auch 30 Jahre lang Moderator. Er setzte sich 1997 zur Ruhe und verstarb 2009 im Alter von 80 Jahren.
Foto: ZDF / Renate Schäfer
Panorama 1 2 Min. 19.10.2017

50 Jahre „Aktenzeichen XY ... ungelöst“: Festnahme auf der Kegelbahn

Die legendäre Sendung blickt auf erfolgreiche fünf Jahrzehnte zurück – trotz großer Kritik von allen Seiten. Die Zahl der aufgeklärten Fälle kann sich sehen lassen.

von Martin Weber

Der erste Täter wurde keine 15 Minuten nach der Premiere der neuen Sendung gefasst: Der Hinweis eines Zuschauers führte die Polizei auf die Spur eines Betrügers, der beim gemütlichen Kegeln in Bad Neuenahr festgenommen werden konnte.

Es war der erste Erfolg für die Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“, die am 20. Oktober 1967 zum ersten Mal über die Bildschirme flimmerte. Und es sollte nicht der einzige bleiben: Von den 4 586 Fällen, die Moderator Eduard Zimmermann und seine Nachfolger im Lauf von 50 Jahren in der ZDF-Sendung vorstellten, konnten 1 853 aufgeklärt werden, was einer Quote von gut 40 Prozent entspricht. Kein Wunder, dass der deutsche Bundesinnenminister Thomas de Maizière das Format zum 50-jährigen Bestehen am morgigen Freitag voller Hochachtung als „überaus erfolgreiches Fahndungsinstrument für die deutschen Strafverfolgungsbehörden“ bezeichnet.

Zürich und Wien arbeiten mit

Der Erfolg der Verbrecherjagd im TV, die seit 15 Jahren von Rudi Cerne moderiert wird und immer noch regelmäßig um die fünf Millionen Zuschauer anlockt, ist untrennbar mit dem Namen Eduard Zimmermann verbunden: Der bis 1997 amtierende Moderator mit der markanten Brille machte aus dem auf realen Fällen basierenden Krimiformat eine Kultsendung, die aus dem Fernsehen nicht mehr wegzudenken ist und lange Zeit nicht nur mit deutschen, sondern auch mit Fahndern in der Schweiz und Österreich eng zusammenarbeitete.

Auch Fälle, die die Luxemburger Polizei beschäftigten, wurden vom ZDF behandelt, wie etwa die Suche nach der aus Ettelbrück stammenden Nancy Wolff oder nach dem Deutschen Walter Klein, dessen Wagen in Clerf aufgefunden wurde.

Schon kurz nach Ende der sechsten Sendung konnte dann ein Mörder dingfest gemacht werden. Es war der erste von vielen, und manchmal half „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ auch bei der Lösung spektakulärer Fälle, die ganz Deutschland in Atem gehalten hatten. So wurde etwa 2011 nach dem Hinweis eines Mitwissers der Mörder von Lolita Brieger gefasst, die 29 Jahre zuvor in Dahlem in der Eifel spurlos verschwunden war. „Gerade bei Altfällen, den sogenannten ‚cold cases‘, bringt ‚XY‘ oft nach Jahrzehnten den Durchbruch“, sagt der heutige Moderator Rudi Cerne stolz.

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Ein Volk von Hilfspolizisten

In den vergangenen fünf Jahrzehnten war „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ so manchem Kritiker aus Politik und Medien aber auch ein Dorn im Auge. Moniert wurde, dass es rechtsstaatlich bedenklich sei, wenn sich das Fernsehen der Strafverfolgung annehme und damit ein ganzes Volk zu Hilfspolizisten mache, noch in den späten Achtzigerjahren war von „Menschenjagd in öffentlich-rechtlichen Medien“ die Rede. Zudem wurde immer wieder beanstandet, dass das ZDF mit der Sendung reale Verbrechen zu Unterhaltungszwecken instrumentalisiere.

„Dazu kann ich nur sagen, dass mit unserer Hilfe schon viele Morde und andere Verbrechen aufgeklärt worden sind. Wir wollen die Öffentlichkeit zur Mithilfe mobilisieren, und das geht nun mal nur, wenn wir die Emotionen der Zuschauer wecken“, erklärt Cerne.

An der Mischung aus Fahndungsaufrufen und Filmbeiträgen, in denen Schauspieler reale Verbrechen nachstellen, hat sich in 50 Jahren nichts Grundsätzliches geändert. Während heutzutage häufig Schauspieler aus ZDF-Krimiserien und -reihen zum Einsatz kommen, wurden die Rollen früher fast durchweg mit völlig unbekannten Namen besetzt. Doch nicht alle blieben ein unbeschriebenes Blatt: In „Aktenzeichen XY“ verdienten sich einst Schauspieler wie Robert Atzorn oder Jürgen Busse ein Zubrot als Mörder, Einbrecher oder Betrugsopfer.


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