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Dem Sozialwort gerecht geworden

Feierliche Einweihung in Pintsch

Im ehemaligen Pfarrhaus sind drei Appartements für Menschen mit geringem Einkommen entstanden


2008 unterzeichnete der Kirchenrat Pintsch eine Konvention mit dem Luxemburger Staat, um im ehemaligen Pfarrhaus in Pintsch Sozialwohnungen entstehen zu lassen. Nach zweijährigen Umbau- und Renovierungsarbeiten fand am Freitag die feierliche Einweihung dieser neuen Infrastruktur statt.

„Mit der Einweihung unseres früheren Pfarrhauses feiern wir heute den Abschluss eines für uns verhältnismäßig großen Projektes, das uns während einer längeren Zeit sehr beschäftigt hat“, so die Begrüßunsworte von Pierre Conrad, Präsident des Kirchenrates Pintsch, an die versammelten Gäste, unter denen sich auch Wohnungsbauminister Marco Schank befand. Im Anschluss an seine Dankesworte an alle, die zum guten Gelingen dieses Projektes beigetragen haben, war es Francis Helm, Sekretär des Pfarrverbandes Kiischpelt, der das Projekt sowie die Geschichte des Hauses im Detail vorstellte.

Pfarrhaus bleibt im Besitz der Kirche

Im Jahr 1762 baute die Gerberfamilie Thilges aus Wiltz ihrem Sohn Nicolas Henri Thilges in Pintsch ein sogenanntes „Härenhaus“. In der Folge der Französischen Revolution verlangte die französische Regierung von allen Geistlichen im November 1797 den Treueeid auf die Verfassung, ganz im Sinne der französischen Revolution: „Je jure haine à la royauté et à l’anarchie, fidélité et attachement à la République“ – auch in Luxemburg, das ein Teil des „Département des Forêts“ war. Demjenigen, der diesen Treueeid ablegte, wurde gestattet, weiterhin in seinem Pfarrhaus zu wohnen. Pfarrer Jean Georges Thilges, jüngster Bruder von Nicolas Thilges, der diesem seit 17 Jahren als Kaplan diente, hatte den Eid abgelegt und durfte in Pintsch wohnen bleiben. So erklärt sich, weshalb das Haus im Besitz der Kirche geblieben ist.

Im Jahre 1880 wurde die Kirche in Pintsch ein letztes Mal vergrößert und der Eingang zur Kirche kam bis auf drei Meter ans Pfarrhaus heran. Der letzte Pfarrer, der im „Härenhaus“ wohnte, war Michel Wagner, der 1970 verstarb; im Frühling desselben Jahres zogen die ersten Mieter ein. Ende der 90er-Jahre war das Haus in einem derart desolaten Zustand, dass sich eine Renovierung aufdrängte. 2004 wurden die ersten Gespräche mit dem „Fonds du Logement“ geführt, um im Pfarrhaus von Pintsch sozialen Wohnraum zu schaffen. Im Februar 2008 unterzeichnete der Kirchenrat schließlich die Konvention mit dem Staat, laut der das Wohnungsbauministerium 75 Prozent der Kosten des 528 000 Euro teuren Projektes übernimmt, wenn die Kirchenfabrik das Pfarrhaus 15 Jahre lang als sozialen Wohnraum vermietet.

Die Renovierungsarbeiten haben zwei Jahre gedauert. Entstanden sind dabei drei Appartements mit einer Wohnfläche zwischen zwischen 97 und 114 Quadratmetern und mit zwei bis drei Schlafzimmern. Am Freitag wurde ein Mietvertrag mit der „Agence Immobilière Sociale“ unterzeichnet.

Vermietung ab dem 1. August

Im Gebäude befindet sich nun auch der Pfarrsaal, in dem das Bild „Pater Noster“, gemalt und gestiftet von der Künstlerin Margot Reding-Schroeder, hängt. Ab 1. August wird das ehemalige Pfarrhaus an Menschen mit geringem Einkommen vermietet. Somit hat der Kirchenrat aus Pintsch seine soziale Verantwortung, ganz im Sinne des Sozialwortes der katholischen Kirche, in die Praxis umgesetzt. Sowohl der Bürgermeister der Gemeinde Kiischpelt, Armand Mayer, wie auch Wohnungsbauminister Marco Schank betonten die Wichtigkeit der sozialen Verantwortung, die die Kirchenfabrik Pintsch mit diesem Projekt übernommen habe. Dieses Projekt sollte Schule machen, so Minister Schank, der im Namen der Regierung allen Verantwortlichen sowie den beteiligten Unternehmen und Handwerksbetrieben seinen Dank aussprach.

Im Anschluss an die Einsegnung des Hauses durch Dechant Martin Molitor aus Wiltz in Vertretung von Erzbischof Mgr. Fernand Frank fand für die Gäste eine Besichtigung des ehemaligen Pfarrhauses statt. Abschließend lud die Gemeinde Kiischpelt zum Ehrenwein ein.(VON ARMAND WAGNER)