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Theater Highlight in Petingen : Das Pflichtmandat im WAX

Die neu gegründete luxemburgische Theater-Asbl "Théâtre grand-ducal" trat erstmals mit einer eigenen Produktion vor das Publikum, auf dem Speicher in der einmalig schön renovierten alten Petinger Mühle, ein architektonisches Juwel. Diese neue Theater-Location bietet einen wunderschönen Kader für Produktionen der Kleinkunstbühne.

"Das Pflichtmandat" ist eine Komödie von John Mortimer, vom Englischen ins Deutsche übersetzt von Marianne de Barde und Hans A. Hammelmann. Die beiden Darsteller Claude Humbert in der Rolle des Wilfred Morgenhall, ein total erfolgloser Anwalt, sowie Jean Noesen in der Rolle des Henry Fowle, ein erfolgloser Verbrecher, wussten das Publikum mit ihrem ausgewogenen Spiel zu überzeugen. Unter der Regie von Bettina Koch haben beide gezeigt, dass sie rein gar nichts von ihrem einstigen Theaterkönnen verloren haben, ganz im Gegenteil. Beide waren in der Tat eine ganze Weile untergetaucht um jetzt mit dem Pflichtmandat wieder die Theaterbühne zu betreten und mit ihrem Spiel, ihrer Mimik und ihrem akzentfreiem Deutsch zu glänzen. Gerne hätte man allerdings auf die paar luxemburgischen Einlagen verzichtet, der einzige kleine Wermutstropfen in dieser doch so hervorragenden Vorstellung.

Der Anwalt Wilfried Morgenhall, welcher seit Jahren auf seinen ersten Klienten wartet, ist durch puren Zufall und ein Missverständnis zum Pflichtverteidiger von Henry Fowle auserkoren worden. Er besucht seinen Klienten in dessen Gefängniszelle, wo das Stück sich abspielt. Fowle, der ruhige und schweigsame Wellensittichzüchter konnte auf Dauer die ununterbrochene gute Laune und das nie enden wollende Lachen seiner Ehefrau nicht mehr ertragen. In seiner Verzweiflung hat er sie schließlich umgebracht. Des Mordes angklagt sitzt er in seiner Zelle und steht zu seiner Tat. Der überdrehte Anwalt sieht in seinem Pflichtmandat die einmalige Chance vor Gericht zu glänzen um ab dann Klienten in Hülle und Fülle zu bekommen und zu verteidigen. Fowle erkennt sehr schnell, dass der übereifrige Anwalt ihm vor Gericht aber rein gar nichts nutzen würde. Aus purem Mitleid spendet er ihm Trost und Zuversicht. In der Zelle spielen die beiden alle Möglichkeiten des Prozessablaufs durch. Fowle schlüpft abwechselnd in die Rolle des Richters, des Staatsanwalts, der Kronzeugen, der Geschworenen und des Angeklagten, damit sein Anwalt mit seiner Beweisführung glänzen kann. Morgenhall ist überglücklich im angeklagten Mörder endlich einen Menschen gefunden zu haben der ihn anerkennt.

Sein Glück sollte nicht von langer Dauer sein. Fowle ist schuldig gesprochen worden und Morgenhall am Boden zerstört. Voller Gram und Scham besucht er seinen Mandanten wieder in dessen Gefängniszelle. Fowle nimmt es gelassen und tröstet seinen zerknirschten Anwalt. Von einer Revisionsverhandlung, die sein Anwalt ihm vorschlägt, will er allerdings nichts wissen. Er verhält sich abweisend und tröstend, bis er schließlich mit der Sprache heraus rückt. Der Gefängnisdirektor hat ihn rufen lassen und ihm mitgeteilt, dass das Verfahren gegen ihn eingestellt worden ist. Zum einen sei sein Prozess falsch aufgezogen worden und zum anderen sei sein Verteidiger dermaßen schlecht gewesen, dass man fairerweise Gnade vor Recht walten ließ und Fowle somit wieder auf freien Fuß kommt. Beide verlassen zusammen das Gefängnis, der eine - Fowle - kehrt zu seinen Wellensittichen zurück und der andere - Morgenhall - geht davon aus, dass sein Klient schnell wieder straffällig wird und ihn dann wieder als seinen Verteidiger nimmt.

Das Publikum verließ ebenfalls den Speicher des „Centre Wax“ mit der Annahme, dass die beiden Akteure des "Théâtre grand-ducal", genau wie Fowle, bald wieder rückfällig werden, so dass dann alle wieder ihren Platz einnehmen um die kleine Theaterbühne und ein neues kulturelles Highlight, einen neuen Leckerbissen vom Feinsten in dieser wunderschönen Location genießen können.