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Feierliche 'Roukiprëssessiunn

Das ‚BILDCHEN’

Das Gnadenbild

In der Stille des Waldes, unweit des ‚Napoleonsgartens’, umsäumt von Bäumen und Felsen, mit Blick auf den Stausee bis Bivels und Falkenstein, steht eine kleine, weisse Kapelle.
Auf dem Altar thront das ‚Bildchen’, eine 35 cm hohe, aus Lindenholz geschnitzte Statue. Auf dem Haupt trägt die Muttergottes eine Krone, in der rechten Hand das Zepter, auf dem linken Arm das ebenfalls mit einer Krone geschmückte Jesuskind. Das Gnadenbild, mit einem sanften, lieblichen Gesichtsausdruck ist, wie die Trösterin der Betrübten, mit einem weiten Gewand bekleidet.

Die bekleideten Gnadenbilder waren bereits im 16 Jh in Spanien Tradition und erreichten im 17. Jh die spanischen Niederlande, zu denen unser Land gehörte, ein erster Hinweis darauf, dass der Ursprung der Wallfahrt in jener Zeit zu suchen ist. Im 17. Jahrhundert wurde, unter Einfluss der Infantin Isabella von Spanien, der Marienkult in den spanischen Niederlanden belebt. "A peste, fame et bello, libersa nos Domine“ erschallte der Bittruf, als Pest, Cholera, Hunger und Krieg über unser Land hereinbrachen und die Viandener massenhaft dahinrafften.

Entstehung der 'Roukiprëssessiunn^

Nachdem Infantin Isabelle 1633 der Stadt Vianden den Platz ‚Eysenschmitt’ schenkte, um dort einen Friedhof und eine Pestkapelle zu Ehren der Pestheiligen Sebastian und Rochus zu errichten, führte alljährlich, am 16. August, am Tag des hl Rochus, eine feierliche Prozession zu dieser Pestkapelle und der, im Jahre 1770 an selbiger Stelle erbauten Neukirche. Zusätzlich führten um den 15. August, 3 Prozessionen zum Bildchen.
4 Prozessionen in einer Woche scheint, in der Folge, des Guten doch zuviel gewesen zu sein und so ging die Prozession am Rochustag in der grossen ‚Bildchensprëssessiunn’ auf.

Die Viandener nennen diese, am kommenden Sonntag stattfindende Prozession, jedoch weiterhin ‚Roukiprëssessiunn’ und die Statue des hl. Rochus wird alljährlich mitgeführt. Hunderte von Pilgern ziehen, begleitet von der ‚Veiner Musik’, in feierlicher Prozession zur Bildchenskapelle und wiederholen den alten Bittruf „O Mutter der Barmherzigkeit, bitt für die ganze Christenheit!“

Die Bildchens-Kapelle

Die, durch die Vermittlung des Gnadenbildes hier festgeglaubten Wunderheilungen sowie die nicht abnehmende Zahl an Pilger, veranlassten den damaligen Dechanten Mathias Frieden, sowie den wohlgesinnten Kirchenrat, eine Kapelle errichten zu lassen. 1848 sollte die Bürgerschaft mit einer Suskriptionsliste auf die Probe gestellt werden: die Armen durch Handarbeit und die Reichen durch Geldbeträge.
Bevor mit dem Bau begonnen wurde, musste ein Weg durch die felsigen Hänge gebrochen und ein 30 Fuss hoher Felsen für den Bau beseitigt werden. Immer wieder wurden neue Suskriptionslisten, aufgrund eines grösseren Schuldenbetrages, in Umlauf gebracht. Die Gemeinde stellte unentgeltlich das Holz und die Ortschaften der Umgebung trugen ebenfalls ihr Scherflein bei. Der Kostenpunkt soll sich auf 5.998,85 Franken chiffriert haben, was auch in unserer heutigen Zeit einem beachtlichen Betrag gleichkommt.

Die ‚Bildchenskapelle’ wurde, nach den Plänen des Viandener Staatsarchitekten Charles Arendt (1825-1910) in neugotischem Stil gebaut: 7 Meter lang und 5 Meter breit. Der Chor schaut nach Norden, das Portal nach Süden. Über dem Portal liest man die Inschrift: “ Profer lumen caecis – Mala nostra Pelle“ (Gib Licht den Blinden – Heile unsere Krankheiten). Eine Gedenktafel, rechts neben der Eingangstür trägt die Inschrift:“Durch Gutthäeter errichtet zu Ehren der Jungrau Maria unter der geistlichen Verwaltung Herren Dechant M. Frieden zu Vianden im Jahr 1848.“ Das steinerne, neugotische Türmchen wurde erst 1860 aufgesetzt. Eine Gitterwand, über dem ein Engel ein Band mit der Inschrift ‚Maria, Heil der Kranken’ entfaltet, trennt den beständig zugängigen Vorraum zum Innenraum. Das Spitzbogengewölbe, dessen vier Hauptgräten im Schiff in der Mitte zusammenlaufen, bildet ein Kreuz und stützt sich auf die sich in den vier Ecken befindenden Halbsäulen. Der Altartisch stammt aus der Schlosskapelle; der Altaraufsatz wurde, laut Prof. Bassing nach einem Entwurf von Charles Arendt ausgeführt. Die ursprünglichen Malereien sollen vom, in Vianden geborenen Dekorationsmaler Hamper (1863-1916), stammen.
Im Jahre 1920 wurden vom Viandener Kirchenmaler Carl Wilhelmy kunstvolle Wandmalereien angebracht. Von diesen Malereien sind heute nur noch 12 Engelsfiguren zu sehen, an denen man, laut Überlieferung, bei näherem Betrachten, die Gesichtszüge seiner Mädchen erkennen kann.

Renovierung der Kapelle

Trotz mehrfacher Renovierungen, nagt der Zahn der Zeit an diesem vielbesuchten Wallfahrtsort.
Nach der fachgerechten Restaurierung des Altartisches (13 Jh) seitens des Denkmalschutzamtes vor etwa 15 Jahren, drängt sich jetzt eine vollständige Renovierung der Kapelle auf. Feuchtigkeit hat dem Mauerwerk so stark zugesetzt, dass der Putz an den Innenwänden abgetragen und die Kapelle trocken gelegt werden musste. Dabei kamen erste Spuren der ursprünglichen Wandmalereien zu Tage, die laut einer Expertise des Denkmalschutzamtes von Charles Arendt stammen.

Nun gedenkt das Denkmalschutzamt, durch die Freilegung dieser ursprünglichen Wandmalereien, das Werk Charles Arendts aufzwerten. Arendt gilt als Pionier der Aufwertung historischer Bausubstanz im 19. Jh und wird mit dem französischen Viollet le Duc verglichen. Dem Staatsarchitekten galt bereits die Gunst Victor Hugos anlässlich seiner Besuche der Schlossruinen, beziehungsweise der unter Restauration stehenden Schlosskapelle „Je suis venu revoir Vianden. J’apprends avec plaisir que ces
magnifiques ruines ne sont plus à la discrétion de l’architecte malheureux qui les a défigurés. Je les recommande au nouvel architecte que je sais homme de science et de talent“. Charles Arendt liess Victor Hugo später den Entwurf seiner ‚Monographie du
château de Vianden’ zukommen und der Dichter erwies in zwei extrem schmeichelhaften Briefen dem Architekten seine Anerkennung.

Finanzierung der Restaurationsarbeiten

Vergleichbar mit den Suskriptionslisten des Jahres 1848, wird auch heute fleissig gesammelt, um die erforderliche Summe für die Renovierung der Kapelle zusammenzutragen.So konnten unlängst die Viandener ‚Fraen a Mammen’, welche seit Jahrzehnten mit der Reinigung und Dekoration der Kapelle befasst sind, dem scheidenden Viandener Dechanten Patrick Hubert, die stolze Summe von 5000 Euros überreichen, Erlös der kürzlich, speziell zu diesem Zweck organisierten ‚soirée italo-portugaise’.

Heute ist es unbedeutend, wie und wann das Bildchen den Anfang seiner Verehrung fand. Wichtiger ist, dass auch in Zukunft Menschen in Freud und Leid den Weg durch den schattigen ‚Bildchensbësch’ zur Muttergottes in einer renovieren Bildchenskapelle finden um dort Trost, Kraft und Hoffnung zu finden.

Gaby



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