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Vier Jahrzente im Dienste der Gemeinde Useldingen

Auf den Jubilar!

Bürgermeister Léon „Pollo“ Bodem anlässlich einer Feierstunde geehrt.

Vierzig Jahre. Vier Jahrzehnte.

Vier Jahrzehnte bedeuten eine lange Zeit im Leben eines Durchschnittsbürgers.
Sie bedeuten eine noch längere im Werdegang eines Politikers. Jemanden, der eine solch lange Zeit unablässig für das Wohl seiner Mitbürger kämpft, kann man wohl getrost als „Vollblutpolitiker“ bezeichnen.
Und einen eben solchen galt es am Sonntag, dem 19. Juni in Useldingen zu ehren, in Person des Bürgermeisters Léon „Pollo“ Bodem, der seiner Gemeinde nunmehr im 17. Jahre vorsteht, aber bereits lange vorher verschiedene Mandate als Gemeinderat und Schöffe innehatte. Vier Jahrzehnte lang eben.
Um kurz vor 15 Uhr zog der Tross an Ehrengästen feierlich vom Hofe der alten Burg hinab ins Kulturzentrum, um dem Festakt beizuwohnen. Allen voran der Geehrte selbst nebst Gattin - in der Hand einen prächtigen Blumenstrauss-, gefolgt von den Vertretern der vielen Lokalvereine und zahlreichen Anwohnern. Aber auch die regionale und nationale Politprominenz war zugegen. Stellvertretend seien hier nur die Minister Dan Kersch, Marc Hansen, Fernand Etgen und Romain Schneider erwähnt, nebst Staatssekretär Camille Gira, LSAP-Präsident Claude Haagen, Syvicol-Präsident Emile Eicher sowie dem Abgeordneten und Useldinger Schöffen Gérard Anzia. Letzterer sollte dann im Verlaufe der Feierlichkeiten auch die Laudatio auf Pollo Bodem halten.
Vorab war es jedoch an den Vertretern der Vereine, dem Bürgermeister und den Gästen so manch spannende oder zum Schmunzeln anregende Geschichte aus der gemeinsamen Vergangenheit in Erinnerung zu rufen. Geschichten, von denen sich viele in den Fotografien wiederfanden, welche farbenfroh oder im Schwarz-Weiss-Format die Wände des Kulturzentrums schmückten, und von denen bereits die ältesten einen zwar noch schmächtigen Knaben zeigten, der aber damals schon voller Neugierde und Tatendrang in die Welt blickte.
Die ganzen Festreden an dieser Stelle wiederzugeben, würde sicherlich den Rahmen des Artikels sprengen. Deshalb seien im Folgenden nur einige Beispiele aufgezählt, welche – im Verbund mit vielen weiteren – an diesem Nachmittag für so manches feuchte Auge, verhaltenes Lächeln oder spontanen Schenkelklopfer sorgten.
„De Pollo ass (also) am zaarten Alter vu 17 Joer de Pompjeeë bäigetrueden. (…) De Pompjee Pollo Bodem hat awer ee Problem, an zwar mat Autoritéit. Kommandoen ausféiere war nit esou seng Saach, hie wollt léiwer selwer d’Kommandoe ginn. (…) An enges Daags, wéi hien d’Struktur vun de Pompjeeë bis verstane hat, war d’Léisung och séier fonnt (…) Chef vun de Pompjeeën ass (…) nit de Kommandant (…) mee de Buergermeeschter. Dat hat de Pollo séier spatz, an huet dunn kuerzerhand decidéiert, an d’Gemengepolitik ze goen, fir da fréier oder spéider säin Ziel ze erreechen, Chef vun de Pompjeeën ze ginn.“ (Pompjeescorps Gemeng Useldeng)
„Am Wanter fiert de Pollo gäre Schi. (…) De Pollo fiert am léifste Plou, also mat de Schispëtzten no bannen. Esou geet et dann och déi schwaarz Pisten erof.“ (Fussball Useldeng)
„(…) D’Geschicht vum Don Camillo a vum Peppone. ( …) Selbstverständlech ginn et keng Parallelen zu Useldeng, a wann, da sinn se sécher reng zoufälleg an net gewollt. Et ass sécher en Zoufall, dass hei bei eis de Buergermeeschter dem Curé seet, e soll an der Kierch net sou laang priedegen. An de Curé dem Buergermeeschter seet, seng Riede kéinten och e bëssche méi kuerz sinn.“ (Chorale Useldeng)
Bei so viel Erzählfreude wollte die Politik den Vereinen natürlich in Nichts nachstehen.
Während Minister Romain Schneider sich augenzwinkernd so mancher Wahlveranstaltung der Vergangenheit bedachte, die unvermittelt einen neuen Programmablauf erfuhr, wenn die vorher sorgsam vorbereiteten Vorführdias im hohen Bogen durch die Luft flogen, erinnerte sich der frühere Useldinger Schöffe und derzeitige Minister Marc Hansen der ersten Unterredung mit dem ersten Bürger der Gemeinde, welche seinerzeit ein urplötzliches und lautstarkes Intermezzo erfuhr. (Insider wissen warum!)
Schöffe Gérard Anzia seinerseits rief unter den wohlwollenden Blicken von Innenminister Dan Kersch zu einer improvisierten Wahl der etwas anderen Art auf, bei der nur der Name eines einzigen Kandidaten auf dem Stimmzettel vermerkt war: Pollo Bodem. Die Wahlzettel durften übrigens auch unterschrieben und mit einem persönlichen Vermerk versehen werden.
Der Geehrte selbst gab sich in seiner Ansprache bescheiden: „(…)Léif Alleguer: Iergendwann hunn ech mol gelies, dass een nit soll bei der Vergaangenheet stoe bleiwen, dass een och nit soll vun der Zukunft dreemen, mee dass een sech virun Allem soll op d’Géigewaart konzentréieren an all schéine Moment einfach genéissen.(…) 40 Joer Dingscht als Politiker an enger Gemeng schéngt op den éischte Bléck laang ze sinn; mä am Endeffekt (…) sinn d’Joren eriwwergaange wéi de Blëtz.“ Um dann sogleich selbst die eine oder anderen Anekdote zum Besten zu geben: „Ugefaange huet alles mat der Politik als ganz jonke Borscht am September 1975, wéi ech mech decidéiert hunn d’Kandidatur fir an d’Useldenger Chamber (…) ze stellen. Do war awer schonns direkt ee klenge Problem: den Datum fir sech unzemellen ass voll an den Termin vun eiser Hochzäitsrees gefall (…). Sou hunn ech da missten (…) bei den Notär trëppele fir dem Brudder (…) eng Prokuratioun fir meng Umeldung ze verschafen. (…) De President vum Wahlbüro (…) huet sech mol nach beim President vum Haaptwahlbüro zu Dikkerech vergewëssert, ob hie mech dierft dann och aschreiwen. Wahrscheinlech war ech deen eenzige bis dohinner an dëser Gemeng, dee sich nit selwer presentéiert hat.“
Doch nicht nur Kalauer wurden an diesem Nachmittag zum Besten gegeben; auch der vielfachen Verdienste des Politikers wurde gedacht. So wurde dank seiner Initiative der Useldinger Interessenverein in den neunziger Jahren wiederbelebt und zum Dachverband der vielen Lokalvereine umgewandelt. Mit seinem Einverständnis kam es auch zur Benennung des „Tit Schroeder-Platzes“, dem ersten seit ewigen Zeiten wieder einer Person geweihten Platz auf Gemeindegrund.
Unter Pollo Bodems Schirmherrschaft fiel zudem die Einführung des mittlerweile allseits bekannten Mittelalterfestes, welches Jahr für Jahr zahlreiche Aussteller und Besucher aus dem In- und Ausland anzieht. Die Organisation dieses Publikummagnets ging einher mit der Instandsetzung der Burg, welche im Jahre 2003 abgeschlossen wurde, so daß im Folgejahr die Gemeindeverwaltung neue Räumlichkeiten hier beziehen konnte. Das „Projekt Burg“ wurde im Folgenden nicht nur durch die UNESCO anerkannt, sondern erlangte im Jahre 2010 auch den „Tourismus-Innovations-Preis“. Des Weiteren kam es im Jahre 2011 zur Gründung der „Buergfrënn“ und zur Intensivierung der Kontakte mit dem französischen Rodemack, welche erst kürzlich mit der Publikation des zweisprachigen Buches „De Schëmmelreider vun Useldeng / Le trésor d’Useldange“ einen neuen Höhepunkt erreichte.
Des Weiteren erfolgte im Oktober 2014 die Gründungsversammlung des neuen, fusionierten Feuerwehrkorps der Gemeinde Useldingen, wurde im Juli 2015 der neue Feuerwehrbau im Gemeindezentrum „Weidfeld“ eingeweiht und quasi zeitgleich der Partnerschaftsvertrag mit dem Korps aus dem bayrischen Höhenkirchen-Siegertsbrunn unterschrieben. Auch die fortwährende Erneuerung des Fuhrwerks der Feuerwehr wurde über die Jahre immer unterstützt.
Viel gäbe es noch über Pollo Bodem zu erzählen, den Alle für seine ständige Verfügbarkeit, seinen großen Eifer, seinen unerschütterlichen Willen oder seine unbändige Energie zu schätzen gelernt haben. (So fand er beispielsweise über die Jahre noch die Zeit, sich neben dem Beruf, seinen politischen Mandaten und zahlreichen Vereinstätigkeiten mit vier (!) Sportarten zu beschäftigen. Als da wären: Fussball, Fahrrad- und Schi-Fahren und Pétanque.)
Auch wenn dieser festliche Nachmittag allzu schnell sein (kulinarisches) Ende fand, so sah man doch hier und da den Schalk in den Augen der Gästen aufblitzen. So, als wollten sie sagen: „Wir haben noch so manches Schmankerl für Dich parat, Pollo, und freuen uns bereits jetzt auf Dein 50. Jubiläum!“
Text: Claude Schomer, Foto: Tom Lehnert