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„Fänk der ee Buch!“ – eine „Bicherbourse“ für das Lycée du Nord Wiltz

„Es wäre gut, Bücher zu kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte.“ Das behauptet Arthur Schopenhauer. Zeit können sich die Schüler des Lycée du Nord freilich nicht kaufen, jedoch sind sie in Zukunft nicht mehr gezwungen, ihre belletristische Literatur oder ihre Sachbücher käuflich zu erwerben. Seit zwei Wochen besteht nämlich in der Cafeteria des traditionsreichen Wiltzer Lyzeums, das im nächsten Jahr bereits sein 50. Jubiläum feiern wird, eine so genannte „Bicherbourse“. Diese Lesebörse, die von den Sprachlehrern José Schaack, Tessy Biver und Alain Herman initiiert wurde, funktioniert nach dem einfachen Prinzip „Take a book, return a book”. Schüler, Lehrer und alle anderen Mitglieder der Schulgemeinschaft des LN können ein Buch, das sie eventuell doppelt besitzen oder bereits gelesen haben, mitbringen und es in eine der originell gestalteten Lesekisten stellen. Im Gegenzug dürfen sie sich ein neues auswählen. Dieses können sie behalten oder ggf. nach der Lektüre ein weiteres Mal umtauschen. Es handelt sich folglich um eine Tauschbörse, welche in erster Linie die Freude am „analogen“ Lesen bei Jung (und Alt) fördern soll – ein vielleicht etwas altmodisches, dafür aber umso freieres Lesen fernab digitaler (Gedanken-)Kontrolle, Schnelllebigkeit und Werbeblocks.

Am 7. Februar wurde die „Bicherbourse“ im Rahmen einer literarisch-musikalischen Soirée würdig eingeweiht. Nach der Präsentation der künstlerisch interessanten „Lieskëschten“, die unter der Anleitung der Kunstlehrerin Josiane Steffen in der Option „Art Plastique“ von 2e-Schülern entworfen wurden, referierte mit viel Ironie und rhetorischem Geschick Ben Juncker über seine Lieblingsbücher, um sie sodann der neuen „Börse“ zu übergeben. Anschließend beeindruckten Schülerinnen und Schüler der 3e DG, T0CM und 3e GTG das zahlreich anwesende Publikum mit einer anspruchsvollen literarischen Performance, die von Ilda Sabotic am Klavier musikalisch noch weiter sublimiert wurde. Die Schüler rezitierten aus Werken von Goethe, Hugo, Poe, doch auch aus neueren literarischen Texten wie z.B. von Jay Asher oder Grand Corps Malade wurde mit viel Einfühlungsvermögen vorgetragen. Für die künstlerische Gestaltung der Soirée zeichnete die Geschichtslehrerin und Rezitatorin Françoise Flesch verantwortlich. Wochenlang hatte sie in ihrer freien Zeit mit den motivierten LN-Schülern an den mitunter sehr komplexen Texten gearbeitet. Der rundum gelungene Einweihungsabend klang mit einem Umtrunk aus.

Die „Bicherbourse“ heißt nun alle Interessierten willkommen. Es lohnt sich auf jeden Fall zum Stöbern, Lesen und Tauschen vorbeizuschauen. „Im Gepäck“ sollte man nur eins haben… etwas Zeit.