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Jaudes, Jaudes Spackelduer, iwermuer as Usterdag.....

Jedes Jahr lebt an Karfreitag in Vianden eine Jahrhunderte alte Tradition weiter



Vianden. In zahlreichen Ortschaften sind zwei Tage vor Ostersonntag die „Klibberkanner“ unterwegs, die von Gründonnerstagabend bis Karsamstag das Glockengeläut der Kirchen ersetzen.


So auch im Mittelalterstädtchen Vianden, der Ortschaft, die bekanntlich reich an Überlieferungen und urwüchsigen Gebräuchen ist, die anderswo gar überhaupt nie existierten. Zu ihnen zählt auch der „Jaudes“ an Karfreitag.


Beim Jaudes handelt es sich um einen sogenannten „Spackelduer“ (Hagedornstrauch), der aber bereits seit Jahren durch einen allgegenwärtigen „Schliewenduer“ (Schlehendorn) ersetzt wird.


Professor Pierre Bassing (†) widmete dem Jaudes im Buch „Viandensia III“ (1977) der „Veiner Geschichtsfrënn“ einen größeren Artikel, in dem u.a. zu lesen ist: „Der Jaudes ist ein eigenartiges, zähes Produkt, das im Schmelztiegel der Zeit aus mittelalterlichen Evangelienspielen langsam geworden ist. „Jaudes‘ steht für ‚Judas‘. Der Jaudes als Strauch versinnbildlicht den Baum, an dem Judas sich erhängt hat, und der Jaudes als Brauch ist ein Relikt der mittelalterlichen Judasverhöhnung.“


Am heutigen Karfreitagmittag nun durchzogen die Klibberkinder in den verschiedenen Ortsteilen hinter dem „Jaudes“, der jeweils vom stärksten der Gruppe getragen wurde, mit ihren „Jharren“, wie die „Klibberen“ in Vianden genannt werden, die Straßen und Gassen im Schatten der Burg. Ab und zu blieb die Gruppe stehen, hörte mit „Jharren“ auf und sang im Chor: „Jaudes, Jaudes Spackelduer, iwermuer as Usterdag“.


Für ihre Bemühungen werden die Klibberkinder dann, wie andernorts auch, am Ostersonntag von den Einwohnern mit Ostereiern oder Geldgeschenken reichlich belohnt.


Fotos: Armand Wagner (8) - Pascal Reuter (1) - Sonja Bertemes-Steffen (1) - Gaby Heger (2)