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50.000 Euro für Hitlers Zylinder
Panorama 5 3 Min. 21.11.2019 Aus unserem online-Archiv

50.000 Euro für Hitlers Zylinder

Hitler und kein Ende: In München wurden Nazi-Memorabilia versteigert. Das Bieter-Interesse war immens.

50.000 Euro für Hitlers Zylinder

Hitler und kein Ende: In München wurden Nazi-Memorabilia versteigert. Das Bieter-Interesse war immens.
Foto: AFP
Panorama 5 3 Min. 21.11.2019 Aus unserem online-Archiv

50.000 Euro für Hitlers Zylinder

Eine Auktion von Gegenständen aus der Nazi-Zeit sorgt schon im Vorfeld für Wirbel. Kritiker hätten die Versteigerung in Bayern gerne verboten. Der Veranstalter berichtet von einem umso größeren Andrang.

(dpa) - Hitlers Zylinder und Eva Brauns Cocktailkleid: Eine Auktion von Gegenständen aus dem Besitz von ranghohen Nationalsozialisten hat ein stärkeres Interesse geweckt als von den Organisatoren erwartet. Die Versteigerung von mehr als 800 Objekten, die eigentlich gegen 18.00 Uhr beendet sein sollte, dauerte am Mittwoch bis 22.15 Uhr. Am Donnerstagmorgen ging es ab 10.00 Uhr mit einer Online-Auktion weiter.


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Der Geschäftsführer von Hermann Historica in Grasbrunn, Bernhard Pacher, zeigte sich in der Nacht zum Donnerstag sehr zufrieden. Der Abend sei zwar lang gewesen, aber „außergewöhnlich gut“ verlaufen. Die Verkaufsquote liege bei 80 Prozent. „Eine normale Verkaufsquote liegt bei 40 bis 55 Prozent“, sagte Pacher. Vor allem die Ergebnisse der Spielzeug-Versteigerung seien „spektakulär“ gewesen.

Heftige Kritik

Die Auktion hatte schon im Vorfeld großes Aufsehen erregt und Kritik ausgelöst. „Mit einigen Dingen sollte man einfach keinen Handel treiben“, schrieb Rabbi Menachem Margolin von der European Jewish Association (eja) in Brüssel in einem Brief an das Auktionshaus. Der Verband der Juden Europas forderte darin die Absage der Versteigerung. Auch in den Medien hatte es eine Debatte gegeben.

Der Verfassungsschutz sollte solche Auktionen beobachten.

Antisemitismusbeauftragter Felix Klein

Der Antisemitismus-Beauftrage der deutschen Bundesregierung, Felix Klein, kritisierte die Versteigerung scharf. „Der Verfassungsschutz sollte solche Auktionen beobachten“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Geheimdienst müsse wissen, wer solche Gegenstände kaufe und wo sie hingingen, um die Bildung von Nazi-Wallfahrtsorten zu verhindern. Man könne derlei Versteigerungen zwar rechtlich nicht verbieten. „Aber sie sollten gesellschaftlich geächtet werden.“  

Mit einigen Dingen sollte man einfach keinen Handel treiben.

Rabbi Menachem Margolin

Pacher wehrte sich gegen die Vorwürfe. „Der mit Abstand größte Teil der Kunden, der bei uns einkauft, sind Museen, staatliche Sammlungen und private Sammler, die sich wirklich akribisch mit dem Thema auseinandersetzen“, sagte er. 

Wir wollen keine Kellernazis hervorlocken.

Auktionator Bernhard Pacher

 Auch am Abend der Versteigerung bekräftigte Pacher: „Wir wollen keine Kellernazis hervorlocken.“ Soweit er das beurteilen könne, habe dies auch geklappt. Dennoch sei der Andrang deutlich größer gewesen als erwartet. Mehr als 500 Interessenten hätten online mitgeboten - fünf Mal so viele wie sonst üblich. Im Saal mit Platz für 50 Menschen hätten Bieter stehen müssen.

Luxusausgabe von "Mein Kampf" für 130.000 Euro

Für die Einlieferer - private Sammler und Händler - sei das fantastisch, denn die erzielten Preise seien entsprechend höher, sagte Pacher. So zeigte sich der Auktionator überrascht, dass etwa eine Luxusausgabe von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ für 130.000 Euro den Besitzer gewechselt habe - doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt. Auch ein Cocktailkleid von Hitlers Gefährtin Eva Braun ging mit 4600 Euro fast doppelt so teuer weg wie erwartet. Hitlers Faltzylinder hingegen entsprach mit 50.000 Euro etwa den Erwartungen der Veranstalter. Spitzenreiter am frühen Abend war: ein Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes - eine Kriegsauszeichnung zum Umhängen; für 135.000 Euro.

Für die Käufer sei der Andrang allerdings von Nachteil. „Sie mussten sehr viel mehr bezahlen als sonst“, sagte Pacher. Die Publicity, die die Kritik im Vorfeld ausgelöst hatte, sei zwar toll fürs Geschäft, habe aber leider genau das bewirkt, was nicht passieren sollte: „Es sind Leute darauf aufmerksam geworden, die sonst nie darauf aufmerksam geworden wären.“


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Es ist nicht die erste Auktion dieser Art bei Hermann Historica. Das Münchner Auktionshaus ist seit mehreren Jahren wegen seiner Versteigerungen von Nazi-Gegenständen umstritten. 2016 etwa ging eine Uniformjacke von Hitler für 275.000 Euro an den Höchstbietenden.

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