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Die Springprozession nur für Priviligierte? Das lehne ich strikt ab!

Wenn von der Echternach Springprozession gesprochen wird, dann weist man gerne darauf hin, dass Staatsbeamte, die sich am Pfingstdienstag nach Echternach begeben, einen halben Tag beurlaubt werden.


So wie dies geschrieben steht, stimmt es nicht. Ich habe im Juli 1957 bei den Sozialversicherungen meine Tätigkeit aufgenommen. Und da ging keine Rede von einem halben Tag Urlaub. Später war ich bei der Post tätig. Und die Postbeamten gingen schön brav am Pfingstdienstag zur Arbeit.


Erst als ich 1961 bei dem Staatsschatzamt tätig wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Da wir in der Person des unvergesslichen Michel Schmit (gebürtig aus Mertzig) einen guten sehr verständnisvollen Chef hatten, der seinen Beamten von sich aus einen halben Tag am Pfingstdienstag frei gab. Er hatte eben die Courage so zu handeln und das war auch gut so!


Später, als Vater von vier Kindern, war es mir aber nicht mehr möglich, mit der ganzen Familie innerhalb eines halben Tages von Luxemburg nach Echternach zu reisen. Da blieb man zu Hause, anstatt an der Prozession in Echternach teilzunehmen.Sowieso musste man zu dieser Zeit schon ein Auto haben, um innerhalb eines halben Tages die Reise nach Echternach hin und zurück zu bewältigen.


Die Mehrzahl der Staatsfunktionäre arbeiteten sowieso am Pfingstdienstag!


Damals nahm ich mir fest vor. Solltest du einmal das Sagen im Staate Luxemburg haben, so wird der Pfingstdienstag ein freier Tag für alle Arbeitnehmer. Denn eine Demokratie darf nie und nimmer Priviligierte haben.


Nun, der Tag, an dem ich wirklich hätte mitbestimmen können, kam nie. Im Jahr1979 war ich zwar Kandidat auf einen Abgeordnetenposten, doch dieser Versuch scheiterte recht jämmerlich.


Heute aber benutze ich die Kraft des Wortes, um für Pfingstdienstag einen gesetzlichen Feiertag zu fordern.


Jeder Einwohner soll die Möglichkeit haben, an diesem Tag das von der UNESCO anerkannte Kulturerbe zu feiern. So am Morgen die Springprozession und am Nachmittag die so herriche Altstadt, mit der zum neuen erleben erweckten Abtei Neumünster in der Unterstadt Grund, Dazu gehören meines Erachtens auch die vielen schönen Kirchen des Landes und die Pflege des alten Luxemburger Brauchtums.


Es ist dann der Bürger, der frei von sich aus entscheiden kann, ob er sich an diesem UNESCO Kultur Tag beteiligen möchte oder diesen Tag vielleicht nur zur Erholung nutzt.


Denn nicht alle Arbeitnehmer in Luxemburg sind auf Rosen gebettet. In der Tat, auf der Arbeit erleben viele Menschen heutzutage eine Hektik, die, wenn sie nicht krank macht, doch durch mehr Freizeit kompensiert werden muß.


Der heutige Mensch hat Anrecht auf Kultur den ganzen Tag über. Dazu gehört auch eine gute Atmosphäre auf dem Arbeitsplatz. Und die Wertschätzung der Arbeit eines jeden Arbeitnehmers. Doch davon sind wir zu oft weit entfernt!