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110 Jahre alte Brieftaubenbotschaft im Elsass gefunden
Panorama 3 10.11.2020

110 Jahre alte Brieftaubenbotschaft im Elsass gefunden

Mühsame Kommunikation: Die "Brieftaubendepesche" des preußischen Militärs aus dem Jahr 1910.

110 Jahre alte Brieftaubenbotschaft im Elsass gefunden

Mühsame Kommunikation: Die "Brieftaubendepesche" des preußischen Militärs aus dem Jahr 1910.
AFP
Panorama 3 10.11.2020

110 Jahre alte Brieftaubenbotschaft im Elsass gefunden

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Ein extrem rarer Fund: Im Elsass haben Wanderer einen Nachrichtenzettel des preußischen Militärs entdeckt. Vor über hundert Jahren hatte eine Brieftaube ihre Fracht verloren.

(tom/AFP) - Vor über hundert Jahren abgeschickt, nie am Bestimmungsort angekommen, erst im Herbst 2020 zufällig wieder aufgetaucht: Wanderer haben auf einem Feld nahe Ingersheim (Departement Haut-Rhin einen extrem seltenen Fund gemacht. Das Ehepaar fand eine kleine Aluminiumkapsel auf dem Acker. Die ehrlichen Finder brachten die Kapsel ins nahegelegene Museum der Gedenkstätte Linge d'Orbey, das der verlustreichen Schlacht zwischen Deutschen und Franzosen im Sommer 1915 auf der Elsässer Seite der Vogesen gewidmet ist. 

Dort öffneten Militärhistoriker das Behältnis - und staunten nicht schlecht.  Denn darin befand sich ein Zettel mit einer handschriftlichen Botschaft, die offensichtlich vom preußischen Militär per Brieftaube verschickt wurde - zu Zeiten als das Elsass noch deutsch war, sehr wahrscheinlich 1910. Das dünne Papier war zwar gut erhalten, der Kurator des Museums, Dominique Jardy, hatte dennoch seine liebe Not, die Botschaft zu entschlüsseln - denn sie war in der alten deutschen Handschrift, der sogenannten Kurrentschrift verfasst und damit kaum noch lesbar. Jardy musste einen deutschen Freund bitten, die Zeilen zu transkribieren. 

Manöver zwischen Bischwihr und Ingersheim

Dabei stellte sich heraus: Der Brief stammt von einem Offizier eines preußischen Infanterieregiments, das nördlich von Ingersheim stationiert war. Er sollte einen Vorgesetzten im Regiment erreichen, um ihm Bericht über den Ablauf eines Manövers zwischen Bischwihr und Ingersheim zu erstatten. 


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Insgesamt vier Tauben mit gleichlautenden Berichten wurden losgeschickt, eine davon hat ihre Fracht wohl recht schnell verloren - über dem Acker, auf dem die Aluminiumkapsel 110 Jahre später zum Vorschein kam. „So ein Fund ist extrem selten, in vierzig Jahren habe ich so etwas noch nie erlebt“, sagt Kurator Jardy. „Dennoch passiert es natürlich hin und wieder, dass so etwas wieder an die Oberfläche kommt - wie mit Granaten oder sterblichen Überresten aus beiden Weltkriegen.“ 

Apropos Weltkriege: Der Erste Weltkrieg ist in dieser Gegend natürlich das beherrschende Thema, die Taubenpost ist aber offensichtlich älter. Das Datum des Briefs ist nicht gut lesbar, die letzte Ziffer könnte eine 0 oder eine 6 sein. Der Kurator des Museums hält aber aufgrund des Inhalts den 16. Juli 1910 für die wahrscheinlichere Jahreszahl - eine militärische Botschaft aus Vorkriegszeiten also. Dennoch wird der Brief samt Kapsel einen Ehrenplatz im örtlichen Museum Linge d'Orbey erhalten.

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