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Eine Muttergottes aus Scheidgen zum 45. Geburtstag des Europa-Parks

Kardinal Hollerich gratuliert mit einem marianischen Geschenk… aus Scheidgen.


Zum 45. Geburtstag des Europa-Park wurde Europas beliebtestem Freizeitpark ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk überreicht : eine Kopie der Luxemburger Trösterin der Betrübten. Kardinal Hollerich war eigens ins badische Rust angereist, um die Schenkung vorzunehmen, und fand ermutigende Worte für das Projekt Europa.


Am 12. Juli 1975 wurde der Freizeitpark nahe der deutsch-französischen Rheingrenze eröffnet. Auf den Tag genau 45 Jahre später wird an die Eröffnung dieser « success story » mit einem ökumenischen Gottesdienst erinnert. Hat die Seelsorge eine große Tradition bei den Schaustellern, so genießt insbesondere im Familienunternehmen Mack der « homo religiosus » einen hohen Stellenwert. Seit 2005 zeichnen zwei Diakone für die Seelsorge im Europa-Park verantwortlich. Als 2016 der « Luxemburger Platz » im Vergnügungspark eingeweiht wurde, schrieb der Luxemburger Erzbischof sogar ein Grußwort, das bei der Zeremonie verlesen wurde.

Am vergangenen Sonntag feierte Jean-Claude Kardinal Hollerich im Europa-Park einen ökumenischen Gottesdienst. Zusammen mit den Park-Seelsorgern Diakon Andreas Wilhelm und Diakonin Andrea Ziegler sowie dem Diözesanseelsorger der « Lëtzebuerger Massendénger » Jean-Pierre Reiners war der Purpurträger vor den Altar getreten, wo ein gutes Stück Luxemburg aufgestellt wurde : eine Statue der « Consolatrix Afflictorum » aus der Kirche von Scheidgen.


« Jetzt müssen wir wieder europäisch werden »


In seiner Begrüßungsansprache unterstrich Jürgen Mack, dass der Europa-Park ein Symbol für ein grenzenloses Europa sei – insbesondere während der Coronakrise. Freuen tut sich die gesamte Familie über das Geburtstagsgeschenk, das aus der Mitte Europas kommend – dem EU-Gründungsland Luxemburg - nun eine neue Heimat im « Europa der Kinder » erhalten wird.

« Wenn wir das Setting das Evangeliums betrachten, dann braucht es Muße, um zuzuhören », sagt der Präsident des Weltverbandes der Altardiener (CIM) Hollerich zu Beginn seiner Predigt über das Gleichnis des Sämanns. Angesichts der Tatsache, dass der Freiluftgottesdienst am Ufer des Junker-Bachs stattfand, erklärte der Luxemburger Erzbischof, dass das Wasser ein günstiges Element sei, um das Zuhören zu fördern. Jesus habe oft am Wasser zu den Seinen gesprochen. « Durch die Frohe Botschaft sät Gott aus : Wir alle können die Saat Gottes empfangen », so der Kardinal. Unsere Herzen seien manchmal guter Boden, aber öfters auch härteres Gestein. Das Evangelium würde uns in die Pflicht nehmen, stets guten Boden hinzuschaufeln, damit die Saat noch reicher und schöner werde. Gutes tun sei das Mittel gegen die Verhärtung des Herzens. Auch das Herz von Europa sei etwas zu Stein geworden, unterstrich der Präsident der europäischen Bischofskonferenzen vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise, wo dringend guter Boden hingeschaufelt werden müsse. Anderen zu helfen bezeichnete er als « eine normale menschliche Reaktion ». Neben einem offenen Herzen in der Flüchtlingsfrage brauche es auch Verstand, um die Flüchtlingsursachen zu bekämpfen, so der Würdenträger, der erneut den Bogen zum Wasser schlug : « Damit der Boden in unserem Herzen fruchtbar wird, braucht es Wasser ». Als junger Novize sei er im Hochsommer einen Monat zu Fuß durch Frankreich gereist. Auf dem Jakobusweg in Vézelay sei es sehr warm gewesen und man habe sich nach der anstrengenden Wanderung am Wasser erfreuen können. « Es war das köstlichste Getränk, das ich je getrunken hatte. Um den Durst in der Welt zu begreifen, muss man den Menschen eine Oase der Ruhe schenken. Eine solche Oase ist der Europa-Park seit 45 Jahren. Sich am Leben erfreuen ist für die Religionen etwas urwichtiges und eine Bedingung, um an unserem eigenen Herzen arbeiten zu können. Damit es Frucht bringt, ist die Arbeit im Weinberg unseres Herzens notwendig », erklärt der Erzbischof.

Der Europa-Park zeige wie wichtig Europa für uns alle ist. « Europa ist ein Gut, das wir schätzen müssen und wo wir immer wieder guten Boden hinschaufeln müssen, damit das europäische Herz weiter schlagen kann », so der Purpurträger aus Luxemburg. Durch Covid-19 seien die alten nationlistischen Reflexe wieder aufgeflammt. « Jetzt müssen wir wieder europäisch werden, damit das Projekt Europa gelingt. Der Europa-Park hat diese Thematik aufgenommen. 45 Jahre Europa-Park, das sind 45 Jahre Hilfe für Europa », sagt Kardinal Hollerich abschließend.


Luxemburger Madonna bekommt Konkurrenz…in Rust


Am Ende des Gottesdienstes, der musikalisch vom ehemaligen Park-Seelsorger Martin Lampeitl gestaltet wurde, übergab Kardinal Hollerich die Statue der Trösterin der Betrübten in die Obhut der Inhaberfamilie Mack. Das letzte Mal, dass in Deutschland eine Ikone der Consolatrix Afflictorum aufgestellt wurde, sei über 375 Jahre her. « Und das war ein Riesenerfolg », bescheinigte der Erzbischof den Gottesdienstbesuchern vor dem Hintergrund, dass Kevelaer nach Altötting der größte deutsche Marienwallfahrtsort ist, und sagte ergänzend : « Jetzt bekommt die Muttergottes von Kevelaer Konkurrenz ». Maria sei ein Auftrag an uns. An die Adresse der evangelischen Diakonin sagte Kardinal Hollerich, dass Martin Luther in wunderbarer Weise über die Gottesmutter geschrieben habe. « Maria ist nicht etwas was uns trennt, sondern sie verbindet : unsere Freude, und auch unsere Verbundenheit zwischen Luxemburg und dem Europa-Park. Maria ist ein Hinweis auf Christus, Sonne der Gerechtigkeit und Freude des Lebens ».


Der Kardinal im größten Flying Theatre Europas


Diakon Andreas Wilhelm bedankte sich insbesondere bei der Direktorin der « Lëtzebuerger Massendénger » Tanja Konsbrück, die sich für das Aufstellen der Luxemburger Madonna in Rust stark gemacht hatte. Die Statue ist eine Schenkung der « Lëtzebuerger Massendénger » an den 1975 gegründeten Freizeitpark. Im kommenden September werden übrigens die Luxemburger Altardiener « ihre » Muttergottes im Europa-Park besuchen.


Zitate Kardinal Hollerich :

« Um den Durst in der Welt zu begreifen, muss man den Menschen eine Oase der Ruhe schenken. Eine solche Oase ist der Europa-Park seit 45 Jahren ».

« Europa ist ein Gut, das wir schätzen müssen und wo wir immer wieder guten Boden hinschaufeln müssen, damit das europäische Herz weiter schlagen kann »

« Maria ist nicht etwas was uns trennt, sondern sie verbindet : unsere Freude, und auch unsere Verbundenheit zwischen Luxemburg und dem Europa-Park »

« 45 Jahre Europa-Park, das sind 45 Jahre Hilfe für Europa »

« Sich am Leben erfreuen ist für die Religionen etwas urwichtiges und eine Bedingung, um an unserem eigenen Herzen arbeiten zu können. Damit es Frucht bringt, ist die Arbeit im Weinberg unseres Herzens notwendig »


Text: Marc Jeck

Fotos: Tanja Konsbrück, Marc Jeck