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100 Jahre Ingenieurausbildung in Luxemburg: Von der Handwerkerschule zur Universität
Panorama 12 3 Min. 07.10.2016

100 Jahre Ingenieurausbildung in Luxemburg: Von der Handwerkerschule zur Universität

Seit 1916 werden Ingenieure in Luxemburg ausgebildet. Und an welchen Stationen führte der Weg vorbei, bevor das Ziel „Ingenieurwissenschaftliches Studium an der Uni Luxemburg“ endlich erreicht war?

von Christiane Petri

Am 20. September 1916 hat der damalige Generaldirektor für Landwirtschaft, Industrie und Arbeit, Dr. Michel Welter, die „Cours Technique Supérieurs“ (CTS) ins Leben gerufen und damit auf den Bedarf an besser qualifizierten Arbeitskräften reagiert, der sich aus der industriellen und wirtschaftlichen Entwicklung um die Jahrhundertwende herum ergab. Mit diesen „Cours Techniques Supérieurs“ war der Grundstein für die Ingenieurausbildung, wie wir sie heute in Luxemburg kennen, gelegt.

15 Männer haben damals an dem weiterführenden technischen Unterricht, der an der „École d’Artisans de l’Etat“ – also der Handwerkerschule in Limpertsberg – stattfand, teilgenommen. Zwei Jahre später, 1918, hielten sie ihr Diplom in der Hand.

Die weiterführende technische Ausbildung habe nach 1916 einen Boom erlebt, der bis Ende der 1920er-Jahre angehalten habe, erklärt Denis Scuto, Professor für Luxemburger Zeitgeschichte an der Universität Luxemburg. Ende der 1920er-Jahre habe es gar 50 Absolventen der „Cours Technique Supérieurs“ gegeben. Einige hätten sich anschließend in Aachen, Liège oder Paris an den jeweiligen Universitäten zum „Ingénieur métallurgiste“ oder zum „Ingénieur de mine“ ausbilden lassen.

Ausbildung von Fachkräften

Der Ausbildungsweg war äußerst beliebt, denn in Luxemburg haben sich zu dieser Zeit einige Stahlunternehmen aus Deutschland niedergelassen. Diese hätten aus dem Nachbarland eine schon länger bestehende Tradition der Ausbildung von Handwerkern, Vorarbeitern und Ingenieuren im Stahlbereich mitgebracht. „Luxemburg musste sich anpassen und die gleichen Grundlagen schaffen“, berichtet Scuto. Ein Prozess, der sich natürlich im größeren Kontext der allgemeinen Bildungsreform vollzog.

Anfang des 20. Jahrhunderts konnten die „Ingénieurs techniciens“ bereits zwischen verschiedenen Spezialisierungen wie beispielsweise Stahlbau, Maschinentechnik, Metallurgie oder Bauwesen wählen. Während des Zweiten Weltkriegs, von 1941 bis 1944, wurden die „Cours Technique Supérieurs“ kurzfristig in den Süden des Landes, nach Esch/Alzette, verlegt, was mit einer Namensänderung zu „Staatliche Ingenieurschule“ einherging.

Im Rahmen der gesellschaftlichen Modernisierung weitete man ab 1958 die Ausbildungsangebote für technische Ingenieure aus, erklärt Denis Scuto, Professor für Luxemburger Zeitgeschichte.
Im Rahmen der gesellschaftlichen Modernisierung weitete man ab 1958 die Ausbildungsangebote für technische Ingenieure aus, erklärt Denis Scuto, Professor für Luxemburger Zeitgeschichte.
Foto: Serge Daleiden

Während man sich bis in die 1950er-Jahre bei der Ausbildung von Fachkräften extrem auf die Stahlindustrie konzentrierte, so wollte man ab 1958 im Rahmen der wirtschaftlichen Modernisierung eine größere Diversität schaffen und ein breiter gefächertes Ausbildungsangebot für technische Ingenieure anbieten, erläutert Scuto. „Man wurde sich damals bewusst, dass man nicht länger nur auf die Stahlindustrie setzen kann.“

Die „École technique“

1958 wurde ein neues Gesetz durchgebracht, das zur Gründung eines neuen Instituts führte, dem „Institut d’enseignement technique“. Dieses war in zwei Schulen unterteilt. Die „École d’Artisans de l’Etat“ wurde in die „École des Arts et Métiers“ umgewandelt und die „Cours Technique Supérieurs“ wurden reformiert, um mit der nun neu gegründeten „École technique“, die bis 1979 bestehen sollte, Fachleute im Bereich des Bauingenieurwesens, in der Mechanik und der Elektrotechnik auszubilden.

Beide Schulen befanden sich wieder unter einem Dach in Limpertsberg. Der Erfolg dieser neu gegründeten, unabhängigen Schule spiegelte sich in der wachsenden Zahl ihrer Schüler wider. Ab 1976 boten die Räumlichkeiten in Limpertsberg nicht mehr ausreichend Platz. Ein Umzug in ein Gebäude in Kirchberg stand an.

„Institut Supérieur de Technologie“

1979 wurde die „École Technique“ vom „Institut Supérieur de Technologie“ – kurz IST – abgelöst. Von da an wurde in Luxemburg eine technische Ausbildung auf Postgraduiertenebene angeboten. Das IST setzte sich aus vier Fachbereichen zusammen: Maschinenbau, Elektrotechnik, angewandte Computerwissenschaften und Bauingenieurwesen.

In jedem Fachbereich wurden eigene Forschungsarbeiten betrieben, mit denen das wissenschaftliche und technische Know-how vorangetrieben wurde. Mit Partnern aus der Industrie wurden erste gemeinsame Projekte auf die Beine gestellt.

Universität Luxemburg seit 2003

Das Hochschulgesetz von 1996 machte schließlich die Gründung der Universität Luxemburg möglich. Seit 2003 können sich junge Leute, die im Anschluss an ihre schulische Laufbahn ein Studium der Ingenieurwissenschaften in Erwägung ziehen, im eigenen Land umschauen. Der Weg an eine Universität im benachbarten Ausland ist seither nur noch eine Möglichkeit, keine Notwendigkeit mehr.

Mit der Gründung der Universität, die sich mit dem Campus Belval, dem Campus Kirchberg und dem Campus Limpertsberg auf drei Standorte verteilt, ist das „Institut Supérieur de Technologie“ in die Fakultät für Naturwissenschaften, Technologie und Kommunikation integriert worden. Aktuell verfolgen hier insgesamt rund 400 Studenten einen ingenieurwissenschaftlichen Studiengang.


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