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150 Jahre Alpenverein
Panorama 3 Min. 23.04.2019

150 Jahre Alpenverein

Hier geht es bergauf: Der Alpenverein sorgt unter anderem für die Markierung von Aufstiegsrouten.

150 Jahre Alpenverein

Hier geht es bergauf: Der Alpenverein sorgt unter anderem für die Markierung von Aufstiegsrouten.
Foto: dpa
Panorama 3 Min. 23.04.2019

150 Jahre Alpenverein

Unwegsame Hänge, steile Felsen - wozu sich da hochquälen? Als der deutsche Alpenverein gegründet wurde, stand wissenschaftliches Interesse im Vordergrund der Bergbesteigung.

(dpa) - Der größte deutsche Sportverein hat bescheidene Wurzeln: 36 Bergbegeisterte fanden sich am 9. Mai 1869 zur Gründungsversammlung im Münchner Gasthaus „Zur Blauen Traube“ ein - um die „Durchforschung der gesamten deutschen Alpen“ und „die erleichterte Bereisung derselben“ voranzubringen. Heute hat der Deutsche Alpenverein (DAV) knapp 1,3 Millionen Mitglieder.

Auch in der Großregion ist der DAV aktiv: Die Sektion Trier hat rund 2800 Mitglieder aus der gesamten Region. Auch Luxemburger können hier Mitglied werden - selbst wenn sie nicht in Deutschland, sondern im Großherzogtum leben.

Bergsportverband für Jedermann

Vor 150 Jahren wollte die Gruppe um den Prager Kaufmann Johann Stüdl, den österreichischen Priester Franz Senn, den Buchhändler Theodor Trautwein und den Studenten Karl Hofmann vor allem die Ostalpen erschließen. Ziel sollte sein, „alle Verehrer der erhabenen Bergwelt zu vereinen“. Noch im selben Jahr wurden erste Sektionen gegründet, so in Leipzig und Frankfurt. Binnen weniger Wochen hatte der Verein an die tausend Mitglieder. Mit Spenden und Mitgliedsbeiträgen kam der Bau von Hütten und Wegen rasch voran.


ACHTUNG: SPERRFRIST 9. APRIL 14:00 UHR.  - HANDOUT - 26.09.2018, Schweiz, Gletsch: Der Rhonegletscher war in der letzten Eiszeit (vor ca. 20000 Jahren) der größte Gletscher der europäischen Alpen. Seitdem ist er zu einem typischen Talgletscher geschrumpft. Die weiße Fläche am unteren rechten Rand des Gletschers entspricht einer künstlichen Abdeckung mit Decken, um die Gletscherschmelze zu reduzieren. Foto: M. Huss/EGU/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung über die genannte Studie und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Alpengletscher könnten in 80 Jahren verschwunden sein
Es sind düstere Aussichten: Einer Prognose zufolge könnten die Gletscher in den Alpen in den nächsten Jahrzehnten nahezu vollkommen verschwinden. Ein Faktor spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Es war der Beginn einer Massenbewegung in Richtung Alpen. Heute ist der DAV weltgrößter Bergsportverband, die Mitgliederzahl steigt weiter. Wandern, Klettern, Skitourengehen und Mountainbiken boomen. Gut 30 Prozent der Mitglieder gehen in DAV-Hallen klettern, gut 20 000 Kursleiter bieten in 356 Sektionen jährlich rund 165 000 Kurse, Touren und andere Veranstaltungen an. Präsent ist der Verein flächendeckend weit über Bayerns Grenzen und die Alpen hinaus - nördlichste Sektion ist Flensburg.

Viele Mitglieder schätzen den Service und die Vergünstigungen auf den Alpenvereinshütten quer durch die Alpen. Und der DAV übernimmt für Mitglieder weltweit die Rettungskosten, wenn beim Bergsport etwas passiert. Auch der Profisport prägt den Verband. Er setzte sich für Klettern und Skitourengehen als Olympische Disziplin ein. Beim Klettern wird es nun in Tokio 2020 erstmals olympische Medaillen geben.

Als Naturschutz- und Sportverband hat der DAV immer wieder Interessenskonflikte zu überbrücken: Erschließen für den Sport - oder schützen für die Umwelt? Neue Skilifte und Schneekanonen lehnt der DAV ab. Um neue Klettersteige gab es hingegen immer wieder Debatten. Inzwischen baut der DAV so gut wie keine neuen mehr. Auch neue oder größere Hütten wird es trotz des steigenden Andrangs nicht geben. Für Präsident Josef Klenner ist klar: „Wir müssen sorgsamer mit den Alpen umgehen. Der Klimawandel zeigt sich nirgends so wie im Alpenraum.“

Der Spagat zwischen Erschließung und Umweltschutz begleitet den Verein seit gut hundert Jahren. In der Weimarer Republik nahm der Verband den Naturschutz in seine Satzung auf und setzte sich für den Erhalt unberührter Gebirgslandschaften ein.

Von Forscherdrang bis Erholung

Die Ursprünge des modernen Alpinismus liegen im 18. Jahrhundert. Vor allem Forschergeist trieb damals die Menschen auf die Berge. Aus naturwissenschaftlichem Interesse lobte um 1760 der Genfer Naturforscher Horace Bénédict de Saussure eine Belohnung für die Erstbesteigung des Mont Blanc aus, die 26 Jahre später gelang.

Wanderer gehen zur Bad Kissinger Hütte des Deutschen Alpenvereins (DAV).
Wanderer gehen zur Bad Kissinger Hütte des Deutschen Alpenvereins (DAV).
Foto: dpa

Auch der DAV, dem anfangs weniger hartgesottene Naturburschen als Professoren und Vertreter des gehobenen Bürgertums angehörten, sah in seinen Anfängen die Wissenschaft und die Kartierung von Gebieten als wichtiges Ziel. Zugleich entdeckten Sommerfrischler die Alpenregion, die Begeisterung für Natur und Berge stieg - und damit auch der Wunsch, sie zu besteigen.

Dunkle Zeiten

Früh kam im Alpenverein Antisemitismus auf. Schon in den 1920er Jahren waren Wege mit Hakenkreuzen markiert, auf manchen Hütten stand ein Schild: „Juden unerwünscht“. Ab 1933 ließ der Verband sich von der NSDAP in den Dienst nehmen. Kampfgeist, Kameradschaft und Hingabe für den „Gipfelsieg“ bis zum Tod passten gut zu den Ideen der Nazis.

„Dass der DAV zur NS-Zeit und schon davor jüdische Mitglieder ausgeschlossen hat, ist uns heute jeden Tag eine Mahnung, dass wir offen und tolerant sein wollen und müssen gegenüber allen - egal welche Herkunft, sexuelle Orientierung, körperliche oder geistige Einschränkung sie haben“, sagt DAV-Präsident Josef Klenner heute.    


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