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35. Jahre „Chaos Computer Clubs“: „Hacky Birthday CCC“
In der „Chaosstuff“ organisiert der C3L u. a. Filmabende, Hackathons und Buchklubs

35. Jahre „Chaos Computer Clubs“: „Hacky Birthday CCC“

Foto: Shutterstock
In der „Chaosstuff“ organisiert der C3L u. a. Filmabende, Hackathons und Buchklubs
Panorama 3 Min. 12.09.2016

35. Jahre „Chaos Computer Clubs“: „Hacky Birthday CCC“

Kevin WAMMER
Vor 35 Jahren war der Name noch Programm: Der „Chaos Computer Club“ war vor allem wegen seiner Hack-Angriffe gegen Firmen bekannt und stürzte dabei unter anderem eine Hamburger Bank ins Chaos. Heute setzt man sich aber verstärkt für netzpolitische Themen ein.

von Kevin Wammer

1981 sieht die Technikwelt noch ganz anders aus. Von Smartphones und Tablets vermag noch niemand zu reden. Das Internet wie wir es heute kennen, ist noch nicht erfunden. Man spricht noch vom sogenannten Arpanet. Die Gründer von Google sind gerade einmal acht Jahre alt, Facebooks Mark Zuckerberg noch nicht geboren. Apples aktuellster Computer ist der Apple II. Microsoft arbeitet, in enger Zusammenarbeit mit IBM, an dem Betriebssystem „MS-DOS“, das rein auf Kommandozeilen basiert.

Aber dennoch: Bereits damals gab es schon „Komputerfrieks”, wie sich die Hacker und Technikbegeisterten damals selber nannten. Und eben diese Frieks trafen sich heute vor genau 35 Jahren in den Redaktionsräumen der Tageszeitung „Taz“. Dieser Tag gilt seither als Geburtsstunde des „Chaos Computer Club“ (CCC).

Vom Hacker zum Experten

Bis der CCC jedoch erstmals in den Schlagzeilen stand, mussten drei Jahre vergehen. Denn 1984 machten die Hacker ihrem Namen alle Ehre. Einige Mitglieder des Clubs knackten die Systeme einer Hamburger Bank und bereicherten sich um 135.000 D-Mark, was zu der Zeit in etwa 2,7 Millionen Luxemburger Franken entsprach. Es folgten weitere Hack-Angriffe, beispielsweise gegen die NASA oder gegen die Telekom. Einige Hacker, die einen Unterclub des CCC gründeten, drangen außerdem in westliche Computer ein und verkauften die Daten an den sowjetischen Geheimdienst KGB.

1984 wurde die erste Konferenz abgehalten, die seitdem unter dem Namen „Chaos Communication Congress“ stattfindet. Seit 1986 ist der „Chaos Computer Club“ außerdem ein eingetragener Verein.

Heute sehen sich die Mitglieder des CCC aber vielmehr als IT-Sicherheitsexperten und weniger als böswillige Hacker. Sie haben sich auch zu ernst zu nehmenden Gesprächspartnern für die Politik entwickelt und äußern sich regelmäßig zu netzpolitischen Themen, für die sie sich seit je stark machen.

C3L

Insgesamt über 5.500 zahlende Mitglieder zählt der CCC mittlerweile. Der Sitz des Clubs ist in Hamburg, wo die beiden Gründerväter Wau Holland und Klaus Schleisiek damals lebten. Über die Jahre haben sich aber auch zahlreiche lokale Gruppen entwickelt. Diese werden entweder Chaostreffs oder „Erfa-Kreise“ (Erfahrungsaustauschkreise) genannt. Der CCC schaffte es sogar über die Grenzen Deutschlands. Es gibt Ableger des Clubs in der Schweiz, in Österreich und seit 2008 auch in Luxemburg.

„Der ,Chaos Computer Club Luxemburg’ (C3L) wurde von einigen Luxemburgern gegründet, die allesamt Informatik- und Gesellschaftsbegeistert waren“, erklärt Jan Guth, seinerseits Präsident des C3L und seit Anfang an dabei. „Wir haben uns im Internet kennen gelernt, uns getroffen und uns dazu entschieden den C3L zu gründen.“ Der luxemburgische Ableger verfolgt dabei die gleichen Ziele wie der Mutterverein in Hamburg: „Der C3L ist ein Organ für jeden, der an einer kreativen Lösung für ein Problem arbeitet. Gleichzeitig setzen wir uns für die Menschen- und Bürgerrechte ein, das vor allem auf netzpolitischer Ebene“, so der Präsident.

Mehr als nur „Frieks“

Doch wer nun denkt, dass die rund 35 Mitglieder des luxemburgischen Clubs sich nur treffen, um vor dem Computer zu sitzen, irrt sich. Denn der C3L ist viel mehr als nur ein Treffpunkt der „Komputerfrieks“: „Wir sind nicht nur Nerds, die den ganzen Tag vor dem Computer abhängen. In unserer „Chaosstuff“ wie wir unseren Vereinsraum nennen, organisieren wir unter anderem Veranstaltungen wie Filmabende, Hackathons oder Buchklubs, spielen Gesellschaftsspiele, kochen zusammen und verbringen gemeinsam schöne Abende“, erklärt Guth.

Die Mitglieder des C3L organisieren auch größere Ereignisse und nehmen an Events teil, die von anderen Chaos Computer Clubs organisiert werden. So erklärt Guth, dass sämtliche Clubs in enger Zusammenarbeit stehen und sich mindestens zweimal im Jahr treffen, das vor allem zum großen „Chaos Communication Congress“ in Hamburg. Jeder Ableger schicke mehrere Mitglieder, die ihren jeweiligen Verein repräsentieren.

In naher Zukunft finden auch vom C3L organisierte Veranstaltungen statt. So werde am 5. November die „Chaosstuff“ offiziell eingeweiht. Ende Dezember, wenn der 33. „Chaos Communication Congress“ stattfindet, können Interessierte, die es nicht nach Berlin schaffen, das Ereignis in den Hallen des C3L verfolgen. „Und wer will, darf jeden Montag ab 18 Uhr zu uns in die „Chaosstuff“. Wir haben meist bis 2 oder 3 Uhr morgens geöffnet.“ 


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