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Neue Nutzung der „Näerzenger Gare“ - Wohnen im ehemaligen Bahnhof

Eigentlich sollte der Bahnhof Noertzingen nach seiner Schließung abgerissen werden. Dann schaltete sich die Denkmalschutzbehörde ein und machte sich für den Erhalt des 140 Jahre alten Gebäudes stark.

Jetzt wurden dort Wohnungen für Studenten und Doktortitelanwärter eingerichtet. Offiziell vorgestellt wurden sie am Samstag in Anwesenheit zahlreicher Gäste, unter ihnen Kulturministerin Octavie Modert.

Recht nostalgisch ging es auf der Fahrt zur Einweihung zu, denn sie erfolgte vom Bahnhof Luxemburg aus in einem historischen „Westwaggon“. Unterwegs wurde ein Abkommen zwischen dem Kulturministerium und der Eisenbahngesellschaft unterzeichnet, das den Erhalt und den Einsatz von historischem Eisenbahnmaterial regelt. Ihre Unterschrift setzten Kulturministerin Octavie Modert und CFL-Generaldirektor Alex Kremer unter das Dokument. Im Rahmen der Umbauarbeiten wurde die Fassade des Bahnhofs Noertzingen gereinigt und restauriert. Außerdem wurden die Türen und Fenster ersetzt. Dabei wurde darauf geachtet, dass sie den historischen Originalen ähneln.

Tiefgreifender waren die Eingriffe im Innern des Gebäudes, das eine Nutzfläche von 225 Quadratmetern aufweist. Insgesamt wurden auf zwei Ebenen sechs Studentenwohnungen eingerichtet. Sie verfügen neben einem Schlaf- und Aufenthaltsraum über eine kleine Küche sowie ein Badezimmer mit Toilette.

Im Erdgeschoss befinden sich drei Studios mit einer Fläche von 32,8, 21,7 und 21,2 Quadratmetern. Die drei Studios im ersten Stockwerk sind 26,2, 26,7 und 25,1 Quadratmeter groß. Der Flur im Erdgeschoss bietet Zugang zu den drei Studios und dient gleichzeitig als akustische Pufferzone zwischen dem Gebäude und dem Bahnsteig.

Auf halber Strecke zwischen Luxemburg und Belval

Anlässlich der Vorstellung der neuen Wohnungen zeigten sich sowohl Kulturministerin Octavie Modert als auch der Bürgermeister der Gemeinde Bettemburg, Laurent Zeimet, erfreut darüber, dass es gelungen ist, den Bahnhof vor dem Abriss zu bewahren.

Hervorgehoben wurde auch die günstige Lage der Studentenwohnungen, denn sie befinden sich genau auf halbem Weg zwischen der Hauptstadt Luxemburg und dem Universitätsstandort Belval.

Der Bahnhof Noertzingen wurde 1873 gebaut in einem Stil, der typisch war für die Bahnhöfe des 19. Jahrhunderts. Er entstand an der Bahnlinie Noertzingen-Rümelingen-Ottange, die offiziell im April 1860 in Betrieb genommen wurde. Per Eisenbahn wurden zu jener Zeit hauptsächlich Güter wie Kohle und Eisenerz transportiert. Nach der offiziellen Schließung des Bahnhofs wurde 2001 der Abriss ins Auge gefasst. Als das Kulturministerium von diesem Vorhaben erfuhr, leitete es eine Dringlichkeitsprozedur ein, um das Gebäude unter Schutz zu stellen. Am 18. Juli 2003 wurde der Bahnhof in das Zusatzinventar der nationalen Gebäude aufgenommen. Die Umbauarbeiten wurden zwischen 2009 und 2011 unter der Verantwortung der Denkmalschutzbehörde durchgeführt. Dabei wurde besonders darauf geachtet, die Originalstrukturen zu erhalten. Die Pläne wurden vom Architektenbüro „Arend & Thill“ ausgearbeitet. (rsd)